Du musst das nicht tun

Andacht

Manche Anweisungen sind klar und deutlich zu verstehen – und werden dennoch oft nur zögerlich in die Tat umgesetzt. Wenn Gott zum Beispiel sagt, wir müssen uns keine Sorgen machen, haben wir in aller Regel doch eine Reihe von oft unausgesprochenen Einwänden und vertrauen eher uns selbst als ihm. Gedanken dazu von Markus Pfeil.

Sorgenfrei leben unter Spaniens Sonne. Vor kurzem sprang mir diese Schlagzeile ins Auge, und mein erster Gedanke war: „Da bin ich sofort dabei!“ Ich muss zugeben, solch ein Satz triggert mich. Warum eigentlich? Ich weiß doch, dass es selbst im sonnigen Spanien kein sorgenfreies Leben gibt. Dennoch spüre ich in mir die Sehnsucht nach einem sorgenfreien Leben. Das hätte für mich schon etwas Himmlisches. Jesus sagt in der Bergpredigt: „Sorgt euch nicht um euer tägliches Leben!“ Aber ist es so einfach? Wenn ich in diese Welt schaue, wie kann ich da den Sorgen entgehen – um die Zukunft meiner Familie, steigende Preise, Inflation und Kriege?  

Verstand benutzen

Sorgen sind nicht gleich Sorgen! Ein Landwirt kann es den Vögeln, die Jesus als Beispiel für ein sorgenfreies Leben anführt, nicht gleichtun. Er kann es sich nicht leisten, nicht zu säen und nicht zu ernten. Hier gilt eher: „Wer nicht arbeitet, hat auch nichts zu essen!“ (frei nach 2. Thessalonicher 3,10) Vernünftig vorsorgen, planen, verantwortungsvoll handeln und auch für Menschen sorgen, die uns anvertraut sind, das sind „gute Sorgen“. Von John Lennox stammt das Zitat: „Wir müssen Gott vertrauen und unseren Verstand benutzen, aber nicht umgekehrt.“ Wenn wir unseren Verstand benutzen, ehrt das Gott, weil er ihn uns gegeben hat. Das zu tun, steht nicht im Widerspruch zum Vertrauen auf Gott.  

Ausbekümmert

Jesus geht es um etwas anderes. Er möchte nicht, dass wir uns zersorgen, dass unsere Gedanken nur noch um Materielles kreisen und dabei den eigentlichen Sinn des Lebens verpassen. Wir können unser Leben durch Sorgen nicht sicherer machen oder verlängern. Studien belegen sogar das Gegenteil: Selbst kleinere Sorgen und Probleme können uns so stark belasten, dass wir davon krank werden. Jesus sagt: „Das Leben ist mehr als Nahrung und Kleidung.“ Wir brauchen die innere Freiheit, das zu tun, wozu wir geschaffen wurden – kurzgefasst: Gott zu dienen und für andere Menschen da zu sein. Ich erinnere mich an eine starke Aussage eines Missionars aus Südafrika. Trotz großer gesundheitlicher Einschränkungen zitierte er Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf: „Um mich habe ich mich ausbekümmert.“ Er wusste, dass Gott sich um ihn kümmert, auch in seiner Krankheit, und war dadurch innerlich frei, sich seinen Aufgaben und dem Dienst an anderen Menschen zu widmen. 

„Studien belegen: Selbst kleinere Sorgen und Probleme können uns so stark belasten, dass wir davon krank werden.“

Sieh, die Lilien 

Die Bergpredigt ist ein Gegenentwurf zu einer in fast allen Bereichen besorgten Welt und ihren Menschen. Sie ist ein Paradigmenwechsel, der uns eine völlig neue Sicht auf die Dinge erlaubt. Die wichtigste Botschaft lautet: Dein Vater im Himmel liebt dich und er sorgt für dich! Die schönsten und stärksten Bilder für die Fürsorge Gottes, die Jesus benutzt, sind die von den Lilien auf dem Feld und den Vögeln unter dem Himmel. Jesus argumentiert hier mit einem „Erstrecht- Schluss“, also mit einem sprachlichen Stilmittel, um eine Behauptung mit einer bewiesenen stärkeren Behauptung zu unterstreichen. Dabei schließt er vom Größeren auf das Kleinere. Wenn Gott schon die Vögel ernährt, die nicht säen und nicht ernten, um wie viel mehr wird er sich dann um uns Menschen kümmern, die wir ihm unendlich viel mehr wert sind und denen er auch noch zwei Hände zum Arbeiten gegeben hat? 

Luxussorgen 

Die Menschen zur Zeit Jesu hätten allen Grund gehabt, sich Sorgen zu machen. Die meisten waren arm, und eine Mittelschicht, wie wir sie kennen, gab es nicht. Sie litten unter Armut, Krankheit und sozialer Ungerechtigkeit. Auch heute müssen nicht wenige um ihren Lebensunterhalt kämpfen. Für sie haben die Worte Jesu noch ein viel stärkeres Gewicht, finde ich. Wie gut geht es mir dagegen, weil ich mir manches einfach so leisten kann. Ich kaufe Brötchen beim Bäcker, und es ärgert mich, wenn ich auf einen Facharzttermin warten muss. Meine Luxussorge im Restaurant ist, dass ich mich nicht entscheiden kann und dann neidisch auf den Tisch neben mir schaue und denke: „Hätte ich mir das doch auch bestellt.“  

Immer etwas mehr  

Es ist in unserer Wohlstandsgesellschaft eine gängige Form, Sicherheit durch Geld zu erlangen. Und so sammeln wir „Schätze auf Erden“. Rockefeller wurde einmal gefragt, wie viel Geld ein Mensch braucht, um zufrieden zu sein. Er antwortete: „Immer ein bisschen mehr.“ Martin Luther war überzeugt: „Woran du dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist auch dein Gott.“ Deshalb sagt Jesus, dass wir nicht zwei Herren dienen können. Wir können nicht auf der einen Seite Gott vertrauen wollen und auf der anderen Seite unseren Sorgen huldigen. Entweder wir finden unsere Sicherheit in Gott, oder wir suchen sie in unserem eigenen Sorgen um unsere Zukunft.  

Wasch dir die Hände 

Es wird voraussichtlich nicht gelingen, dass wir uns nie mehr unnötig Sorgen machen. Aber wir wissen um einen Ort, wo wir unsere Sorgen abgeben dürfen. Mich begleitet schon länger die Zusage aus Philipper 4, Vers 6 und 7: „Sorgt euch um nichts, sondern betet um alles. Sagt Gott, was ihr braucht, und dankt ihm. Ihr werdet Gottes Frieden erfahren …“ Und in 1. Petrus 5,7 steht, dass wir unsere Sorgen auf Jesus werfen sollen, weil er für uns sorgt. In einer afrikanischen Sprache übersetzen sie diesen Vers so: „Wasche deine Hände über den Sorgen.“ Das heißt, die Sorgen, die ich einmal bei Gott abgegeben habe, nehme ich nicht mehr zurück. Ich mache mir damit die Hände nicht mehr schmutzig. Und das bleibt für mich ein Übungsfeld: alle Sorgen im Gebet an Gott abzugeben und sie nicht mehr zurückzunehmen.