Mach’s einfach nochmal

Kolumne

Probiere alles mindestens dreimal aus, bevor du aufgibst. Das empfahl Pastor Wolfram Kopfermann damals der noch jungen Evi Rodemann, als sie frisch von ihrem Missions- und Theologiestudium als Mitarbeiterin in seine große Gemeinde nach Hamburg kam. Und was hat sie daraus gemacht?

Ich war unsicher, was mir richtig gut liegen, was ich gut können würde, und was mir zugleich auch noch ordentlich Spaß macht. Ich mochte es ja, vor Menschen zu stehen und sie für etwas zu begeistern, aber war ich deshalb auch gleich eine gute Rednerin oder Predigerin? Und konnte ich direkt vor hunderten von Menschen reden, oder sollte ich erstmal etwas kleiner anfangen? Musste ich sofort in etwas auch brillant sein, nur um zu wissen, dass ich begabt bin? 

Okay oder perfekt

Ich erinnere mich noch an eine meiner ersten Predigten, die ich vor Jugendlichen gehalten hatte. Als Wolfram mich anschließend auf dem Flur fragte, wie es gelaufen war, sagte ich: „Ganz okay. Aber ich bin nicht sicher, ob ich das nochmal machen werde.“ Es war nämlich wirklich nur okay gelaufen, aber nicht großartig. Was immer das damals für mich bedeutete. Zumindest kannte ich den Unterschied zwischen okay und perfekt, aber ich wusste noch nicht, dass perfekt nicht unbedingt das erklärte Ziel sein muss. Und dann noch das Vergleichen. Der Thorsten, also der kann ja richtig gut predigen und ist sogar fünf Jahre jünger als ich. Vielleicht sollte er das einfach immer machen? Ich würde dabei ja nur schlecht abschneiden. Man kann sich so in seine meist negativen Gedanken verstricken, dass man es erst gar nicht probiert. Wolfram ermutigte mich bei dieser Begegnung im Flur sehr:

„Es war nämlich wirklich nur okay gelaufen, aber nicht großartig. Was immer das damals für mich bedeutete. Zumindest kannte ich den Unterschied zwischen okay und perfekt.“

„Evi, du kannst nicht sofort in allen Bereichen gut sein oder auch nur erwarten, dass es von Anfang an wie geschmiert läuft. Du musst deine Gaben und Fähigkeiten wie einen Muskel trainieren. Wenn du dein Bestes gegeben und es mindestens dreimal probiert hast, und wenn es dann immer noch nichts wurde, dann probiere ruhig mal etwas anderes aus. Aber nicht vorher. Und vergiss nicht: bei allem ist Gott an deiner Seite.“ 

Probieren und vertrauen

Okay. Ich soll also nicht vorschnell aufgeben oder nach einem Versuch alles hinschmeißen, nur weil ich oder die Sache nicht perfekt waren. Diese mutmachenden Worte von Wolfram haben sich fest in mein Herz gebrannt und wurden dauerhaft wichtige Leitplanken für mich. Ich fasste größeren Mut, mögliche Gaben mehrfach auszuprobieren, Schulungen zu besuchen und von anderen zu lernen, die in diesen Bereichen besser waren als ich. Und ich fing an, Menschen, die es besser konnten, nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung zu sehen. Das half nicht nur mir. Es wurde auch zu einer Art persönlichem Mantra in meiner Zusammenarbeit mit jungen Führungskräften, in die ich mich in den folgenden Jahren vermehrt investierte. Da sind so viele Menschen, die unglaublich begabt sind, aber weit hinter ihrem Potential zurückbleiben, weil sie weder an sich glauben noch dem vertrauen, der an sie glaubt. Deshalb, falls du gerade ans Aufgeben denkst, weil der Start holprig oder uncool war, mach es einfach nochmal, mindestens dreimal. Und mache es mit Gott!