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Doch Gott wartet

Inspiration

Die meisten Christen pflegen in irgendeiner Form ihre Beziehung zu Gott, da hat jeder so seinen eigenen Zugang. Judith Schmidts bildet da keine Ausnahme, und sie kommt zu dem Schluss, dass die Zeit, die sie sich nimmt, irgendwie immer zu kurz ist. Und doch redet Gott zu ihr und beauftragt sie. Sie meint: Gott wartet und sein Geist wirkt.

Mein Alltag ist ganz schön voll. Mein Terminkalender ebenso. Ich bin ein Mensch, der – einfach gesagt – voll im Leben steht. Aber ich merke, dass sich, je länger ich über meinen Plänen und Aufgaben sitze, irgendwo in meinem Kopf ständig alles um mich dreht. Wo kann ich den Termin XY noch unterbringen? Der ist wichtig und kann nur in diesem einen Zeitfenster platziert werden. Morgen muss ich mal wieder einkaufen, der Kühlschrank ist leer. Und die Schmutzwäsche hat sich mal wieder aufgetürmt. Und wenn ich meine Fenster anschaue, dann müsste ich eigentlich mal wieder … Ich bin nicht allein in diesem Gedanken- und Terminkarussell. Alle meine Bekannten,die noch voll im Berufsleben stehen, drehen sich um dieselben Fragen, und ich fühle mich in ihrer Umgebung verstanden und gut aufgehoben.

Ich und mein Hunger

Wenn ich innehalte, denke ich oft: Ich bin ja auch noch Christ und das nicht nur auf dem Papier. Mir ist wichtig, mein Leben unter die Herrschaft Gottes zu stellen, aber in dieser schnelllebigen Zeit bleibt das oft auf der Strecke. Ich möchte den Willen Gottes tun, aber oft habe ich das Gefühl, es wäre nur noch ein weiterer Punkt auf meiner To-do-Liste. Stille Zeit und Gebet gehören zu meinem Alltag. Aber wirklich Zeit nehme ich mir nicht, um Gott zu begegnen. 

Doch Gott wartet. Er wartet auf mich. Im Garten Eden ging er mit Adam und Eva abends in der Kühle spazieren. Er nahm sich Zeit für sie und ihre Anliegen. Das ist heute nicht anders. Gott will kein weiterer Stresspunkt sein, sondern der Ruhepunkt. Der Moment, in dem wir innehalten, ausruhen, wieder Ordnung in unser gedankliches Chaos bekommen, Frieden finden. Er lädt uns ein, in seine Ruhe einzukehren, an seinem Tisch Platz zu nehmen, unseren Durst und Hunger bei ihm zu stillen.

Ich suche nach Gelegenheiten, diese Begegnungen zu ermöglichen. Im ersten Moment könnte man meinen, dass es keine Zeitfenster für eine längere Zeit der Begegnung mit Gott gibt, aber wenn ich ehrlich bin, gibt es die schon. Die Frage ist nur, ob ich bereit bin, liebgewordene Gewohnheiten loszulassen, um den nötigen Freiraum zu schaffen. Und es steht die Frage im Raum, wie viel mir die Zeit mit Gott wirklich bedeutet.

„Ich möchte den Willen Gottes tun, aber oft habe ich das Gefühl, es wäre nur noch ein weiterer Punkt auf meiner To-do-Liste.“

Nicht alles schmeckt mir

Und was mache ich nun mit der Zeit, die ich Gott widmen will? Es würde mich ermüden, wenn ich mich für längere Zeit nur zum Bibellesen und Gebet hinsetzen würde. Ich brauche die kreativen Elemente in meiner Beziehung zu Gott. Für mich passt meistens ein kurzer Text aus dem Neuen Testament, den ich Wort für Wort lese und bei dem ich versuche, dahinterzukommen, was mir der Text sagen will. Ich lese ihn mehrfach. Ich beschäftige mich intensiv damit, welche Reaktionen er in mir hervorruft. Ich rede in der Regel laut, wenn ich mich dann mit Gott über die Gedanken unterhalte, die der Text in mir auslöst. Manchmal frustriert mich der Text und greift mich an. Dann sage ich Gott „meine Meinung“ dazu. Nicht alles, was ich Gott zutraue, tut er, und manchmal bin ich traurig oder enttäuscht, dass meine Gebete und Wünsche nicht berücksichtigt werden. Oder der Text löst Begeisterung in mir aus über das, was Gott tut und wie er es tut. Ich sage ihm, was mich bewegt, und lasse meine Emotionen dabei voll zu. Wenn ich an Alltagssituationen denke, die in mir aufflackern, während ich lese, dann bete ich darüber und frage ihn, ob dieser Gedanke einen Grund hat. Wenn mich etwas ablenken will, schreibe ich es auf, um es aus dem Kopf zu bekommen. Wenn mir zu dem Gelesenen nichts mehr einfällt, dann werde ich still und versuche, meine Gedanken abzulegen und mir einfach bewusst zu machen, dass ich mit Gott zusammen bin, um zur Ruhe zu kommen, mich zu sortieren, ihm die volle Aufmerksamkeit und Ehre zu geben, ihn anzubeten, mich ihm erneut hinzugeben.

„Ich sage ihm, was mich bewegt, und lasse meine Emotionen dabei voll zu.“

Eine neugierige Spannung

Diese Zeiten geben mir Frieden. Ich fühle mich geliebt und wertgeschätzt. Gott nimmt mich ernst. Nach einer solchen Zeit mit Gott erhielt ich einen glasklaren Auftrag. Gott schickte mich los, um eine Frauenfreizeit für Alleinerziehende zu organisieren. Ich bin nun dabei, diese Freizeit vorzubereiten, und voller neugieriger Spannung, was Gott in dieser Sache vorhat und tun wird. Ich glaube, es wird ein tolles Wochenende, auch wenn ich ganz schön zittrig bin, denn ich habe bisher noch keine Ahnung, was genau Gott sich vorstellt. Ich gehe einfach nur Schritt für Schritt weiter. Gott wird sich dazustellen. Das weiß ich genau. Ich lasse es zu, in gewisser Weise unwissend zu sein. Mein Gott hat alles in der Hand.

Diese Zeiten der Stille plane ich nun möglichst regelmäßig ein. Es könnte immer noch öfter sein, als ich es tatsächlich schaffe. Jedes Mal geschieht danach etwas, was ich unter diesem Aspekt als Gottes Handeln erkenne. Ich bin ein wenig atemlos, was als Nächstes passiert. Gleichzeitig bin ich bewegt, dass Gott selbst die wenigen intensiven Zeiten, die ich ihm einräume, mit Antworten und Beweisen seiner Liebe füllt.

 

 

„Ich bin bewegt, dass Gott selbst die wenigen intensiven Zeiten, die ich ihm einräume, mit Antworten und Beweisen seiner Liebe füllt.“

Gott sehnt sich nach uns. Das ist doch der Grund, warum er seinen einzigen Sohn ans Kreuz nageln ließ. Er hat die Zeiten mit Adam und Eva genauso genossen wie sie. Gehen wir weg von einem abstrakten Gott, den keiner fassen kann, zu dem Gott, der unsere Nähe sucht und in uns lebt. Natürlich ist er dennoch der souveräne, allmächtige, heilige Gott, der die Sünde hasst. Er muss sie ja hassen, weil sie sich zwischen ihn und uns stellt. Aber er ist eben auch der, der den Menschen, den Sünder liebt! Er weiß, wie begrenzt wir sind. Er ist die Liebe in Person. Und in dieser Liebe will und kann er uns ganz persönlich begegnen, weil Jesus das am Kreuz auf Golgatha ermöglicht hat. Der Weg zu Gott ist wieder offen. Nutzen wir ihn. Laufen wir in seine Arme. Er wartet darauf, mit uns seine Zeit zu verbringen.

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