Ein Tag zum Feiern
Ratgeber
Manche Dinge sind wichtig. Und richtig! Erstaunlich, wie wenig wir das oft bedenken und so leben, als gäbe es sie nicht. Hans-Georg Wünch hat sich mit der Frage beschäftigt, welche Bedeutung und Auswirkung ein regelmäßiger Ruhetag für Menschen haben würde. Und er kommt zu dem Schluss, dass es um weit mehr geht als nur darum, nicht zu arbeiten.
Es ist Freitag, später Nachmittag. Das Haus ist gereinigt und das Essen ist vorbereitet. Der Tisch ist festlich gedeckt, auch Kerzen sind da, ebenso ein Teller mit einem frischgebackenen Hefezopf, einer sogenannten „Challa“, und die ganze Familie hat sich um den Festtagstisch versammelt. Kurz bevor es dunkel wird und nach jüdischem Verständnis der neue Tag beginnt, zündet die Hausfrau die Kerzen an und spricht den Segen (Kiddusch). Häufig singt man auch gemeinsam das Lied „Schalom aleichem“, das bedeutet: Friede sei mit euch. Schließlich wendet man sich der geöffneten Tür zu, um die „Königin Sabbat“ zu begrüßen und feiert den Beginn des Ruhetages mit einem fröhlichen und festlichen Essen.
Keine menschliche Idee
So, oder so ähnlich, begrüßen Juden weltweit den Sabbat. Der ist für sie aber nicht so sehr eine Unterbrechung der täglichen Routine oder eine erzwungene Ruhepause, ein Tag, an dem man nicht arbeiten darf, sondern viel mehr ein Tag der Freude, an dem man die sechs Tag Arbeit, die hinter einem liegen, ausgiebig miteinander feiert. Ein Tag, an dem man sich auf Gott ausrichtet, und daher natürlich auch in die Synagoge geht, und den man als Familie gemeinsam genießt. Ich denke, dass wir Christen von dieser Art des Sabbatfeierns viel lernen könnten. Der Ruhetag, den man wie eine Königin empfängt, und an dem man sich auf den ausrichtet, der den Ruhetag erfunden hat: Gott selbst. Denn der Sabbat ist viel älter als Israel oder das mosaische Gesetz. Er ist ja von Gott bereits bei der Schöpfung eingesetzt worden. Wir lesen in 1. Mose 2,2-3: „Und Gott vollendete am siebten Tag sein Werk, das er gemacht hatte; und er ruhte am siebten Tag von all seinem Werk, das er gemacht hatte. Und Gott segnete den siebten Tag und heiligte ihn; denn an ihm ruhte er von all seinem Werk, das Gott geschaffen hatte, indem er es machte.“
Gott „ruhte von all seinem Werk“. Nicht, weil er müde und erschöpft war oder eine Pause benötigte, sondern weil das, was er geschaffen hatte, fertig war. Und es war „sehr gut“, wie er selbst es befand (1. Mose 1,31). Den Rhythmus von sechs Tagen Arbeit und einem Ruhetag hat Gott also selbst eingeführt. Und er hat ihn für seine Geschöpfe, uns Menschen und auch für die Tiere, die später im Gesetz immer in die Sabbatruhe einbezogen werden, geheiligt und gesegnet. Jesus sagt später (Markus 2,27): „Der Sabbat ist um des Menschen willen gemacht und nicht der Mensch um des Sabbats willen.“
Nicht wie, sondern dass!
Dabei ist es letzten Endes nicht entscheidend, welchen Tag wir als Ruhetag nehmen. Die christliche Kirche hat zunächst den Samstag als Ruhetag beibehalten. 321 n. Chr. wurde dann von Kaiser Konstantin der Sonntag zum Ruhetag erklärt in Erinnerung daran, dass Jesus an einem Sonntagmorgen auferstanden ist. Wichtig ist nicht, an welchem Tag wir den Ruhetag feiern, sondern dass und wie wir es tun. Denn es gilt: Der Mensch ist nicht für den Ruhetag geschaffen, sondern umgekehrt. Und wenn man an einem Sonntag arbeiten muss (als Pastor, Krankenschwester oder in einem anderen Beruf, der das nötig macht), ist es natürlich möglich, einen anderen Tag als Ruhetag zu nehmen.
„Wichtig ist nicht, an welchem Tag wir den Ruhetag feiern, sondern dass und wie wir es tun.“
Ich persönlich habe mir seit einiger Zeit vorgenommen, einen solchen Ruhetag auch in digitaler Hinsicht einzulegen. Am Freitagabend mache ich das Handy aus und erst am Samstagabend wird es wieder eingeschaltet. Wenn ich ehrlich bin, klappt das nicht immer. Aber wenn es klappt, dann stelle ich fest, wie gut mir das tut. Ich entdecke plötzlich, dass ich nicht unersetzlich bin. Dass ich nicht ständig erreichbar sein muss. Und dass ich Gott auch darin vertrauen kann, dass ich auf diese Weise keine Entscheidenden oder wichtigen Dinge verpasse. So, wie damals die Israeliten Gott vertrauen mussten, dass sie die Ernte auch in der nächsten Woche noch einbringen konnten. Oder dass sie – in der Zeit der Wüstenwanderung – am Tag vorher genügend Manna sammeln konnten, um am Ruhetag ohne diese Arbeit auskommen zu können. Damit ist der Ruhetag auch ein Tag, an dem man sein Vertrauen auf Gott im Alltag sichtbar werden lässt. So hatte ich das bisher noch gar nicht gesehen. Aber auch dafür ist dieser Tag gemacht! Denn es geht ja darum, sich an diesem Tag in besonderer Weise auf Gott auszurichten und wirklich alles von ihm zu erwarten. Ich habe hier ein paar Anregung, wie wir solch eine christliche Sabbatfeier gestalten könnten:
Gut wär‘s gemeinsam
Läutet den Sonntag als Ruhetag schon am Abend vorher ein, vielleicht mit einem guten Essen, wenn möglich mit der ganzen Familie zusammen. Feiert den Beginn des Ruhetages und verbringt dann auch den Abend gemeinsam. Wie wäre es mit ein paar Gesellschaftsspielen oder einem guten Film und Popcorn? Genießt am nächsten Morgen den Gottesdienst in eurer Gemeinde. Besucht ihn ebenfalls wenn möglich mit der ganzen Familie und nutzt ihn, um euch gemeinsam auf Gott auszurichten. Dann ist der sonntägliche Gottesdienst nicht so sehr eine Veranstaltung, in der man etwas für sich und sein geistliches Leben bekommt, sondern viel mehr ein Ort, an dem wir Gott und seine Größe feiern! Macht den Sonntag zu einem Tag für die Familie. Unternehmt gemeinsam etwas, genießt das Zusammensein. Und so, wie ihr am Samstagabend den Beginn des Ruhetags gemeinsam gefeiert habt, schließt ihn nun auch wieder mit einem gemeinsamen Abendessen ab.
Das sind, wie gesagt, nur ein paar Anregungen. Entscheidend ist nicht die Form oder Gestaltung, sondern dass der Ruhetag – egal, an welchem Tag wir ihn feiern – eine der grundlegenden Schöpfungsordnungen Gottes ist. Eine Ordnung, die für uns Menschen gemacht ist.
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