Mit Jesus tanzen

Kolumne

Wer die Welt mit offenen Augen betrachtet, der erlebt, dass Emotionen sich ihren Weg suchen. Armut, Kriege, Hass, zerbrochene Beziehungen, schwere Lebenswege – es gibt genügend Gründe, zu verzweifeln und depressiv zu werden. Rydia und Fred aus Uganda leben in ärmsten Verhältnissen. Sie hätten Grund genug, verzweifelt zu sein. Aber sie sehen die Welt etwas anders. Steve Volke über eine emotionale Begegnung, die ihn immer wieder neu sehr bewegt.

In den letzten sechzehn Jahren habe ich viele Begegnungen mit Armen gehabt. Diese hier hat mir einen Stich ins Herz gegeben und mir die Tränen in die Augen getrieben. In Uganda habe ich die dreijährigen Zwillinge Legion und Rogers und ihre Eltern Rydia und Fred kennen gelernt. Ihre Geschichte ist unglaublich, und noch nie sind mir ärmere Menschen begegnet. Ihr Haus liegt in den Bergen in der Nähe von Kisoro. Um zu ihnen zu gelangen, braucht es einen längeren Fußweg durch einen kleinen Dschungel. Die Zwillinge sind mir in einer Kirchengemeinde bei einem Kinderprogrammtag aufgefallen. Sie hatten typische Hungerbäuche und sahen unterernährt aus. Verständlich, wenn man die Geschichte der Familie kennt. 

Wir essen die Blätter 

Rydia erzählt, dass sie zweimal in der Woche etwas Nahrhaftes zu essen haben. Zweimal! Auf meine erstaunte Frage, was sie denn sonst essen, zeigt sie auf die Bäume und sagt: „Wir essen die Blätter von den Bäumen, um unsere Mägen zu beschäftigen.“ Wasser holt sie aus einem dreckigen Wasserloch, das 500 Höhenmeter entfernt weiter unten im Tal liegt. Meistens ist es aber versiegt, so dass sie sechs Kilometer zum nächsten laufen muss. Fred ist eigentlich Bauarbeiter und kann Häuser bauen. Jeden Morgen geht er ins nächstgelegene Dorf und stellt sich auf den Markplatz, um zu sehen, ob jemand ihn beschäftigen wird. Das passiert höchstens an fünf Tagen im Monat. 

„Ich traue meinen Ohren nicht und frage nochmal nach. Vielleicht ist es einfach ein Übersetzungsfehler. Aber die zweite Antwort ist exakt die gleiche.“

Er muss als Tagelöhner zusehen, welche Einnahmen er erzielen kann, um wenigstens etwas Geld für die Familie zu haben. Sein Durchschnittslohn: 1 US-Dollar pro Tag für 10 Stunden harte Arbeit. Diese Familie hat also umgerechnet maximal 5 US-Dollar pro Monat zur Verfügung, um zu überleben. Die Grenze für extreme Armut wird von den Vereinten Nationen auf 1,95 US-Dollar pro Tag festgelegt. Diese Familie liegt weit darunter. 

Wenn Jesus jetzt hier stünde 

Und dann stelle ich die Frage, deren Beantwortung mich bis heute beschäftigt: „Wenn Jesus jetzt in Person hier vor euch stehen würde und ihr hättet eine einzige Frage, was würdet ihr fragen?“ Kein Klagen, kein Murren, sondern Rydia überlegt kurz und sagt dann: „Ich würde ihn fragen, ob er mit der Art und Weise, wie ich ihm nachfolge, zufrieden ist.“ Ich traue meinen Ohren nicht und frage nochmal nach. Vielleicht ist es einfach ein Übersetzungsfehler. Aber die zweite Antwort ist exakt die gleiche.

Dann frage ich Fred. „Hey Fred, jetzt mal unter uns Männern. Was wäre deine Frage an Jesus?“ Seine Antwort ist nicht weniger bewegend: „Wenn Jesus hier vor mir stünde, hätte ich keine Frage an ihn. Ich würde ihn an den Händen fassen, und dann würden wir tanzen!“ 

Bestelle kostenfrei die Printausgabe!

Bestelle die aktuelle Ausgabe und erhalte 4x/Jahr das Magazin NEUES LEBEN. Randvoll mit gutem, christlichem Rat für den Alltag, verständlich und anwendbar.

Bitte schickt mir NEUES LEBEN!
Mit der Nutzung dieses Formulars erklärst du dich mit der Speicherung und Verarbeitung deiner Daten durch diese Website einverstanden.