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Vor dem Gefühl der Gedanke

Psychologie

Wir wollten wissen, welche Faktoren das eigene Wohlbefinden maßgeblich konterkarieren. Uns also ein Gefühl vorgaukeln, das mit der Realität nichts zu tun hat. Dr. Martina Kessler hat sich das angeschaut und meint: Es ist unser Kopf, der das Herz übertrumpft. Und die Art, wie wir denken, wird prägen, wie wir fühlen. Eine gedankliche Auseinandersetzung, die zu führen sich lohnt.

Wieder berührbar werden 

Unsere Enkelin bekam zu ihrem 4. Geburtstag ein Skateboard von uns. In Pink! Sie war begeistert und glücklich – so lange, bis ihre jüngere Schwester zum 4. Geburtstag ein buntes Skateboard mit blinkenden Lichtern bekam. Das pinke gab es nicht mehr. Die ältere Schwester mag ihr Skateboard und doch ist sie neidisch auf ihre Schwester. 

Dein Haus ist viel größer

Geht es uns nicht manchmal auch so? Wir sind zufrieden, bis wir hören, dass es jemand anderem vermeintlich besser geht. „Das Gras auf der anderen Seite des Zauns ist immer grüner“, sagt ein Sprichwort. Und das gilt – bis heute! Etwas, das man gerade nicht hat, wirkt besonders attraktiv und besser als das, was man derzeit besitzt. Bei Erwachsenen geht es nicht um pinkfarbene Skateboards, sondern darum, welches Auto oder Haus man sich leisten kann, wie es um die eigene Gesundheit und die anderer bestellt ist, welche Kontakte uns unterscheiden oder wer wie viel Anerkennung und Ehre bekommt. Das reicht bis zu Sozialneid, weil „die anderen“ mehr vom Staat bekommen als man selbst. Wie schade! 

Mein Auto ist groß genug 

Die Frage ist doch: Habe ich genug? Als mein Mann und ich uns vor einigen Jahren bewusst ein kleineres Auto kauften, wurden wir immer wieder hinterfragt, ob wir uns die größere Variante nicht hätten leisten können. Doch, hätten wir, aber wir wollten es nicht. Da meinem Mann und mir solche Statussymbole fremd sind, waren wir uns schnell einig. Aber wir fanden es interessant, wie unser Umfeld reagierte. Wir hatten uns leiten lassen von der Frage: Welches Auto passt jetzt zu unserer Paar- und Berufssituation?

Erwartung und Zufriedenheit 

Lebenszufriedenheit kann auch durch die folgenden Fragen gefördert werden: Lebe ich in einem Umfeld, in dem ich mich wohlfühle? Wenn ja, dann ist doch alles gut! Wenn nein, dann schließt sich die Frage an: Was könnte ich ändern? Kann und will ich die Reisen machen, die mir möglich sind und die zu mir passen? Komme ich mit meinem Einkommen aus? Welche gesundheitlichen Beeinträchtigungen muss ich annehmen, oder was könnte ich daran ändern? Die mit Neid und Unzufriedenheit einhergehenden Gefühle führen langfristig in die Bitterkeit. Machen Sie sich bewusst: Vor dem Gefühl ist immer ein Gedanke. Wir registrieren einen Umstand, bewerten ihn innerlich, und daraus entsteht in uns ein Gefühl – das ist oft das Erste, was wir dann bewusst registrieren. Das Gute ist, dass wir auf unsere innere Bewertung großen Einfluss haben und sich dann unsere Gefühle automatisch ändern. Daher erhalten Sie nachfolgend Tipps aus vier verschiedenen Blickwinkeln für eine größere Lebenszufriedenheit: 

„Vor dem Gefühl ist immer ein Gedanke. Wir registrieren einen Umstand, bewerten ihn innerlich, und daraus entsteht in uns ein Gefühl – das ist oft das erste, was wir dann bewusst registrieren.“

Lebensphasen 

Fragen Sie sich: Wann bin ich eigentlich zufrieden? Stellen Sie sich diese Frage mehrmals im Leben. Es macht Sie zufriedener, wenn Sie das für sich definieren. Ein guter Punkt, das zu tun, ist immer dann, wenn es natürliche Einschnitte im Leben gibt. Sie fordern uns heraus, uns neu zu sortieren.  Solche Punkte sind zum Beispiel Schulwechsel und -laufbahn, Berufswahl oder -wechsel, Wohnortfragen, die eigene Hochzeit, das erste Kind, Überlegungen zur Altersvorsorge und später dann, wenn die Kinder das Haus verlassen oder man in Rente geht. Darum: Nutzen Sie natürliche Lebensveränderungen, um Ihre Zufriedenheit neu zu definieren.

Möglichkeiten 

Aber auch bei schicksalhaften Einschnitten hilft es, sich die Frage zu stellen: Wann bin ich unter der aktuellen Voraussetzung zufrieden? Im Laufe meines Lebens hatte ich immer wieder mit ungewollt kinderlosen Paaren zu tun. Manche blieben bewusst kinderlos, andere kompensierten die Kinderlosigkeit mit einem Haustier. Wieder andere nahmen Pflegekinder auf, manche adoptierten Kinder oder setzten sich für sozial benachteiligte Kinder in Deutschland oder weltweit ein. Eine gute Bekannte wurde plötzlich mit einer schweren Erkrankung aus dem Alltag gerissen. Ich habe den Eindruck, dass sie sich neu sortiert und neue Prioritäten gesetzt hat. Oder eine Verwandte, die ihren Ehemann viel zu früh verlor. Auch sie überdenkt ihr Leben und richtet sich darin neu ein. Darum: Definieren Sie Ihre Zufriedenheit im Rahmen des Möglichen. 

Entscheidungskraft

Im Rheinland sagt man: „Me moss och jönne künne!“ („Man muss auch gönnen können.“) Offensichtlich ist das eine Kunst, die auch mit den beiden ersten Punkten verknüpft ist. Wenn ich zufrieden bin, wieso sollte mich das Glück anderer dann beeinträchtigen? Meine inzwischen verstorbene Mutter erzählte folgende Geschichte: Sie traf sich regelmäßig mit ihren Schulfreundinnen. Nach und nach waren alle verwitwet, bis auf meine Mutter. Und immer häufiger hörte sie: „Du hast deinen Mann ja noch!“ Meiner Mutter, einer Frau der markigen Worte, wurde es irgendwann zu bunt, und sie fragte eines Tages zurück: „Ja und? Was wollt ihr mir damit sagen? Soll ich ihn etwa tot machen?“ Auf drastische Weise hatte sie ihren Schulfreundinnen ihr Nicht-Gönnen vor Augen gehalten. Das ist sicherlich ein extremes Beispiel. Aber uns begegnet das in allen Schattierungen. Darum: Entscheiden Sie sich dazu, anderen ihr Glück zu gönnen!

Loslassmut 

Selbstverständlich ist das Leben nicht immer gerecht. Gut, wenn wir dann eine Strategie haben, um nicht bitter zu werden. Eine wiederkehrende Aussage in unserer Familie war deshalb: „Das Leben ist nicht gerecht!“ Natürlich war es uns Eltern wichtig, so gerecht wie möglich zu sein. Und doch wollten wir unsere Kinder lehren, durch nicht änderbare Ungerechtigkeiten im Lebenslauf nicht bitter zu werden und sie „abhaken“ zu können. Darum: Halten Sie nicht an Ungerechtigkeit fest, an der Sie eh nichts ändern können.

Alle diese Punkte können darin münden, dass Sie dankbar für das sind, was Sie erreicht haben, was Ihnen möglich ist, was Sie sich leisten können. Nutzen Sie dazu die große Chance, Ihre Gefühle positiv zu beeinflussen, indem Sie Ihre innere Bewertung neu ausrichten. Sie haben es in der Hand! 

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