Alles erlaubt

Bitten, danken, fragen, klagen: 12 Praxis-Tipps für das persönliche Gespräch mit Gott.

VON HERZEN BETEN

„Beten heißt: Gott den Sack vor die Füße werfen.“ Martin Luther, deutscher Reformator (1483–1548)

Von Herzen beten: Nichts ist einfacher. Machen Sie sich keine Sorgen darüber, welche Worte Sie wählen sollen, denn Gott ist unser Herz wichtiger als Stil oder Grammatik! Ja, er versteht Sie sogar ohne Worte und weiß, was Sie brauchen, lange bevor auch nur ein Ton über Ihre Lippen gekommen ist (Psalm 139,4; Matthäus 6,8). Mehr als über alle wohlklingenden Worte freut er sich darüber, dass Sie ihm so sehr vertrauen, dass Sie sich im Gebet an ihn wenden. Er freut sich darüber, dass Sie seine Hilfe erwarten. Darum: Reden Sie mit Gott wie mit einem Freund – werfen Sie ihm Ihre Bitten und Anliegen wie einen Sack einfach vor die Füße (Psalm 62,9)! Er kann es nicht erwarten, Ihnen zu antworten (Jeremia 33,3; Matthäus 7,7–11).

FEST-ZEITEN

„Bestimmen Sie für jeden Tag einen festen Termin, an dem Sie sich ausschließlich Zeit zum Gebet nehmen. Überlassen Sie das Beten nicht dem Zufall. Zufall führt zum Ausfall. Legen Sie sich fest.“ Friedhold Vogel, dt. Evangelist u. Pastor (1937–2006)

Heute, wo Zeit kostbarer ist denn je, sind die Worte „Ich habe Zeit für dich“ vielleicht die schönste Liebeserklärung, die wir einem geliebten Menschen machen können. Sie lieben Gott? Dann überlassen Sie die Begegnung und das Gespräch mit ihm nicht dem Zufall! Planen Sie Zeiten, in denen Sie beten, ganz konkret in Ihren Tagesablauf ein. Solche „Fest-Zeiten“ schenken Ihrem Beten und auch Ihrem Leben Festigkeit. Schenken Sie Gott Ihre besten Momente und machen Sie ihm damit die schönste Liebeserklärung: „Herr, ich habe Zeit für dich!“

MIT GOTT ALLEIN SEIN

„Wenn du beten willst, geh in dein Zimmer, schließ die Tür, und dann bete zu deinem Vater, der auch im Verborgenen gegenwärtig ist; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich belohnen.“ Matthäus 6,6

Das vertrauliche Gebet, bei dem wir ganz allein und so wie wir sind vor Gott treten, ist der innigste Ausdruck unserer Beziehung zu ihm. Wer Gott liebt, will gerne Zeit mit ihm verbringen, will ihm sagen, dass er gerne an ihn denkt, gerne mit ihm redet und sich an ihm freut. Nehmen Sie sich täglich Zeit für das persönliche, abgeschiedene und vertraute Gespräch mit Gott, denn hier lebt und atmet der Glaube. Gott möchte Ihnen nah sein und Sie beschenken, will Sie hören und mit Ihnen reden wie ein Vater mit seinem Kind.

DER GOTT, DER UNS LIEBT

„Denn der Geist, den ihr empfangen habt, macht euch nicht zu Sklaven, sodass ihr von neuem in Angst und Furcht leben müsstet; er hat euch zu Söhnen und Töchtern gemacht, und durch ihn rufen wir, wenn wir beten: Abba, Vater!“ Römer 8,15

Treten Sie beim Beten fröhlich als geliebte Tochter und als geliebter Sohn vor Ihren himmlischen Vater – denn genau das sind Sie! Nicht Angestellter beim Weltenschöpfer, nicht Diener einer unpersönlichen Macht, sondern Kind des ewigen Vaters. Erinnern Sie sich vor jedem Gebet an Ihren Stand als Kind Gottes und Erbe Jesu Christi, leben Sie darin – und beten Sie danach. Seien Sie voll kindlicher Freimütigkeit und nennen Sie Gott „Abba (lieber), Vater!“. Denn das ist die Anrede, die er sich von Herzen von Ihnen wünscht.

GOTT IN UNS

„Der Geist Gottes tritt mit Flehen und Seufzen für uns ein; er bringt das zum Ausdruck, was wir mit unseren Worten nicht sagen können.“
Römer 8,26

Ihnen fehlen die Worte zum Beten? Nicht schlimm, denn Sie sind und beten nie allein: Wenn Sie Jesus Christus Ihr Leben anvertraut haben, lebt der dreieinige Gott selbst in Ihnen (Johannes 14,23; 2. Timo-theus 1,14) und betet mit Ihnen, in Ihnen und für Sie – ohne Unterbrechung und zu jeder Zeit! Jesus Christus, der Sohn, tritt beim Vater für Sie ein (Hebräer 9,24) und der Heilige Geist breitet Ihre Anliegen vor ihm aus (Römer 8,26f). Lange bevor wir mit unseren Bitten auftauchen, beten der Sohn und der Heilige Geist bereits für uns. Darum: Fassen Sie Mut und freuen Sie sich am Wunder des Gebets. Es ist jeden Tag aufs Neue Gottes Einladung an uns, in seine ewige Gemeinschaft der Liebe einzutreten.

EINS MIT GOTT

„Beten heißt nicht, Dinge von Gott zu bekommen. Das ist nur der erste Anfang; beten heißt, in Übereinstimmung mit Gott zu kommen.“ Oswald Chambers, engl. Prediger (1874–1917)

Es gibt nichts, um das wir Gott nicht bitten dürften, und als vollkommener Vater gibt er uns alles, was seinem guten Willen für uns entspricht und seinen Zielen mit dieser Welt dient. Doch die Versuchung, Gott im Gebet hinsichtlich unserer eigenen Wünsche manipulieren zu wollen, ist groß. Erinnern Sie sich darum immer wieder daran, dass Beten vor allem mit einem zu tun hat: mit Vertrauen. Entscheiden Sie sich dafür, zu glauben, dass es immer besser ist, dass Gottes Wille geschieht, als dass wir unseren Willen bekommen. Ehren Sie Gott, indem Sie ihm sagen: „Herr, ich vertraue dir. Du weißt es besser!“

KLAGEN UND ZWEIFELN

„Gott will mich. Gott will mein Herz, ein Herz, das sich ganz einbringt – selbst dann, wenn aus ihm ein Gemisch aus Wut, Zweifel und Schmerz quillt.“ Matt Woodley, amerik. Pastor und Buchautor

Klagen, Jammern, Weinen, Flehen, Fragen – bei Gott ist alles erlaubt! Jesus schrie seinen Schmerz im Gebet ebenso heraus (Hebräer 5,7) wie die Autoren der Psalmen, wie Hiob oder Jeremia, und der Apostel Paulus bedrängte Gott regelrecht wegen seiner Schmerzen (2. Korinther 12,8). – Ehrlichkeit beim Beten macht das Gespräch mit Gott lebendiger und vertieft die Nähe zu ihm. Lernen Sie am Beispiel biblischer Personen, ehrlich und ungeschönt mit Gott zu reden und dennoch gleichzeitig in Demut vor ihn zu treten, wie es Abraham tat (1. Mose 18,27). Beten Sie mit ehrfürchtiger Leidenschaft, in Trauer und Unverständnis, in Bitte und Fürbitte, in Dank und Anbetung.

NICHTS GEHT VERLOREN

„Deine Gebete werden im Himmel alle aufbewahrt. Werden sie auch nicht sogleich erhört, so werden sie doch nicht vergessen.“
Charles H. Spurgeon, engl. Prediger (1834–1892)

Gott hört uns nicht nur, wenn wir mit ihm reden, er erhört uns auch –  und zwar immer! Jesus hat nie von unerhörten Gebeten gesprochen. Er wusste: Keine Bitte, keine Frage und keine Klage verhallt ungehört, sondern dringt an Gottes Ohr und in sein Vaterherz. Und dann antwortet er uns. Nicht immer so, wie wir es uns vorstellen oder wünschen, aber immer zum Besten – unserem und dem anderer. Sie beten schon lange für etwas ganz Bestimmtes und Gott scheint zu schweigen? Dann vertrauen Sie nicht nur dem „Ja“, sondern auch dem „Nein“ seiner Liebe: Nie würde er etwas zurückhalten, was gut für uns ist. Aber noch weniger würde er uns etwas geben, was uns schadet (Matthäus 7,9+10).

WIE GOTT MIR, SO ICH DIR

„Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde, und betet für die, die euch verfolgen. Damit erweist ihr euch als Söhne eures Vaters im Himmel.“ Matthäus 5,44+45

„Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!“ In dem Gebet, das Jesus sterbend für seine Feinde sprach, fand seine Liebe ihren höchsten Ausdruck (Lukas 23,34). Und er wünscht sich von seinen Nachfolgern, dass auch sie in seiner Kraft den Kreislauf des Heimzahlens durchbrechen und Böses mit Gutem beantworten. Hat Sie jemand verletzt oder feindet Sie sogar jemand dauerhaft an? Dann klagen Sie Gott Ihren Schmerz und vertrauen Sie, dass er sich der Sache annimmt. Segnen Sie im Gebet die betreffende Person. Sie werden sehen: Sowohl der Mensch, den Sie auf diese Weise vor Gott bringen, als auch Sie werden dadurch verändert (siehe Römer 12,20). Und manchmal sogar die Umstände.

DAS TOR ZUR FREIHEIT

„Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir denen vergeben haben, die an uns schuldig wurden.“ Matthäus 6,12

Ein Blick in die Nachrichten, ein Blick in den Spiegel, und schnell wird klar: Schuld ist keine religiöse Masche, damit die Kirche im Geschäft bleibt, sondern eine reale und dunkle Macht, die das zerstört, was für Gott das Kostbarste ist: seine geliebten Menschen. Weil Schuld immer Gottes vollkommenen Willen und das Gebot der Liebe verletzt, kann sie nicht ignoriert werden, sondern muss durch Vergebung überwunden werden. Bekennen Sie darum Gott im Gebet ganz konkret, wo Sie schuldig geworden sind! Weichen Sie nicht aus, sondern bereuen Sie aufrichtig. Empfangen Sie Vergebung und vergeben Sie auch denen, die Ihnen Unrecht getan haben. Nur so werden Ihre Beziehungen zu Gott und Menschen heil, nur so werden Sie frei.

DENKEND DANKEN

„Dankt Gott, dem Vater, immer und für alles im Namen von Jesus Christus, unserem Herrn.“ Epheser 5,20

In jeder Lage danken – das geht nur, wenn wir uns an die Wahrheiten Gottes erinnern: daran, dass er vollkommen gut ist und jederzeit unser Bestes will. Daran, dass er die Macht hat – und nicht die Mächtigen dieser Welt. Und daran, dass er unser Leben lenkt – und nicht die Umstände. Es fällt Ihnen schwer, von Herzen dankbar zu sein? Dann erinnern Sie sich: Daran, wie viel Gutes Gott Ihnen jeden Tag schenkt (Psalm 103), wie reich Sie in Jesus Christus gesegnet sind (Epheser 1) und welche wunderbare Zukunft auf Sie wartet (Offenbarung 21). Danken Sie Gott – auch wenn Ihre Gefühle vielleicht gerade eine andere Sprache sprechen. Denn ein dankbares Herz ist der Wille Gottes für unser Leben.

BETEN SIE!

„Lasst euch durch nichts vom Gebet abbringen!“ 1. Thessalonicher 5,17

Sie wollen beten? Dann tun Sie es einfach. Lesen Sie nicht erst Tipps wie diese über das Gebet – beten Sie! Überlegen Sie nicht zu lange, welche Worte Sie wählen sollten –  beten Sie! Denken Sie nicht darüber nach, welcher Ort der beste wäre – beten Sie einfach! Vergessen Sie alle Tipps, die Ihrem Gebetsleben nicht helfen, und nutzen Sie alle, die es bereichern – und dann beten Sie! Es geht Ihnen schlecht? Beten Sie! Es geht Ihnen gut? Singen und beten Sie (Jakobus 5,13)! Ihnen ist nicht danach zumute? Tun Sie es trotzdem! Was immer gerade in Ihrem Leben los ist: Tun Sie es jeden Tag, zu jeder Zeit. Denn Gott wünscht sich, Ihre Stimme zu hören und helfend einzugreifen.