Der schweigende Gott
Kolumne
Menschen folgen gern denen, die ihnen Gutes tun. Unsicherheit, Unruhe und Angst sind da leider ganz schlechte Faktoren. Allerdings können wir dem Leben nicht ausweichen, meint Doris Schulte, und fragt: Kann es sein, dass wir unser Folgeverhalten überdenken müssen?
„Wenn du schon am Wochenende in Berlin bist, vielleicht kannst du dann etwas Ordnung in die politischen Gespräche einbringen“, schrieb mir eine zu Recht besorgte Frau im Blick auf die unsicheren Zeiten, in denen wir leben. Obwohl die meisten von uns – auch ich – davon ausgehen, dass morgen alles weitergehen wird, sitzt unter der dünnen und zerbrechlichen Schicht von Unterhaltung und Konsum doch die Frage: Was kommt auf uns zu? Führt Gott uns in eine Zeit, die uns gefällt? Wir haben Fragen über Fragen an Gott, und am liebsten wäre es uns, sofort Antworten zu bekommen. Und natürlich auch die Bestätigung, dass gute Zeiten auf uns warten!
Ich kann ihn verstehen
Aber manchmal bleibt uns nichts anderes übrig, als Entwicklungen und Tatsachen anzunehmen, die wir nicht ändern können, sei es bei einem Problem, das uns persönlich betrifft, oder im Rahmen der weltgeschichtlichen Ereignisse als Bürger dieser Welt. Wenn Gott uns in einer ungewöhnlichen oder unerwünschten Weise führt, kann das bei uns Zweifel an Gottes Liebe und Fürsorge wecken. So erging es auch dem Propheten Habakuk, von dem wir im Alten Testament lesen, dass er in einer sehr unsicheren Zeit lebte, in der das Böse überhandnahm. Es verwirrte ihn, dass Gott – seiner Meinung nach – nicht auf seine Gebete reagierte. Ich kann Habakuk gut verstehen. Einem schweigenden Gott zu vertrauen, ihn zu lieben und zu erwarten, dass er zu seiner Zeit eingreift, ist schwer.
Nach langem Warten und Bangen bekam Habakuk doch eine Antwort von Gott, aber eine, die nicht in sein Gottesbild passte. Ihm wurde klargemacht, dass es für ihn und sein Volk vorerst keine guten Tage geben würde. Gott würde zuerst sein Volk für ihren Ungehorsam zur Rechenschaft ziehen und danach erst deren Feinde, die er als sein Gerichtswerkzeug gegen sie benutzen würde. Am Beispiel von Habakuk zeigt Gott uns einmal mehr, dass er alles sieht, was auf dieser Erde geschieht.
„Ich kann Habakuk gut verstehen. Einem schweigenden Gott zu vertrauen, ihn zu lieben und zu erwarten, dass er zu seiner Zeit eingreift, ist schwer.“
Er wird eingreifen
Gerade weil Gott es zugelassen hatte, dass die Juden von ihren Feinden ins Exil getrieben worden waren, kam es dazu, dass auch gottesfürchtige Juden in andere Regionen vertrieben wurden. Das wiederum machte Gott unter anderen Völkern bekannt und reduzierte das Böse. Es stimmt: „Wie unerforschlich sind seine Gerichtsurteile, wie unbegreiflich seine Führung!“ Damit Menschen von dem liebenden Gott der Bibel erfahren, musste Habakuk akzeptieren, dass er und sein Volk vorerst keine guten Tage erleben würden. Wie gut und fromm wir auch sind und wie sehr wir uns auch gute Entwicklungen in unserem Land herbeiwünschen: Auf dieser Erde gibt es gute und schlechte Zeiten. Wir denken immer, gute Zeiten seien normal. Doch das stimmt nicht. Wir glauben, alles müsse immer besser werden und aufwärts gehen. Aber unsichere Zeiten gab es schon immer.
Es kann sein, dass Gott uns so führt, dass wir vorerst keine guten Zeiten erleben werden, weil er etwas sehr Gutes mit Ewigkeitswert vorhat, das wir aber noch nicht erkennen können. Er wird zu seiner Zeit eingreifen, auf seine Art und Weise und mit dem Ergebnis, das er im Sinn hat. Und wir werden die Kraft bekommen, Gottes Führung anzunehmen! So wie Habakuk. Der hat nämlich wieder angefangen zu beten. Trotz schlechter Prognosen! Ihm war wichtig: Wenn es schon schlecht geht, dann lieber mit Gott an der Seite als ohne. So lebt sich’s gut!
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