Ich tat kein Auge zu

Kolumne

Das Fällen von Entscheidungen fällt manchen Menschen nicht so leicht. Vor allem dann nicht, wenn sie ihr Leben an der Führung Gottes ausrichten wollen. Das mit der Klarheit und dem Hören seiner Stimme ist nicht immer so easy, wie man denkt. Wartezeiten, innere Auseinandersetzungen und Zweifel gehören dazu. So fragt sich auch Evi Rodemann hin und wieder: War es klug, das zu tun?

Wie aus dem Nichts kamen plötzlich Bitten und Angebote auf meinen Tisch. Ob ich mir nicht vorstellen könnte, diese Aufgabe oder jene Position zu übernehmen. Das war schon ein tolles Gefühl, gesehen und wahrgenommen zu werden. Dass man mir so viel Verantwortung zutraute und so viele Möglichkeiten bot, etwas im Reich Gottes zu bewegen. Aber was wäre denn die Aufgabe, die für mich richtig ist?

Was darf es kosten?

Ich kam nicht weiter. All diese verschiedenen Möglichkeiten waren so unterschiedlich, und ich hatte, im Gegensatz zu den vielen anderen, Gottes Stimme zu meiner Zukunft noch nicht gehört. Etwas konfus und mit einem leichten Hauch von Verzweiflung „floh“ ich in die Schweiz, um eine Woche nachzudenken und mich dabei von einem erfahrenen Coach begleiten zu lassen. Schon Wochen vorher hatte ich begonnen, mir aufzuschreiben und aufzumalen, was meine Leidenschaften und Begabungen sind. Ich hatte formuliert, wie mein ideales Arbeitsumfeld aussähe, was ich bereit wäre, zu tun und was mich welche Entscheidung kosten dürfte. Und mittendrin: Was wollte Gott mir zeigen? Denn am Ende wäre es ja nicht so wichtig, was ich mir vorstellen kann, sondern wo Gott mich maximal gebrauchen möchte.

Was motiviert mich?

Es war ein harter Kampf, den ich mit mir ausfocht. Die Wochen vorher und dann auch in der schönen Schweiz. Immerhin war mir klar, dass ich nach dieser einwöchigen Auszeit mit einer Entscheidung nach Hause fliegen musste. Nach vielem gedanklichen hin und her war ich endlich bereit, einer der an mich herangetragenen Anfragen zuzusagen. Nachdem ich das beschlossen hatte, konnte ich allerdings die ganze folgende Nacht nicht schlafen. Ich tat kein Auge zu und wälzte mich hin und her.

„Ich sagte ‚Nein‘ zu allen Angeboten, die man mir gemacht hatte, und ‚Ja‘ zu meiner Überzeugung.“

Vor wem oder was hatte ich Angst? Waren meine Überlegungen richtig? Stand ich kurz davor, einen Job zu übernehmen, der zwar finanziell ein Aufstieg wäre, aber nicht meinem Herzensanliegen entsprach, eine junge Leitergeneration zu fördern? War meine Motivation nur, etwas für meine Karriere zu tun?

Was will Gott von mir?

Am nächsten Morgen traf ich eine Entscheidung. Ich sagte „Nein“ zu allen Angeboten, die man mir gemacht hatte, und „Ja“ zu meiner Überzeugung, der jungen Generation zu dienen. Ich wusste nicht, wie ich damit mein Leben finanzieren könnte, aber mir war klar, dass ich meine Leidenschaft nicht ignorieren darf. Nachdem ich meiner Familie diese Entscheidung mitgeteilt hatte, sagten sie nur: „Ach, Evi, wenn einer auf dem Wasser geht und risikobereit ist, dann du.“ Und wenn alles schief ginge, sagten sie, dann hätten sie alle einen Kühlschrank, an dem ich mich bedienen dürfte. War klug, was ich tat? Es fiel mir so schwer, all den Angeboten und den Menschen dahinter abzusagen, ohne zu wissen, was ich stattdessen täte. Ich bat Gott jeden Tag: Sprich du, Herr, ich warte, bis das für mich Richtige kommt. Zwölf Monaten musste ich ausharren, dann wurde mit eine Aufgabe angeboten, die perfekt zu meiner Leidenschaft für eine junge Leitergeneration passt. Damit setzte Gott das letzte Puzzleteil in ein großes Bild ein und ich kann sehen, was sein Auftrag für die nächste Zeit meines Lebens ist.