Ach, wär das schön
Persönlich
Wünschen kann man sich vieles, sagt der Volksmund, aber was davon bekommt man auch? Und: Was von dem, was man sich Schönes wünscht, braucht man überhaupt? Was hilft und dient einem? Elena Eigenbrodt hat sich mit der Frage beschäftigt, nicht theoretisch, sondern durchs Leben genötigt. Und sie findet eine Antwort, die so erstaunlich schlicht wie wirksam ist.
Mein Mann hat viele Spitznamen für mich – manche davon übernommen von meiner Familie, manche ausgedacht, manche lustig, manche sehr treffend. Der treffendste ist wahrscheinlich „Frau Chaos“. Den hätten meine Eltern mir früher garantiert auch gerne gegeben. Großes Chaos im Zimmer, kleineres Chaos in den Schulaufgaben, manchmal riesiges Chaos im Kopf. Ich kann mit Stolz sagen, dass sich das mit dem Chaos in den Schulaufgaben und auch in der Wohnung (meistens) erledigt hat. Das Chaos im Kopf hingegen? Das ist weiterhin in großer Ausprägung vorhanden.
Etwas Sicherheit wäre schön
Früher lag es oft an mangelnder Struktur, vielen Hobbys, vielen Freunden und dann doch noch den alltäglichen Verpflichtungen. All das unter einen Hut zu bekommen, war herausfordernd und hat zu viel Unordnung geführt. Und dann hatte ich noch gar nicht angefangen mit den ganzen Dingen, über die ich mir auch noch Sorgen machen könnte! Das waren damals andere Dinge als heute: Wie komme ich (möglichst gut) durch das Abitur? Dann durch die Ausbildung? Wie kann ich für mich selbst, aber auch für alle um mich herum, das Beste erreichen? Durch das Abi bin ich gut gekommen und schnell stand dann auch fest, dass ich ein freiwilliges soziales Jahr in der Notaufnahme eines Krankhauses machen würde. Dadurch inspiriert kam direkt anschließend die Ausbildung in der Gesundheits- und Krankenpflege – und auch wieder neue Sorgen: Kann ich die ganzen Anforderungen bewältigen, mit dem Druck in der Pflege umgehen? Bestehe ich mein Staatsexamen? Sorgen über Sorgen – aber auch die Ausbildung habe ich sehr gut abgeschlossen und anschließend auf einer Wochenbettstation gearbeitet.
„Papa gab mir den Rat, mir Psalm 23 zu vergegenwärtigen und fragte mich, ob ich glauben könne, was da steht.“
Die größte Freude
Neben den beruflichen Herausforderungen, die mich durcheinanderbrachten, gab es aber auch genügend Chaos im Privatleben: Werde ich einen tollen Mann finden, mit dem ich eine Familie gründen kann, die ich mir so sehr wünsche? Kaum ein Wunsch war größer. Dann habe ich ihn 2019 kennen gelernt und 2024 gleich mal geheiratet. Im Oktober 2025 wurden wir mit einer Tochter gesegnet, die uns jeden Tag die größte Freude bereitet. All die Sorgen, die mir in meinem jungen Erwachsenenleben viel Chaos und Druck bereitet hatten und sich oft so anfühlen, als würden sie sich niemals auflösen, verblassen im Blick zurück und vor allem mit Fokus aufs Jetzt. Außerdem haben sich die Fragen von damals doch auch alle ganz wunderbar aufgelöst.
Ein guter Rat
Jetzt, als frischgebackene Mama, treiben mich aber neben aller Freude schon wieder neue Sorgen um. Und damit auch neues Chaos. Bereits in der Schwangerschaft ging es los mit den Fragen, wie es weiter geht. Es wurde recht schnell klar, dass ich als Krankenschwester in meinem eigentlichen Umfang und Umfeld nicht weiterarbeiten durfte; leider hat die Klärung der Situation aber eine ganz Weile gedauert. Keiner wusste sich verantwortlich, immer sollte ich zu jemand anderem, der offenbar zuständig war. Ich hing regelmäßig weinend mit meinen Eltern am Telefon, weil für mich absolut keine Lösung in Sicht war. Papa gab mir dann den Rat, mir Psalm 23 zu vergegenwärtigen und fragte mich, ob ich glauben könne, was da steht. Er meinte auch, ich dürfe mir bewusst machen, dass jemand anderes den Plan für mein Leben längst geschrieben hat – und das besser, als ich es mir selbst je vorstellen könnte. Ich folgte seinem Rat, und mitten in meiner Unruhe und meinem gedanklichen Chaos fand ich
Halt und Ruhe.
Scheinbar weit entfernt
Die Sorgen klopfen trotzdem regelmäßig an und schauen nach mir, und es sind schon wieder andere als damals: Bleibt unsere kleine Maus gesund? Verträgt sie alle Impfungen gut? Sind die Leute um sie herum ihr wohlgesonnen und lieb zu ihr? Werde ich sie immer gut beschützen können? Gerade mit dem ganzen Chaos auf der Welt werden diese Fragen und Sorgen immer größer und ich neige dazu, mich von ihnen überwältigen zu lassen. Die politischen Herausforderungen, die wirtschaftliche Lage, der Weltfrieden, den wir so gerne hätten, der aber scheinbar so weit entfernt ist. Das macht mir große Angst auch im Hinblick auf meine kleine Familie und mein Kind, dem ich nur das Beste bieten und es in Sicherheit wissen möchte. Die Angst ist manchmal so erdrückend,
dass ich am liebsten keine Nachrichten mehr hören und mich nur noch im Bett verkriechen würde. Aber das ist selbstverständlich keine Lösung. An manchem Chaos kann ich natürlich selbst etwas ändern. Dem greifbaren Chaos zum Beispiel, das immer mal wieder in der Wohnung herrscht, oder an der Frage, ob ich meine Arbeiten gut vorbereite und wie ich meinen Alltag plane – all das liegt in meiner Hand. Darum kann ich mich kümmern. Die großen Fragen, die, auf die ich keinen Einfluss habe, die darf, kann, und muss ich abgeben.
„Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht.“
Ganz im Vertrauen
Und ich weiß auch, wo. Ich weiß, dass es einen Weg gibt, das Leben und das Durcheinander in meinem Kopf und Herzen zu bewältigen und mich nicht von dem Chaos verschlingen zu lassen. Die Werkzeuge dazu haben meine Eltern mir schon früh in die Hand gegeben und mich regelmäßig daran erinnert. Ich will ehrlich mit mir sein. Die Kontrolle vollständig abzugeben und (nur …) auf Gottes Plan zu vertrauen, fällt mir so überhaupt gar nicht leicht. Am liebsten hätte ich die Zügel selbst in der Hand und wüsste ganz genau, was wann und wie passiert. Mir ist natürlich klar, dass ich das auch dann nicht wüsste, aber ich würde es zumindest annehmen und mir einbilden können. Ehrlich, es fordert jeden Tag eine neue Entscheidung darüber, wie ich an all das herangehen will. Ich will es gern mit Hebräer 11,1 halten: „Der Glaube ist der tragende Grund für das, was man hofft: Im Vertrauen zeigt sich jetzt schon, was man noch nicht sieht.“
Nur wenige Minuten
Es tut unendlich gut, zu wissen, dass da jemand ist, der einen wunderbaren Plan über mein Leben hat und dem alle meine Wünsche und Sorgen schon längst bekannt sind. Dem auch die Lösung für das Chaos schon lange klar ist! Darauf darf ich bauen. Mir hilft es, den Tag mit einem kleinen Gebet zu starten, den Blick auf das Gute zu richten und für das nicht so Gute zu beten. Wenige Minuten, die reichen und helfen, das Chaos im Kopf und im Herzen zu lichten. Und auch wenn ich mir oft wünschen würde, ohne Sorgen und Chaos durch den Tag kommen zu können, ist es doch eine gute Übung, die Kontrolle abzugeben und auf das zu vertrauen, was ich noch nicht sehe. Gott sieht es nämlich schon.
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