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Pfingsten

Begeistert

Während noch relativ viele wissen, worum es Ostern geht, ist die Unkenntnis über Himmelfahrt und Pfingsten besonders groß. So wurde vor einiger Zeit in einer Umfrage einer großen Fernsehzeitschrift die Frage untersucht, was „Pfingsten“ bedeute und warum dieses Fest gefeiert werde. Dabei kam Erstaunliches zutage.

16 % meinen, Jesus sei an Pfingsten auferstanden, 3 % halten das Fest für den Kreuzigungstermin. Jeder Zehnte glaubt, Maria sei an dem Tag in den Himmel aufgefahren. 23 % machen keine Angaben. Nur 48 % der Befragten gab zur Antwort, dass Pfingsten etwas mit dem Heiligen Geist zu tun habe. Und wenn wir jetzt diese 48 % fragen würden, was das denn nun bedeute, was oder wer der Heilige Geist eigentlich sei und was er in den Christen bewirke, dann würden wir vermutlich weitere sehr seltsame Antworten bekommen! Und zwar nicht nur von den Menschen, die mit Gott und Kirche nichts am Hut haben, sondern auch von denen, die Sonntag für Sonntag im Glaubensbekenntnis sagen: „Ich glaube an den Heiligen Geist.“

„Der Heilige Geist gehört zu uns Christen wie der Motor zum Auto.“

Natürlich würden wir auch sehr gute Antworten bekommen. Eine solche Antwort hat Peter Hahne einmal auf eine Umfrage des Deutschen Allgemeinen Sonntagsblattes geschrieben:

„Ich weiß, wo ich Trost finde, denn der Heilige Geist ist der Tröster. Ich weiß, wo Kraft und Mut herkommen, wenn Ohnmacht und Resignation mich überkommen. Der Heilige Geist ist Gottes große Lokomotive. Er ist weder heilige Begeisterung noch Wohlfühl-Fluidum, sondern ruft in den Gehorsam gegen Gott und seinen Willen. Er ist personhafte Wirklichkeit, die ich erbeten und anbeten kann. Der Heilige Geist gehört zu uns Christen wie der Motor zum Auto.“

Hahne schreibt dem Heiligen Geist da eine Menge Dinge zu: Er tröstet, gibt Kraft und Mut, hilft zum Gehorsam gegen Gott. Ich glaube, dass das genau die Dinge sind, die wir in der Bibel über den Heiligen Geist finden.

Was bedeutet der Heilige Geist für uns Menschen eigentlich? Was hat der Heilige Geist damals in den ersten Christen bewirkt, und – noch wichtiger – was bewirkt er heute in uns? Wer oder was ist eigentlich der Heilige Geist? Und was tut er in uns?

 

Wir wollen uns diesen Fragen in drei Schritten nähern.

  1. Der Heilige Geist – der Erneuerer,
  2. Der Heilige Geist – der Zurechtbringer und
  3. Der Heilige Geist – der Tröster.

Nach seiner leibhaftigen Auferstehung ist Jesus ja als Gott und Mensch in den Himmel aufgefahren und wurde dort von Gott zum Herrn über alles eingesetzt. Himmelfahrt ist, wie wir gesehen haben, so etwas wie ein „Thronbesteigungsfest“. Jesus wurde eingesetzt „als Sohn Gottes in Kraft“ (Röm 1,4).

Jesus ist also der erste Mensch, der mit seinem neuen Leib im Himmel ist. Natürlich ist er auch immer noch Gott. Aber eben nicht nur. Er ist für immer 100 % Gott und 100 % Mensch geworden.

Und wir? Was ist denn unser Ziel als Christen? Kann man das auf einen Nenner bringen? Johannes beschreibt dieses Ziel in 1. Johannes 3,2 mit den Worten: Wir „werden … ihm gleich sein“. Paulus schreibt, dass wir schrittweise verwandelt werden „in sein Bild“ (2. Kor 3,18). Und in Römer 8,29 lesen wir: „Denn die er ausersehen hat, die hat er auch vorherbestimmt, dass sie gleich sein sollten dem Bild seines Sohnes, damit dieser der Erstgeborene sei unter vielen Brüdern.“

Das Ziel, auf das wir zusteuern, ist also, dass wir einmal wie Jesus sein werden. Das macht das Neue Testament ganz klar. Jesus soll der „Erstgeborene“ sein „unter vielen Brüdern“ und Schwestern. Der Erstgeborene hat immer ein Vorrecht. Vor allem in diesem Fall, denn nur durch seine Erniedrigung und Menschwerdung und durch seinen Tod am Kreuz hat Jesus für uns überhaupt erst die Möglichkeit geschaffen, wie er zu werden.

Aber wie soll das gehen? Jesus ist Gott und Mensch. Und wir sind doch nur Menschen! Wie könnten wir jemals werden wie er? Brüder und Schwestern von Jesus sein? Genau an dieser Stelle wird Pfingsten wichtig. Pfingsten kam der Heilige Geist in diese Welt, um etwas Neues zu schaffen. Etwas, das es bisher noch nicht gab. Auch bisher schon hatte Gott durch seinen Geist an Menschen gewirkt. Aber jetzt geschah etwas qualitativ völlig Neues:

Der Heilige Geist – der Erneuerer

In einer Bedienungsanleitung zu den Automaten des Stuttgarter Verkehrsverbundes gibt es einen interessanten Satz. Er lautet:

„Mit der Taste ‚C‘ löschen Sie alle bisherigen Eingaben und können noch einmal ganz neu anfangen.“

Das wäre es doch, oder? Ein uralter Menschheitstraum – noch einmal ganz neu anfangen können. Nur dass es für unser menschliches Leben eine solche Taste „C“ nicht gibt – oder?

Und was würde es helfen, wenn wir neu anfangen könnten? Würden wir es wirklich besser machen? Oder nur anders? Ich stelle mir vor, wir hätten alle die Chance, mit unserem Leben einen zweiten Start hinzulegen. Wir wüssten, was wir alles falsch gemacht haben. Würde es wirklich beim zweiten Mal besser werden?

Ich fürchte: nein! Wie gesagt, wir würden vieles anders machen. Aber besser? Um es wirklich besser zu machen, müsste sich in uns etwas radikal und grundlegend ändern. Woher kommen denn alle die schlechten Gedanken und Taten unseres Lebens? Doch nicht aus den Umständen oder aus fehlerhaftem Denken. Das könnte man ja beim zweiten Versuch wirklich korrigieren.

Das eigentliche Problem in unserem Leben sind wir doch letztlich alle selbst! Unser Herz, unser Lebenszentrum – da liegt das Problem. Da, in unserem Kern, da sind wir nämlich alle zutiefst Egoisten. „Jeder denkt an sich, nur ich denk an mich ….“ Selbst da, wo wir uns so verhalten, als seien der andere und sein Wohlergehen uns wichtig, selbst da sind wir oft genug letztlich nur um uns selbst besorgt. Warum überlasse ich denn dem anderen das größere Stück Fleisch? Es gibt nur drei Möglichkeiten: 1. Ich bin schon satt, 2. Ich mag kein Fleisch und 3. Ich möchte nicht als der da stehen, der egoistisch ist. Alles letztlich sehr egoistische Gründe!

Die Bibel kennt ein Bild für dieses Problem. Sie spricht von einem Herzen aus Stein, das wir in uns tragen. Es ist, als ob es da tief in uns drin eine ungeheure Verhärtung gibt. Ich, ich, ich – das ist das Lebenslied, das da gespielt wird. Man könnte das Bild auch ganz gut in unsere moderne Welt übertragen. Nehmen wir einmal an, jemand hat ein schönes Auto. Aber der Motor hat einen Kolbenfresser. Man kann das Auto noch hin- und herschieben, kann sich auch hineinsetzen und – zumindest für eine Zeit lang – das Licht anmachen oder Radio hören. Aber mit Schwung durch die nächste Kurve oder über den nächsten Hügel – das geht nicht mehr. Nur bergab kann sich dieses Auto noch vorwärts bewegen.

So geht es uns Menschen von Geburt an. Wir haben nicht die Kraft in uns, andere Menschen so zu lieben, dass wir selbst dabei in den Hintergrund treten. Und deswegen haben andere Menschen und letztlich auch Gott keine Chance. Deshalb gibt es Streit und Missgunst und Neid und alle anderen Formen von Sünde. Und deshalb wäre ein neuer Anfang auch nicht genug. Denn in uns drin, an unserem Herzen, da müsste sich was ändern. Das alte, steinerne Herz, das müsste durch ein neues, fleischernes Herz ersetzt werden, ein Herz, das sich kümmert, das Liebe übt, für das Gott und der Nächste wichtig sind.

Genau das hat schon der Prophet Hesekiel im Alten Testament angekündigt. Er schreibt:

„Und ich will euch ein neues Herz und einen neuen Geist in euch geben und will das steinerne Herz aus eurem Fleisch wegnehmen und euch ein fleischernes Herz geben. Ich will meinen Geist in euch geben und will solche Leute aus euch machen, die in meinen Geboten wandeln und meine Rechte halten und danach tun.“ (Hes 36,26-27)

Gott will seinen Geist in das Leben von Menschen geben. Dieser Geist Gottes soll und kann für eine wirkliche, echte Erneuerung sorgen. Denn das ist der Heilige Geist – ein Erneuerer. Nicht nur eine Kraft, die uns einen neuen Anfang ermöglicht, sondern der Heilige Geist selbst kommt in unser menschliches Leben, wird sozusagen zu dem neuen, fleischernen Herz in uns. Wir dürfen neu anfangen mit einer ganz neuen Kraft, einer ganz neuen Ausrichtung!

Genau das ist an Pfingsten geschehen. Da waren die Jünger Jesu zusammen. Sie waren ein verängstigter, kleiner Kreis. Hinter verschlossenen Türen versammelten sie sich. Sie trauten sich nicht hinaus in die Öffentlichkeit. Aber dann kam Gottes Geist in sie hinein. Gott selbst war plötzlich in ihrem Leben. Denn der Heilige Geist ist nicht nur irgendeine unpersönliche Kraft. Er ist Gott selbst, eine Person der Dreieinigkeit.

Und dieser Heilige Geist veränderte die Menschen grundlegend. Aus verängstigten und verunsicherten Jüngern Jesu wurden vollmächtige Zeugen des auferstandenen Jesus. Sie öffneten die Türen, gingen hinaus und fingen alle an, von Jesus Christus zu erzählen.

Der Heilige Geist, das ist Gottes Lebenskraft in uns. Ein ganz neuer Motor, wie Peter Hahne das formuliert hat. Es ist, als würde der alte Motor, der – wie man so schön sagt – „seinen Geist aufgegeben hat“, der mit einem Kolbenfresser liegen geblieben ist, durch einen ganz neuen Motor ausgetauscht. Jetzt geht es wieder los. Jetzt können die Kurven und Berge kommen!

Das ist ein Neuanfang! Nicht einfach nur ein zweiter Start, sondern ein zweiter Start mit ganz anderen Voraussetzungen!

Seit Pfingsten haben das Christen immer wieder erlebt. Das ist sozusagen die Taste ‚C‘, die ihrem Leben eine Richtung und Kraft gegeben hat, die vorher undenkbar waren.

Die Bibel nennt dieses Ereignis „Wiedergeburt“. Wir werden dadurch zu geborenen Kindern Gottes. Das Bild der Adoption greift daher hier zu kurz. Gott adoptiert uns nicht nur im äußerlichen Sinn. Er adoptiert uns, indem er uns auch wirklich von innen heraus zu seinen Kindern macht. Das Neue Testament spricht davon, dass wir den Heiligen Geist als Erstlingsgabe bekommen haben, sozusagen wie eine Anzahlung auf das, was noch kommt. Der Heilige Geist, das ist ja Gott selbst. Und Gott selbst wird bei der Wiedergeburt zu einem Teil unseres Lebens. Der Heilige Geist, das ist das neue Herz in uns, die Versiegelung, die deutlich macht: Das gehört jetzt Gott! Und nur weil das so ist, können wir auch dieses ungeheuer hohe Ziel vor uns haben: Wir werden einmal sein wie Jesus, Brüder und Schwestern von ihm, dem Erstgeborenen.

Der Heilige Geist – der Zurechtbringer

Jesus hat seinen Jüngern noch vor seinem Tod angekündigt, dass er ihnen, wenn er zu Gott in den Himmel zurückgekehrt ist, den Heiligen Geist schicken wird. Er bezeichnet ihn dabei mit einem griechischen Begriff, der eigentlich doppeldeutig ist. Der Heilige Geist, sagt Jesus, ist der paraklätos. Dieses Wort meint sowohl „zurechtbringen“, „ermahnen“ als auch „trösten“. In diesem zweiten Teil möchte ich über das „Zurechtbringen“ reden, im dritten dann über das „Trösten“.

Auch erneuerte Menschen, denen Gott ein fleischernes Herz gegeben hat, in denen sein Geist wohnt, machen Fehler. Noch ist ja nicht alles neu geworden, noch leben sie als Menschen, die sündigen können. Da ist es gut, dass der Heilige Geist in uns auch der Zurechtbringer ist. Immer wieder habe ich es erfahren, wir mir plötzlich bewusst wurde, dass mein Verhalten nicht in Ordnung war und ich es ändern musste.

Vor einiger Zeit hatte ich einen Zusammenstoß. Nicht mit meinem Auto oder in körperlich spürbarer Form, sondern verbal. Ich hatte mich über etwas geärgert und war dabei auch laut geworden. Da plötzlich wurde ich von jemandem, der eigentlich überhaupt nicht betroffen war, in einer Art und Weise angegriffen und „zusammengefaltet“, dass ich wirklich getroffen war. Das war nicht in Ordnung. Ich hatte mich geärgert, ja. Ich war auch laut geworden, ja. Aber ich hatte niemanden persönlich angegriffen und mich bemüht, niemanden zu verletzen. Und dann wurde ich derart heftig angegangen – das war schon wirklich verletzend.

Und ich war auch verletzt. Ich habe danach kein Wort mehr mit der betreffenden Person gesprochen, wenn ich es vermeiden konnte. Normalerweise kann ich niemandem lange böse sein. Spätestens ein paar Stunden danach ist bei mir der Ärger verraucht. Und wenn sich dann irgendwann der andere entschuldigt, weiß ich gewöhnlich überhaupt nicht mehr, warum und was passiert war. Diese Form der Vergesslichkeit ist ein Segen, für den ich sehr dankbar bin. Aber in diesem Fall war es nicht so. Jedes Mal, wenn ich an diese Person dachte, stieg etwas in mir auf, was ich nur mit dem Begriff „Hass“ bezeichnen kann (obwohl ich mich sehr bemüht habe, dieses Wort irgendwie zu vermeiden). Dann saß ich eines Morgens in meiner Stillen Zeit da. Mir ging es irgendwie nicht gut. Ich war total im Stress und fühlte mich innerlich ziemlich ausgelaugt.

Ich schlug die Losungen auf. Das mache ich eigentlich jeden Morgen seit vielen Jahren. Ich lese dann auch einen Abschnitt der Bibel (zurzeit fortlaufend), aber die Losungen gehören irgendwie dazu. Dabei bin ich keineswegs der Meinung, dass das, was da steht, so eine Art christliches Horoskop wäre. Aber es geschieht hin und wieder, dass mir dabei ein Bibeltext ganz direkt ins Auge und ins Herz springt. An diesem Morgen war es so. Ich war fertig, irgendwie innerlich leer.

Und dann las ich Jesaja 59,2b: „… eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet.“

Zuerst habe ich gedacht: Welche Sünden? Die sind doch alle vergeben. Und das ist auch so! Wer von neuem geboren ist, dem sind alle Sünden vergeben. Die vergangenen, die gegenwärtigen und auch die zukünftigen. Und doch gibt es eine Seite der Sünde, die davon nicht betroffen ist. Sünde belastet nämlich die Beziehung zu Gott. Und das war mein Problem.

Als ich mich daher fragte, welche Sünden gemeint sein könnten, wurde mir beinahe sofort klar: meine mangelnde Vergebungsbereitschaft. Ich hatte mir geschworen, dieser Person erst zu vergeben, wenn sie sich bei mir entschuldigen würde. Schließlich war es nicht das erste Mal, dass ich von ihr so angefahren worden war. Und was bildete sie sich überhaupt ein? Sie hatte mich ja noch viel ungerechter behandelt als ich mit meinem Gefühlsausbruch die anderen.

Aber mir wurde klar, dass das alles keine Rolle spielt. Wenn sich ein Mensch bekehrt, vergibt Gott ihm durch Jesus seine Schuld vollkommen. Wir müssen also nicht jeden Abend ängstlich darauf achten, auch ja alle Sünden zu bekennen, um unser Heil nicht zu verlieren. Dennoch sollen wir alle Sünden, die wir weiterhin begehen und die uns bewusst sind, vor Gott bekennen, da sie sonst unsere Beziehung zu ihm stören. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn wir einem anderen Menschen grollen und ihm nicht vergeben wollen.

Entsprechend beten wir im Vaterunser: „Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern“ (Mt 6,12). Und zwar nicht erst, wenn diese reumütig um Vergebung gebeten haben.

Es hat etwas gedauert, bis ich dazu bereit war. Aber dann habe ich vergeben. Ich habe Gott alles gesagt und habe vor ihm dieser Person vergeben. Nach dieser Entscheidung ging es mir wirklich besser! Ich war von einer Last befreit. Zurechtbringung, das bedeutet ja auch, dass ich jetzt auf dem richtigen Weg bin. Das tut gut!

Was hat das jetzt mit Pfingsten oder dem Heiligen Geist zu tun? Nun, ich glaube, dass es Gottes Geist war, der mir gezeigt hat, dass meine mangelnde Vergebungsbereitschaft nicht in Ordnung war und ich vergeben musste. Sicher, das Ganze war eigentlich keine große Sache. Aber viele kleine Sachen ergeben schließlich auch eine große. Ich glaube, dass in unseren Gemeinden viele Menschen sind, die nicht vergeben haben und jetzt diesen Groll und Hass mit sich herumtragen. Und je mehr das wird, umso mehr belastet es uns.

Gottes Geist hilft nicht nur zu einem neuen Anfang mit einer neuen Kraft, sondern er hilft nun sozusagen auch auf dem neuen Weg, den wir gehen, die Richtung nicht zu verlieren. Gottes Heiliger Geist ist der Zurechtbringer!

Das bedeutet nun nicht, dass der Heilige Geist so etwas wie der erhobene moralische Zeigefinger Gottes ist, so, dass wir uns immer schlecht und unvollkommen fühlen müssten. Zurechtbringen – das Wort macht eigentlich deutlich, worum es geht. Wir sollen von einem falschen Weg auf den richtigen Weg gebracht werden. Wir haben uns sozusagen verlaufen, und Gottes Geist bringt uns wieder zurück. Immer geht es dabei um etwas Positives, Gutes.

Es ist gut, sich hin und wieder einmal einen Augenblick Zeit zu nehmen, um darüber nachzudenken. Man kann Gott dabei bitten, dass er es durch seinen Geist zeigt, ob man irgendwo auf einem falschen Weg unterwegs ist. In den Psalmen des Alten Testamentes lesen wir ein Gebet, das man dazu beten kann: „Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich‘s meine. Und sieh, ob ich auf bösem Wege bin, und leite mich auf ewigem Wege.“ (Ps 139,23-24)

Der Heilige Geist – der Tröster

Gottes Geist hilft uns zu einem neuen Anfang mit einer ganz neuen, inneren Kraft. Auf diesem Weg, den wir jetzt mit ihm zusammen gehen, korrigiert er uns, wenn wir in einer falschen Richtung unterwegs sind und hilft uns immer wieder zurecht. Und schließlich ist Gottes Geist auch „der Tröster“. Das griechische Wort, das Jesus für den Heiligen Geist benutzt, wird in der Bibel oft mit „Trost“ und „trösten“ übersetzt.

 

Das war auch bei den Jüngern damals so. Sie hatten die Kreuzigung erlebt und waren völlig verzweifelt. Dann erfuhren sie, dass Jesus auferstanden war. Sie waren ihm begegnet und hatten neuen Mut gefasst. Aber jetzt hatte er sie doch wieder verlassen. Vor zehn Tagen war er vor ihren Augen durch eine Wolke in den Himmel aufgenommen worden – Himmelfahrt. Und jetzt waren sie wieder ganz allein.

Und dann, ganz plötzlich, treten die gleichen Jünger in aller Öffentlichkeit auf und erzählen der erstaunten Menschenmenge, die sich zum Pfingstfest – dem jüdischen Erntefest – in Jerusalem aufhält, was ihnen Jesus bedeutet. Woher dieser Wechsel? Wie wurde aus verzweifelten und verängstigten Menschen eine Truppe von Evangelisten, die Mut und Hoffnung verkündigen?

Die Bibel beschreibt diesen Wechsel und erklärt ihn durch den Heiligen Geist, der über die Jünger kam. Er gab ihnen nicht nur die neue Kraft, sondern er tröstete sie auch darüber, dass Jesus nun nicht mehr bei ihnen war. Diese Aufgabe des Tröstens nimmt der Heilige Geist seit damals immer wieder wahr.

Und das können wir ja auch wirklich gebrauchen, oder? Hoffnung, neuen Mut, Trost – das sind doch die Dinge, die heute wirklich fehlen. Dabei meine ich nicht den billigen Trost, wie man ihn manchmal Kindern sagt, wenn sie sich z. B. gestoßen haben: „Bis du einmal heiratest, tut das nicht mehr weh.“ Auch nicht den billigen Trost des Poesiealbums: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“

Das alles ist billig und falsch. Wirklich trösten kann nur jemand, der eine echte und verlässliche Hoffnung auf Veränderung anbieten kann. Ein „das wird schon wieder“ hätte den Jüngern damals nicht geholfen. Nein. Jetzt wussten sie einfach, dass Jesus immer bei ihnen sein würde. So, wie er es ihnen eigentlich schon längst gesagt hatte. Aber jetzt konnten sie es auch wirklich glauben. Und weil Jesus immer das letzte Wort hat, weil er am Ende der Zeit als der Sieger schon längst feststeht, konnten sie und können wir heute wirkliche, tragfähige Hoffnung haben.

Ich weiß nicht, in was für einer Situation du dich gerade befindest. Vielleicht stehst du vor einer großen Herausforderung, einem Pro-blem, das du nicht bewältigen kannst. Vielleicht sagst du: „Trost, ja, den könnte ich jetzt gebrauchen.“

Ich kann dir nicht versprechen, dass sich deine Probleme in Luft auflösen werden. Aber ich kann dir versprechen, dass Gott selbst an deiner Seite mit dir durch dick und dünn – und damit auch durch alle deine Probleme – gehen möchte. Ist das nicht großartig? Ich finde, das ist der einzige wirkliche Trost. Wenn ich weiß, dass der Herr der Welt, der das ganze Universum geschaffen hat, an meiner Seite steht und mir zusagt: „Ich liebe dich und sorge für dich. Ich gehe mit dir, auch wenn du gerade nicht weißt, wie du den nächsten Tag überstehen sollst.“ Wenn das wahr ist, dann haben wir als Christen wirklich etwas, was unbeschreiblich wertvoll und wichtig ist: echten Trost, echte Hoffnung!

 

 

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Genau das schenkt der Heilige Geist. Er möchte uns seine bleibende Gegenwart versprechen. Schließlich ist er Gott! Und wenn er in unser Leben eingekehrt ist, wenn es sozusagen bei uns Pfingsten geworden ist, in unserem ganz persönlichen Leben, dann haben wir nicht nur den Erneuerer, der nun als Gottes Kraft hilft, unser Leben ganz neu zu gestalten. Dann haben wir nicht nur den Zurechtbringer, der uns hilft, immer wieder auf Gottes Weg zurückzukommen, wenn wir uns irgendwo verlaufen haben. Dann haben wir auch den Tröster in unserem Leben, der versprochen hat, uns niemals alleinzulassen, und der wirklich jede Situation unseres Lebens in seiner Hand hat. Gott entgleitet nichts. Er bleibt in jeder Lage der Herr, der an unserer Seite steht.