In die Tiefe wachsen
Inspiration
Viele wünschen sich einen Glauben, der trägt – nicht nur an guten Tagen, sondern gerade auch dann, wenn es schwierig wird. Einen Glauben, der nicht oberflächlich bleibt, sondern in die Tiefe wächst. Eva Dittmann hat sich mit der Frage beschäftigt, wie der zu finden ist und was man tun muss, um ihn langfristig zu halten.
Das schnelle Leben um uns herum, die vielen Reize, die auf uns einprasseln, und der fehlende Fokus lassen uns oft an der Oberfläche zurück. Die beiden Gebete von Paulus in Epheser 1,15–23 und 3,14–21 laden uns aber ein, eine andere Richtung einzuschlagen. Sie zeigen, wie geistliche Tiefe wächst – nicht durch mehr Aktivität, sondern durch eine tiefere Verwurzelung. Wer in die Tiefe wachsen möchte, muss tiefer in der Erkenntnis Gottes, in seiner Macht und in seiner Liebe verwurzelt sein.
Verwurzelt in der Erkenntnis Gottes
Paulus betet in Epheser 1 darum, dass Gott den Lesern den Geist der Weisheit und Erkenntnis gibt, damit sie ihn immer besser kennen lernen (Vers 17). Warum ist diese tiefere Erkenntnis Gottes in unserem Leben mit und vor Gott so wichtig? Paulus nennt hier zwei Gründe: Zum einen hilft uns dieser Geist der Weisheit und der Erkenntnis, die ganze Tragweite des Evangeliums zu verstehen. Er weiß: Wir alle unterschätzen die Kraft des Evangeliums, die jede Dimension unseres Alltags vereinnahmt. Aber die Botschaft des Evangeliums verändert alles: unsere Identität, die in und durch Christus neu verwurzelt ist; unsere Ebenbildlichkeit, die in und durch Christus aufblühen kann; unsere Berufung, die in und durch Christus eine neue Richtung bekommt; und all die kleinen, banalen Aufgaben des Alltags, die in und durch Christus geheiligt werden.
„Theologie ohne Anbetung ist nichts als tote Rechtgläubigkeit. Aber Anbetung ohne Theologie wird schnell zu Götzendienst.“
Zum anderen führt uns dieser Geist der Weisheit und der Erkenntnis in die Anbetung. Das Wesen der Anbetung besteht darin, Gott wirklich zu erkennen – und mit ganzem Herzen auf diese Erkenntnis zu reagieren. Es geht hier also nicht um eine intellektuelle Angelegenheit, sondern eine ganzheitliche Begegnung mit dem dreieinigen Gott. Anbetung – in all ihren Formen – ist die angemessene Antwort darauf, wer Gott ist und wie Gott ist. Paulus weiß: Theologie ohne Anbetung ist nichts als tote Rechtgläubigkeit. Aber Anbetung ohne Theologie wird schnell zu Götzendienst. Wer in die Tiefe wachsen möchte, muss tiefer in der Erkenntnis Gottes verwurzelt sein.
Verwurzelt in der Macht Gottes
Paulus betet in Epheser 3,16: „Gott gebe euch durch seinen Geist innere Kraft und Stärke.“ Wir unterschätzen die Wichtigkeit dieses Gebets oft – aus zwei Gründen: Zum einen unterschätzen wir die Kraft Gottes. Wir können uns gar nicht so recht vorstellen, wie groß seine Macht wirklich ist. Und deswegen leben wir so, als kämen wir ohne sie aus. Zum anderen unterschätzen wir aber auch die Wirklichkeit, in der wir leben. Die Bibel beschreibt unser Leben nicht als neutralen Raum, sondern als geistlichen Machtkampf. Einflüsse von außen, unsere eigene Sündhaftigkeit und Satan selbst zerren an uns und wollen uns von Christus wegreißen.
Auch heute noch gibt es übernatürlichen und schlagkräftigen Widerstand gegen all das, was Gott in uns und durch uns bewegen möchte. Auch heute noch müssen wir uns eingestehen, dass wir gegen diese Mächte niemals allein bestehen können. Auch heute noch sind wir auf die geistgewirkte Kraft Gottes angewiesen. Aber auch heute dürfen wir uns sicher sein: In Christus wohnt diese Kraft in uns – die gleiche Kraft, durch die Christus auferstanden ist, die gleiche Kraft, die Wunder tun und Herzen verändern kann, die gleiche Kraft, die bis zum Ende der Zeiten regieren wird. Beten Sie, dass diese Kraft in Ihrem Herzen Raum gewinnt. Beten Sie, dass diese Kraft Sie in Ihrem alltäglichen Kampf gegen die Sünde unterstützt. Denn wer in die Tiefe wachsen möchte, muss tiefer in der Macht Gottes verwurzelt sein.
„Wurzeln wachsen im Verborgenen. Und geistliche Tiefe entsteht im Gebet. In der Begegnung mit Gott.“
Verwurzelt in der Liebe Gottes
Paulus betet in Epheser 3 auch darum, dass die Leser die Dimensionen der Liebe Gottes in ihrem Leben immer mehr erkennen (Verse 17-19). Sie sollen mit ihrem Verstand und ihrem Herzen verstehen, dass sie in der Liebe Gottes verankert sind. Dass die Liebe der Nährboden ist, in dem ihr Leben verwurzelt ist. Und dass die Liebe das Fundament ist, auf das ihr Leben aufbaut. Paulus lädt uns ein, die Grenzenlosigkeit der Liebe Gottes immer mehr zu erkennen, zu erfahren und zu verinnerlichen.
Die Breite, die Länge, die Höhe und die Tiefe der Liebe Christi – welch bewegende Beschreibung! Gottes Liebe ist breit genug, um Abermillionen Sünder willkommen zu heißen – Menschen jeden Geschlechts, jeder Kultur und jeden Status. Gottes Liebe ist lang genug, um in alle Ewigkeit zu strahlen, lang genug, um selbst an die hintersten Ecken der Erde zu gelangen. Nichts liegt außerhalb vom Wirkungsbereich seiner Liebe. Gottes Liebe ist hoch genug, um die Pforten des Himmels zu öffnen. Sie zieht uns in Christus aus der Dunkelheit ins Licht und weist uns in der himmlischen Welt unseren Platz zu. Und Gottes Liebe ist tief genug, um uns zu erreichen. Weil sie zu uns herunterkommt. Sich nicht zu schade ist, Mensch zu werden. Das ist Liebe, die hineintritt in unsere Schuld und Scham und unser Leid. Liebe, die tief hinein in unsere Herzen dringt und uns verändert und erfüllt.
In einem bekannten englischen Lied heißt es: „Wenn wir die Meere mit Tinte füllen könnten und die Himmel aus Papier wären, wenn jeder Halm auf der Erde eine Schreibfeder wäre und jeder Mensch ein Schreiber von Beruf – um die Liebe Gottes aufzuschreiben, würden die Meere austrocknen und auch der Himmel könnte sie niemals komplett erfassen.“ Diese grenzenlose, unseren Verstand übersteigende und unser Herz ergreifende Liebe wohnt durch Christus in uns. Wer in die Tiefe wachsen möchte, muss tiefer in dieser Liebe Gottes verwurzelt sein.
Wurzeln wachsen im Verborgenen. Und geistliche Tiefe entsteht im Gebet. In der Begegnung mit Gott. Wo geben Sie Gott Raum, Ihr Herz tiefer zu verwurzeln?
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