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05. Dezember 2019 | Dr. Steffen Schulte

Mit Wurzeln und Flügeln Gott nachfolgen

„Wer die Form nicht ändert, verliert den Inhalt.“ - Anton Schulte

In Gott verwurzelt und von ihm beflügelt Jesus nachfolgen

Wir alle merken, dass sich die Welt und unsere Gesellschaft immer mehr verändern. Die Digitalisierung verändert die Art und Weise wie wir kommunizieren und Informationen verarbeiten. Politisch erleben wir Umbrüche. Auch die Nöte und Ängste, die wir empfinden, verändern sich. In diese sich verändernde Welt hinein spricht Gott, bietet uns Wahrheit Hoffnung und wahre Sicherheit an. 

Mein Großvater Anton Schulte hat besonders am Ende seiner Lebenszeit immer wieder einen Satz gepredigt: „Wer die Form nicht ändert, verliert den Inhalt.“ Er wollte Mut machen, am Entscheidenden festzuhalten und gleichzeitig kreativ und innovativ zu sein. 

Das ist ein guter Rat, denn wenn wir Gott treu bleiben wollen, müssen wir beides tun: Neues wagen und Bewährtes bewahren. Wie ein Seefahrer seine Segel immer wieder neu ausrichten muss, um auf Kurs zu bleiben, so müssen auch wir uns immer wieder neu ausrichten. Mal müssen wir nach Backbord und mal nach Steuerbord lenken, wenn wir Gottes Zielen treu bleiben wollen. 

Anders formuliert könnte man sagen, dass Gott uns auffordert, im Glauben und im Gehorsam voranzugehen. Im Glauben zu gehen bedeutet: neue, unbekannte Wege zu betreten. Gehorsam heißt: bei dem Bekannten zu bleiben. 

Blicken wir in die Bibel, dann wird deutlich, dass Gott beides in sich vereint: Kreativität und Veränderung, und gleichermaßen Kontinuität und Bewahrung. 

Gott, der Kreative und Innovative [2000]

Gott ist kreativ. Kreativität gehört zu seinem Wesen. Er schafft Neues. Er hat das ganze Universum, aus dem Nichts heraus erschaffen. Er hat die drei Primärfarben erfunden, aus denen sich Millionen von Farben und Farbtönen mischen lassen. Der Blick in die Natur offenbart nicht nur seine Kreativität, sondern auch seine Ästhetik: Die Berge. Das Meer. Die Vielfalt der Blumen. Die Artenvielfalt in der Tierwelt. Usw.  Auch wir sind Beispiele von Gottes Kreativität. Jeden Menschen hat er wunderbar und einzigartig geschaffen. Wir sind seine Kunstwerke. (Eph. 2,10)

Im Lehrdienst von Jesus können wir seine Kreativität ebenfalls beobachten. Er verstand es besonders gut, immer wieder Dinge oder Situationen aus seinem direkten Umfeld aufzugreifen und in seine Lehren einzuarbeiten. Mal war das eine Münze, mal ein Feigenbaum, mal stellte er ein Kind in den Mittelpunkt, usw. 

Bei Paulus sehen wir dies auch. Er suchte nach kreativen, neuen Wegen, um den Athenern Jesus bekanntzumachen. Sie zählten zu den ersten Zuhörern, die nicht mit dem Alten Testament vertraut waren. Sie kannten die alttestamentlichen Geschichten von YHWH nicht und erwarteten keinen Messias. Bei ihnen bringt Paulus den „unbekannten Gott“ ins Spiel und argumentiert mit den Aussagen ihrer eigenen Philosophen (Apg. 18). 

Gott lädt uns ein, kreativ zu leben.  Ed Young schreibt in seinem Buch „The Creative Leader“ folgendes: 
„Die Unterhaltungsindustrie ist voll von Schauspielern und Musikern, die mit ihren kreativen Gaben die Fantasie aller Altersgruppen beflügeln. Hollywood, Nashville und New York erfüllen das tiefsitzende Bedürfnis der Menschen nach Kreativität, Abenteuer und Aufregung - ein Bedürfnis, das die Kirche durch die kreative Kraft des Heiligen Geistes erfüllen sollte.“

Oft haben diese Leute aus der Unterhaltungsindustrie nicht viel zu sagen, aber sie wissen genau, wie man es sagen muss. Wir als Christen haben das Wichtigste zu sagen, wissen aber oft nicht wie wir es sagen sollen. Wir brauchen Kreativität, wenn es darum geht die beste Botschaft der Welt zu verkündigen. 

Alle Kreativität braucht auch einen Rahmen, sonst wird unsere Botschaft beliebig und verliert ihren Kern. Wir sie ja nicht ein, um den Leuten zu vermitteln was ihnen gefällt, oder um ihnen das zu sagen, was sie hören wollen.  Vielmehr wollen wir ihre Aufmerksamkeit wecken, damit sie Gottes Wahrheit richtig hören. 

Gott, der Wahrende und Bleibende 

Dass Gott kreativ ist, haben die exemplarischen Beispiele gezeigt, und wir haben es auch alle selbst erlebt. Deshalb sind auch keine zwei Bekehrungsgeschichten gleich. Gott geht mit jedem Menschen seinen eigenen Weg. Gleichzeitig haben sie aber alle etwas gemeinsam. Gott bleibt gleich, und wir alle begegnen demselben Gott und erleben durch ihn Vergebung und Versöhnung. ER ist unser aller Vater. 

Wir erzählen daher immer dieselbe Geschichte. Auf neue und kreative Weise, und doch ist es immer wieder dieselbe Geschichte. Es kann auch keine andere sein, weil es keine schönere gibt. Die Geschichte von Gott, der sich aufmacht, das Verlorene zu suchen. Die Geschichte von Gott, der sich selbst gibt, um Vergebung und Versöhnung möglich zu machen. Es ist die Geschichte von einem Gott, der uns allen einen Neuanfang anbietet und ewige Gemeinschaft mit ihm. 

Gott bleibt sich selbst auch treu. Er kann weder lügen noch sündigen. Er ist gerecht und voller Barmherzigkeit. Gott ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Häufig sagen wir, dass Veränderung die einzige Konstante sei. Das stimmt aber nicht. Gott ist der ewig Beständige. 

Deshalb bleibt auch sein moralischer Wille für uns gleich. Dieser wird gut im Doppelgebot der Liebe zusammengefasst. Auch Gottes Auftrag an uns bleibt unverändert. Diesen finden wir im Missionsbefehl (z.B. Mt 28) gut zusammengefasst. Wir sind aufgerufen, andere einzuladen und in die Nachfolge zu führen.  

Das ist der Rahmen, aber innerhalb desselben gibt es viel Raum für Kreativität. Wenn wir das Gleiche erreichen wollen, können wir in einer sich ständig verändernden Welt nicht immer wieder das Gleiche tun. 

Wenn wir sicher gehen wollen, das Wesentliche nicht aus den Augen zu verlieren, dann gibt es dafür nur eine Lösung: Wir müssen ganz nah bei Gott und seinem Wort bleiben. Wie heißt es so schön in Römer 12,2 
„Richtet euch nicht länger nach ´den Maßstäben` dieser Welt, sondern lernt, in einer neuen Weise zu denken, damit ihr verändert werdet und beurteilen könnt, ob etwas Gottes Wille ist – ob es gut ist, ob Gott Freude daran hat und ob es vollkommen ist.“

Wenn wir nah bei Gott bleiben und uns beständig an sein Wort halten, dann wissen wir wo sein Herz schlägt. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen Wurzeln und Flügel.