Das Richtige tun

Kolumne

Gar nicht einfach, immer zu wissen, was das ist, das Richtige. Schon gar nicht, wenn der Alltag Fahrt aufnimmt und einen mit kleinen und großen „Kloppern“ überrollt. Doris Schulte kann ein Lied davon singen und hat mehr als einmal klären müssen, was dran ist. Das war nicht immer leicht, sagt sie, aber im Angesicht Gottes durchaus machbar.

Alles kommt anders

Ich war fassungslos! Kurz vor Beginn eines Wochenendseminars las ich nochmals die E-Mail-Korrespondenz bezüglich dieses Seminars und entdeckte mit Schrecken, dass der Veranstalter im Laufe der Zeit das Thema von Kommunikation zu Konfliktmanagement geändert hatte. Zum ursprünglichen Thema war schon alles vorbereitet, aber für das neue hatte ich so gut wie nichts zur Hand, außer ein paar Tage Zeit für die Vorbereitungen. Weil ich sofort Material zum Thema „Konfliktmanagement im christlichen Kontext“ brauchte, suchte ich vor Ort bei Freunden und in Buchhandlungen danach – aber leider vergeblich. Und dann kam hinzu, dass meine Schwägerin ausgerechnet an diesem Tag aus dem Krankenhaus entlassen wurde und dringend praktische Hilfe brauchte. Was tun? Was ist jetzt wichtiger: Mich um mein Seminar zu kümmern oder um meine Schwägerin?

Alle wollen was

Ich dachte an Jesus und daran, dass er so was auch durchmachen musste. Matthäus berichtet zum Beispiel in Kapitel 14, Vers 13–21 davon. Jesu Tag begann mit der sehr traurigen Nachricht, dass sein Freund und Cousin Johannes der Täufer umgebracht worden war, und er wollte sich zurückziehen, um zu trauern. Aber ehe er überhaupt wegkam, waren seine Jünger schon da und alle Zwölf erzählten ihm begeistert von dem, was sie auf ihrer ersten Dienstreise in seinem Namen erlebt hatten. Doch nicht nur die Jünger haben Jesu Sehnsucht nach Ruhe gestört, sondern Tausende Menschen waren den Jüngern gefolgt, um Jesus zu finden. Alle kamen mit Erwartungen! Es war so viel los an dem Tag, dass Jesus nicht einmal zum Essen kam. Jesus kennt Aufregung, schlechte Nachrichten, Störungen, Unvorhergesehenes und die Erwartungen von Menschen. Es scheint, als wäre das sehr wichtig für uns zu erfahren. Immerhin wird dieser chaotische Stresstag im Leben von Jesus viermal in der Bibel erwähnt. Kein anderes Ereignis – außer Kreuzigung und Auferstehung – wird in allen vier Evangelien erwähnt. Es muss also wirklich 
wichtig sein.

„Tausende Menschen waren den Jüngern gefolgt, alle kamen mit Erwartungen!“

Alle mal aufgepasst

Und es muss für uns eine Bedeutung haben. Wie hat Jesus an beschriebenem Tag in beschriebener Situation reagiert? Was wusste er tief in sich drinnen, das ihn befähigte, mit der Herausforderung umzugehen, so, wie er es tat? Ich glaube, er kannte den Wert des Menschen! Es war seine innere, gottproduzierte Haltung gegenüber jeder einzelnen Person. Weil er wusste, dass Menschen wertvoll sind, waren sie für ihn keine Störfaktoren, kein Grund zum Verzweifeln oder in Panik zu geraten. Wenn Gott ihm neben der Nachricht, dass Johannes getötet worden war, noch mehr auferlegen wollte, dann würde er ihm auch mit noch mehr übernatürlicher Hilfe beistehen. Das wusste Jesus, und darum verlor er nie die Ruhe im Chaos.

Und ich? Ich traf kurzerhand die Entscheidung, mich zuerst um meine Schwägerin zu kümmern und alles andere hintenan zu stellen. Als ich dann bepackt mit gekochten Suppen und eingekauften Lebensmitteln bei ihr angekommen war, fiel mir ein Buch auf ihrem Bücherregal ins Auge: „Konfliktmanagement nach biblischem Vorbild“! Ich hatte getan, was richtig war und bekam, was ich brauchte. So lebt sich´s gut!