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Der Kraft auf der Spur

Leitartikel

Ein Alltag, der uns nachvollziehbare Bilder für ein Leben als Christ gibt, ist hochwillkommen. Bilder, die wir verstehen können, die nicht kryptisch oder verklausuliert sind. Solche, die erlauben, sich selbst darin zu finden. Und die sich übertragen lassen. Detlef Eigenbrodt über sein Fitnessstudio und was er dort über die Kraft des Heiligens Geistes entdeckt hat.

Als ich vor etwa zehn Jahren zum ersten Mal ein Fitnessstudio betrat, war mir nicht ganz klar, wie ich in diese Welt aus Lang- und Kurzhanteln hineinpassen würde. Und es ist wohl der außerordentlich freundlichen Mitarbeiterin dort zu verdanken, dass ich nicht gleich kehrtgemacht habe. Was ich denn suche und anstrebe, war ihre Frage, und meine Antwort war klar: Ich brauche mehr Bewegung, will körperlich fitter werden, Gewicht reduzieren und an den richtigen Stellen Muskeln aufbauen. Ob ich denn schon mal in einem Studio trainiert hätte, wollte sie wissen, ob ich irgendwelche Erfahrung mitbrächte. Auf mein Nein hin meinte sie nur, das sei cool, sie würde mir zeigen, worauf es ankommt. Ob ich körperliche Probleme oder Einschränkungen hätte, irgendwas mit dem Rücken oder so, auf das wir achten sollten. Auch hier ein klares Nein von mir, auch dazu ein klares Lächeln von ihr. Alles gut. Wir vereinbarten für den kommenden Tag ein Probetraining und ich machte mich wieder auf den Heimweg.

Ab an die Maschine 

Knapp 24 Stunden später kam ich zurück in besagtes Studio, wurde freundlich begrüßt, zog mich um und mein Training begann. Zunächst mal hieß es „warm machen, bitte“, also den Körper auf leichte Betriebstemperatur bringen, das sei superwichtig. Während ich also auf meinem Fahrrad saß und virtuell durch die Gegend fuhr, ließ ich meinen Blick durch den großen Trainingsraum gleiten und war etwas unsicher. Gehörte ich hierher? War ich nicht irgendwie ein Fremdkörper mit Bauch? Die anderen sahen so geübt aus, die Abläufe so stimmig. Naja, ich fing ja gerade erst an. Und das wortwörtlich. „Bevor wir dich in den Freihantelbereich einführen“, sagte meine freundliche Trainerin, „arbeiten wir mal erst eine Weile an den Maschinen, okay?“ Als hätte ich widersprechen können, ich hatte ja keine Ahnung. Also ja, ab an die Maschinen. Und das erwies sich als ausgezeichneter Start für mich. Diese Maschinen – es waren etwa fünfzehn verschiedene – hatten alle eins gemein: Sie wurden exakt auf meine Körpergröße eingestellt, und zwar so, dass alle Bewegungsabläufe ergonomisch richtig abliefen. Per Chiparmband stellte sich bei jedem neuen Training das Gerät wieder auf meine Position ein. Für mich eine echte Hilfe. Hilfreich war auch der kleine Monitor, der mir durch einen kleinen Ball in einer Schlangenlinie anzeigte, ob ich zu schnell oder zu langsam war. Irgendwie auch noch witzig, das Ganze, dachte ich mir. Bis ich an allen Geräten drei Runden hinter mir hatte. Da war dann nix mehr witzig.

Bitte nicht aufgeben

Nach einer Dusche und einer Runde in der Sauna traf ich meine Trainerin dann wieder zum Nachgespräch, und sie wollte wissen, wie’s war. Ob es Spaß gemacht hätte, ob ich es spürte, ob ich denn Bock hätte, mich auf den Weg zu machen, und ob ich wiederkommen wollte. Wollte ich. Und es war eine der besten Entscheidungen, die ich je getroffen habe. Abends sprach ich mit einem Freund, der als ehemaliger Bodybuilder auch in diesem Studio trainiert hatte, und er meinte, ich müsse die ersten Wochen echt Disziplin haben, um nicht aufzugeben. Die Tages- und Wochenroutine würde sich ändern, mein Körper würde schmerzen und ich würde Muskeln an Stellen spüren, von denen ich früher nicht mal geahnt hätte, dass es sie gibt. Alles in allem ginge es darum, nicht aufzugeben und weniger auf den Muskelkater zu achten als vielmehr auf das Gesamtgefühl meines Körpers und Geistes. Beides gehöre und spiele zusammen. Also dann. Und er meinte noch: „Wenn du erst mal drin bist und regelmäßig trainierst, dann wird es dir fehlen, wenn du’s mal ’ne Weile nicht machst. Also sieh zu und hau rein.“

„Ich war nicht hier, um mich mit anderen zu vergleichen, sondern um an mir zu arbeiten. Und das tat ich.“

So ging ich also regelmäßig zum Training und arbeitete mich durch meine Programme. Bauch ab- und Muskeln aufbauen. Ich hatte ein Ziel, und das wollte ich erreichen. Also los. Im Laufe der Wochen lernte ich dann die anderen Trainer des Studios kennen und auch die anderen Trainees. Ich begann mich wohlzufühlen in dieser für mich bis dahin völlig fremden Welt und grinste manchmal etwas, wenn einer posend vor dem Spiegel stand. Ich war nicht sicher, ob er das zum Angeben für die anderen tat oder einfach nur als Selbstbestätigung. Aber es war mir auch egal, denn es hatte ja nichts mit mir zu tun. Ich war nicht hier, um mich mit anderen zu vergleichen, sondern um an mir zu arbeiten. Und das tat ich. Manchmal schwitzend und ächzend, manchmal durch die Runde schauend und schmunzelnd, manchmal im wirklich netten Gespräch mit den richtigen Mucki-Jungs, die im Grunde alle superfreundlich waren, wenn man die Schale mal durchdrungen hatte. 

Meine Trainer und auch die anderen Trainees achteten sehr auf mich und korrigierten mich immer wieder, wenn ich in eine Fehlhaltung fiel. Das musste ich zulassen und mich darüber freuen, sie meinten es gut mit mir und wollten nicht, dass ich mir schade. War doch lieb von ihnen. Und sie erinnerten mich immer wieder daran, nicht bei den gewohnten Gewichten stehen zu bleiben, sondern sie regelmäßig moderat zu erhöhen. Wer wachsen wolle, müsse sich im Training steigern. Auch lieb.

Ich muss neu planen

Dann kam ein derber Einschnitt. Ein Feuer zerstörte das Studio komplett, und ich stand über Nacht vor der Ruine. Und vor der Frage: Was nun? Sollte ich mir mal eine Pause gönnen? Immerhin hatte ich eine Zeit lang fleißig und erfolgreich an mir gearbeitet, da könnte ich es etwas ruhiger angehen lassen. Dachte ich. Aber während ich das dachte, war mir klar, dass das keine gute Idee wäre. Würde ich jetzt zu einer Unterbrechung ansetzen, würde ich meine Routine und das, was ich erarbeitet hatte, nicht nur leichtfertig aufs Spiel setzen, sondern garantiert verlieren. War ich bereit, das zu riskieren? Nein. War ich nicht. Ich suchte also direkt nach einem neuen Studio – was nicht ganz leicht war in einer Gegend, in der es nur wenige gab und gibt. Aber ich wurde fündig. Yes! Zwar muss ich jetzt einen deutlich längeren Weg in Kauf nehmen, aber das passt. Vor allem auch deshalb, weil wir dort anfingen, auf den früheren Ergebnissen aufzubauen, und ich die Maschinen hinter mir ließ.

Mein neuer Trainer hat mich längst in den Freihantelbereich geholt, verordnet mir drei bis vier Mal im Jahr einen neuen Trainingsplan und wertet zwei Mal pro Jahr die Ergebnisse mit mir aus. Sehr detailliert, sehr professionell, sehr persönlich. Dabei achtet er nicht nur auf die Entwicklung meiner körperlichen Kraft, sondern auf mich als Person. Darauf, dass ich „stimme“. Sehr geschätzt!

„Wenn du dann deine ersten zaghaften Schritte gehst, mach dir bitte keinen Kopf, welche Figur du dabei abgibst. Das ist völlig egal.“

Prinzipiell in Ordnung

Und was hat das nun alles mit dem Heiligen Geist zu tun? Mit der Kraft, durch die Gott in uns wirkt? Was damit, dieser Kraft auf der Spur zu sein? Nun, es gibt hier ein paar ganz wesentliche Prinzipien, die beide Themen verbinden, und das, was ich auf meinem Weg durchs Studio gelernt habe, gilt auch für die Suche nach der Kraft Gottes. 

Zunächst einmal: Es ist völlig egal, wann du anfängst zu suchen. Es spielt keine Rolle, wie alt du bist. Das ist nicht wichtig. Du fängst an, wenn du so weit bist. Und du brauchst keine Vorkenntnisse. Komm so, wie du bist, und schau nach vorn. Dabei ist es wirklich hilfreich, wenn du dich nicht allein auf die Suche begibst, sonderndich beraten und begleiten lässt. Am besten von Menschen, die mehr Erfahrung haben als du, und ganz wichtig: die dich und deine Entwicklung im Sinn haben und sonst nichts. Wenn du dann deine ersten zaghaften Schritte gehst, mach dir bitte keinen Kopf, welche Figur du dabei abgibst. Es ist völlig egal. Figur ist „außen“, Geist ist „innen“. Und auch wenn du mal stolperst oder dich ungeschickt bewegst, wen juckt das? Dich hoffentlich nicht. Okay? 

So wie mir die „Maschinen“ im Studio geholfen haben, als Hilfsmittel, die mir Ordnung, System und Führung boten, wird es dir guttun, so etwas auch für deine Suche nach der Kraft Gottes zu haben. Anleitungen, Liturgien, Vorlagen, Bücher – es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten. So wie ich das richtige Studio für mich gesucht und gefunden habe, wirst du deine Anleitung finden. Ganz sicher.

Das nächste Prinzip ist mir besonders wichtig: Bitte entscheide dich von vornherein und immer wieder, weiterzumachen, nicht aufzugeben, egal, wie gut oder schlecht es läuft. Oder ob’s auch mal wehtut. Mach dir lieber nichts vor: Wenn du dicht an Gott herankommst und seine Kraft erlebst, hat das auch reinigende Wirkung. Da wird manches beleuchtet, auf den Prüfstand gestellt und muss unter Umständen entfernt werden. Schlechte Angewohnheiten, Verhaltensweisen oder Charaktereigenschaften zum Beispiel. Das wird dir nicht immer nur gefallen, da ist Disziplin gefragt. Denk dran: Wer wachsen will, muss weitermachen. 

Und denk auch daran: Es wird dir fehlen, wenn du aufhörst. Wer erlebt hat, wie sich Gottes Kraft durch seinen Geist in ihm entfaltet, der will nicht mehr hinter dieses Erlebnis zurück. Der will immer wieder spüren, wie Gott ihn berührt, der will nicht mit dem Defizit leben, darauf verzichten zu müssen. Deshalb fokussiert er sich auf sein Ziel. Darauf, dass sich die Kraft des Geistes in seinem Leben manifestiert. Auf dem Weg dahin verzichtet man übrigens besser darauf, sich mit anderen zu vergleichen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft mir gesagt wurde, wenn ich nicht diese oder jene Gabe des Geistes hätte, dann wäre mein Christsein nicht viel wert. So ein grober Unfug! Und doch zählt gleichzeitig dies: Lass dich unbedingt korrigieren, wo es nötig ist. Bleib offen dafür, dass andere deine Haltung kommentieren – und achte darauf, dass sie dich damit nicht kleinmachen, sondern aufbauen! Bitte bleib nicht bei dem stehen, was du erreicht hast. Bitte hör nicht auf, dich entwickeln zu wollen. Wachsen zu wollen. Und hab immer eine gute Portion Humor in der Tasche, damit du herzhaft lachen kannst. Auch und vor allem über dich selbst! 

Und last, but not least, noch zwei Prinzipien, die ich gelernt habe: Schicksalsschläge tun weh und fordern enorm heraus. Sie kommen bisweilen mit solch einer zerstörerischen Kraft daher, dass sie einem wie ein Punch auf den Solarplexus vorkommen. Atmen unmöglich. Schockstarre. Bitte lass dich davon nicht besiegen! Bitte gib nicht auf! Bitte halte durch! Und wenn es nötig ist, für einen Neuanfang oder eine Veränderung einen weiteren Weg in Kauf zu nehmen, dann mach das. Es kommt nicht so sehr darauf an, schnell zu sein, sondern unterwegs zu sein und anzukommen. Denk dran: Gott hat Zeit und der Heilige Geist ist erfreulicherweise nicht der eilige Geist.

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