Lege deine Sorgen nieder

Interview

Sefora Nelson hat in ihrem Leben schon viele Lieder geschrieben, aber vermutlich ist keins so bekannt wie „Lege deine Sorgen nieder“. Darin fordert sie auf, alle Sorgen bei Gott abzulegen. Als wenn das so einfach wäre! Wie sie dazu kommt und wie das Lied entstand? Johanna Postelt hat sich mit Sefora unterhalten und nachgefragt.

Liebe Sefora, gleich zu Beginn mal kurz und knapp: Was ist deine spontane Assoziation zu dem Wort „Sorgen“?

Je älter wir werden, umso mehr klopfen sie an, um sich einzunisten.

Wirklich? Würdest du sagen, dass sie mit zunehmendem Alter stärker werden? Man könnte ja auch meinen, dass wir im Laufe unseres Lebens lernen, gelassener mit Sorgen umzugehen.

Das ist nicht meine Beobachtung. Ich beobachte, dass mit dem Alter und dem Wissen, was alles geschehen könnte, mehr Sorgenpotential vorliegt. 

Der Titel dieses Magazins lautet „unfassbar sorglos“. Du hast dich in einem Lied mit dem „Sorg(en)-los-werden“ beschäftigt. In welcher Situation ist es entstanden? 

Wir waren als junge Familie von den USA in ein kleines Dorf in Süddeutschland gezogen und es war alles anders als erwartet. Am meisten machte mir unsere Ehe zu schaffen, denn, so dachte ich, wenn man eine gute Ehefrau ist, wird der Mann glücklich. Aber das war er nicht. Ich versuchte aus aller Kraft, der Resignation zum Trotz, alles mir Mögliche, doch er blieb unglücklich. Erst als eine Freundin mir sagte: „Das darfst du Jesus hinlegen“, konnte ich mich zu diesem – so bezeichne ich ihn heute – heiligen Moment durchringen und „aufgeben“. Während Baby und Papa schliefen, kam das Lied leise unter Tränen aus mir heraus, als würde Gott selbst mich einladen, die Sorgen, Ängste, Sünde und Zweifel niederzulegen. 

Wie ist es danach weitergegangen? Hat sich direkt etwas verändert? 

Es blieb schwer, aber es war mir leichter. Ich trug es nicht mehr auf meinen Schultern. Als ob mir Gott sagte: „Dein Mann ist mein Business.“

Im Alltag, Sefora, wie machst du das da konkret – Sorgen niederlegen? Ich meine, es gibt ja richtig große Sorgen, um die sich das ganze Leben dreht, wegen denen Menschen nachts wach liegen. Das klingt so leicht, Sorgen niederzulegen …

Eine Sache kann einfach sein und doch nicht leicht, nicht wahr? Ich ertappe mich immer wieder dabei, zu lange zu warten. Und erst dann, wenn die Sorge um etwas ein regelrechter Knoten geworden ist, lade ich Jesus ein mit seinem Licht, seiner Sicht, seiner Kraft und seinem Frieden. Ich möchte ihn schon früher einladen, bevor Gedanken zu Sorgen werden, wenn es in meiner Macht steht. Manchmal kündigt sich das im Leben aber nicht an und schwappt mit aller Kraft von einem Moment auf den anderen über einen. Aber auch da: nicht lange warten, nicht ewig grübeln, direkt Jesus einladen! 

Ich liebe den kleinen Abschnitt von David in Psalm 23, wenn es ums dunkle Tal geht: „… fürchte ich kein Unglück, denn du bist bei mir!“ Wir können die Sorgen einladen, sich breitzumachen, sich einzunisten, oder wir können direkt beten und wissen: „Du, Herr, bist bei mir.“ Meine Sorge ist auch seine Sorge. 

Und was würdest du einem Menschen sagen, dessen Sorgen so vordergründig sind, dass sie alles beherrschen? 

Der Talabschnitt kann nicht abgekürzt werden. Wir müssen durch. Nur nicht drin campen. Fühle alles! Atme! Fühle seinen Trost, der dich beruhigt! Da draußen wartet ein gedeckter Tisch für dich. Es ist wichtig, auch schmerzhafte Emotionen zu fühlen. Wir dürfen nicht, wie viele Christen es tun, mit einem Vers bewaffnet sofort wieder fröhlich sein, denn es wird dich einholen. Geh durch. Sorgen, anders als beispielsweise Trauer, sind Ängste und Gedanken, in denen wir uns nicht selten das Schlimmste ausmalen. Da tun wir gut daran, mal nach rechts und links zu sehen und mit einem Versprechen Gottes bewaffnet auch anderen Menschen zum Segen zu werden. Das hilft uns und anderen.

„Sorgen, anders als beispielsweise Trauer, sind Ängste und Gedanken, in denen wir uns nicht selten das Schlimmste ausmalen. Da tun wir gut daran, mal nach rechts und links zu sehen und mit einem Versprechen Gottes bewaffnet auch anderen Menschen zum Segen zu werden.“

Du hast in einem anderen Interview mal gesagt, dass du so viele Rückmeldungen gerade auf dieses Lied um die Sorgen bekommen hast. Was für Rückmeldungen waren das? 

Das Lied ist ja schon gut 15 Jahre alt und es kamen sicher tausende Rückmeldungen aus der ganzen Welt. Ich konnte sogar staunend beobachten, wie Menschen, die kein Deutsch sprachen, in Tränen ausbrachen, da sie so berührt waren: „Aufgrund dieses Liedes habe ich meiner Ehe eine zweite Chance gegeben.“ „Mitten in der Depression hat das Lied die Worte gesagt, die ich nicht sagen konnte.“ „Es hat mich durch die schwerste Krise durchbegleitet.“ Ich wurde sogar nach Texas geflogen, weil ein Produzent von dem Lied so angetan war. 

Ich glaube, dieses Lied war ein Geschenk von Gott an uns, nicht so beladen weiterzugehen im Leben, sondern seinen Frieden und seine Zuversicht in Anspruch zu nehmen. 

Das klingt nach sehr viel Gottvertrauen. Woher nimmst du das? 

Gute Frage. Ich glaube, es ist tief in mir über die Jahre gewachsen. Mit jeder meiner persönlichen Wundergeschichten wurde aus einem Ahnen ein Wissen. Das wird hin und wieder auch verschüttet von den schweren Dingen im Leben, die gefühlt nicht zum Vertrauen passen. Dann halte ich mich an sein Wort und tanke immer wieder auf. Ich schätze den Dienst des Heiligen Geistes immer mehr. Denn wir sind nicht nur Verstand, der mit einem Vers „versteht und abspeichert“. Wir sind Geist, Seele und Körper. Wenn Gottes Geist wirken darf, ist es nicht nur ein „gesprochenes“ Zeugnis Gottes, sondern ein „gefühltes“.

„Ich schätze den Dienst des Heiligen Geistes immer mehr. Denn wir sind nicht nur Verstand, der mit einem Vers ‚versteht und abspeichert‘. Wir sind Geist, Seele und Körper. Wenn Gottes Geist wirken darf, ist es nicht nur ein ‚gesprochenes‘ Zeugnis Gottes, sondern ein ‚gefühltes‘.“

Deine Lieder bleiben nicht an der Oberfläche, sondern man spürt darin eine tiefe Gottesbeziehung. Wie nimmst du dir in einem vollen Alltag die Zeiten, diese Beziehung zu pflegen? Hast du irgendwelche Rituale für deine Zeit mit Gott? 

Für mich sind das Bibel und Tagebuch sowie ein guter Stift – der ist mir irgendwie voll wichtig, witzig, oder? Wenn es ein doofer Kuli ist, suche ich so lange, bis ich einen guten finde – schon viele, viele Jahre die Basis für meine „Stille Zeit“. In den letzten Jahren hat sich das verändert, von selbst. Das hat mich voll verunsichert, denn es hat doch immer „geklappt“. Ich habe sicher 50 Tagebücher voll von meinem Inneren, das sich ordnet, wenn ich schreibe. Voll von Bibelpassagen, die sich mir eröffnen, wenn ich sie für mich strukturiere, voll von Träumen, die mich nicht selten gewarnt haben. In letzter Zeit übe ich immer mehr, Gottes Gegenwart wahrzunehmen. Beim Laufen durch die Natur mit der Bibel-App im Ohr oder auch einfach in der Stille. Beim Sprechen mit ihm während des Schwimmens, beim Liegen neben unseren Katzen. Er ist überall und sein Heiliger Geist spricht sanft und leise. 

Verändert sich dein Glaube eigentlich dadurch, dass du so oft im Rampenlicht stehst und du ihn öffentlich teilst? 

Ich weiß nicht. Ich kenne es eigentlich meistens nur so. Ich darf meine Eindrücke mit Menschen teilen und bekomme so viel zurück. Ich glaube, es stärkt meinen Glauben. 

Du hast mal gesagt, dass du mit Gott schwäbisch sprichst. Warum schwäbisch? 

Oh, hab ich das? Ich sage immer, dass man das durchaus kann, denn er versteht das sicher. Aber ich rede nur mit Schwaben schwäbisch. Ich glaube, ich habe noch nie schwäbisch gebetet. Ich bin Italo-Schwäbin, es ginge also durchaus … 

Du bist ja auch Mutter – welche Sorgen machst du dir eigentlich um deine Kinder? 

Ich glaube, die gleichen wie jede andere Mutter auch: Mache ich es gut? Gebe ich ihnen, was sie brauchen? Verstehe ich sie gut genug?  Lebe ich ihnen das Leben mit Gott und Menschen gut vor? Sind sie vorbereitet für die Stürme, die kommen? 

Und wann fühlst du dich unfassbar sorglos? 

Auf der Bühne, bei Menschen, wenn wir gemeinsam spüren, dass Gott mit seiner Gegenwart den Raum und unsere Herzen füllt. 

Vielen Dank für das Gespräch, liebe Sefora, und Gottes Segen für dein Sein und Tun.