Du musst säen, um zu ernten
Essay
Was jedem Gartenliebhaber klar ist, scheint in die Köpfe vieler Menschen nicht hineinzuwollen: Der naturgegebene Zusammenhang von Saat und Ernte. Wer ernten will, ohne vorher zu säen, der scheitert. Wer nichts anstrebt und auch nichts einsetzt, scheitert auch. Denn nicht säen ist auch eine Saat, die irgendwann aufgeht. Von Lukas Herbst.
Vor einigen Jahren trendete eine App, mit der man sein aktuelles Bild spontan altern lassen konnte. Natürlich habe ich das ausprobiert. Schon spannend, sich plötzlich mit gefühlten siebzig Jahren zu sehen. Irgendwie ein anderer Mensch. Gleichzeitig auch der gleiche. In mir hat das die Frage ausgelöst: Wer will ich sein? Die Frage kann mir keine App beantworten. Und eine App alleine hilft mir auch nicht, diese Ziele zu erreichen. Das gelingt nur, wenn ich mir Ziele setze.
Das strebe ich an
Bedeutet das, wir müssen uns nur Ziele setzen und dann läuft es ganz easy? Klares Jein. Generell ist es absolut richtig und wichtig, zielorientiert zu leben. Also nicht einfach so vor sich hin zu dümpeln. Eine Vision fürs Leben zu haben. Mit dem Bewusstsein zu leben, dass wir nicht nur fürs Gänseblümchenpflücken hier sind. Wenn du noch keine größeren Lebensziele hast, wer du sein willst, was du mit deinem Leben bewirken willst, dann ist das echt ein guter Ansatzpunkt. Aber Vision und Ziele allein reichen nicht. Mir vorzunehmen oder das Ziel zu haben, in zehn Jahren besser Triangel zu spielen oder mit siebzig kein grummeliger, bitterer, alter Mann zu sein, sondern liebevoll, gütig und Jesus so ähnlich wie möglich, bringt erst mal nicht viel. Ein Ziel ist schön, kann inspirieren, mir eine Richtung zeigen – und dass die Richtung wichtig ist, hatten wir ja schon. Für jetzt und heute hilft mir das aber nicht automatisch. Ich brauche Systeme, die ich in mein tägliches Leben einbaue, die meinen Alltag prägen und die mir ganz praktisch helfen, auch wirklich auf diese Ziele hinzuleben.
Das ist einfach so
Es gibt Naturgesetze. Die kann ich hypen oder hassen. Das ist egal. Die sind einfach da, egal was ich über sie denke. Zum Beispiel das archimedische Prinzip. Physik, achte Klasse. Ich erinnere mich auch nicht mehr, aber zum Glück gibt es ja das Internet. Das archimedische Prinzip hat der griechische Gelehrte Archimedes vor über 2000 Jahren entdeckt. Nicht erfunden. Das ist wichtig. Es ist das Prinzip, das erklärt, warum ein Kieselstein untergeht, ein Containerschiff aber schwimmt. Dieses Naturgesetz ist einfach. Gott entscheidet nicht von Tag zu Tag, ob der Kieselstein jetzt untergeht oder nicht und ob das Containerschiff jetzt schwimmt oder nicht. Und wir können dieses Naturgesetz nutzen, wenn wir Schiffe bauen oder auf der Luftmatratze relaxen.
Das könnte schief gehen
Im Leben mit Jesus gibt es ähnliche Gesetze. So etwas wie geistliche Naturgesetze. Die sind einfach. Wir können sie hassen oder hypen. Das ändert nichts. Aber wir können sie nutzen. Und so ein Prinzip werden wir gleich entdecken. Dazu tauchen wir zusammen in einen starken Bibeltext ein. Paulus entfaltet dort so ein geistliches Naturgesetz. Ein Prinzip, das uns hilft, unsere Ziele in unseren Alltag zu übersetzen. „Wer sich jedoch einbildet, er sei etwas Besonderes – obwohl er in Wirklichkeit nichts ist –, der belügt sich selbst. Vielmehr soll jeder sein eigenes Tun überprüfen! Dann kann er sich mit dem rühmen, was er selbst tut, und muss sich nicht mit anderen vergleichen. Jeder hat nämlich seine ganz persönliche Last zu tragen. … Macht euch nichts vor! Gott lässt keinen Spott mit sich treiben. Was der Mensch sät, das wird er auch ernten. Wer auf den Boden seiner selbstsüchtigen Natur sät, wird als Frucht seiner Selbstsucht das Verderben ernten. Wer dagegen auf den Boden von Gottes Geist sät, wird als Frucht des Geistes das ewige Leben ernten. Lasst uns daher nicht müde werden, das zu tun, was gut und richtig ist. Denn wenn wir nicht aufgeben, werden wir zu der von Gott bestimmten Zeit die Ernte einbringen.“ Galater 6,3–9. Paulus beschreibt hier drei Fallen, in die wir immer wieder tappen:
„Ich brauche Systeme, die ich in mein tägliches Leben einbaue, die meinen Alltag prägen und die mir ganz praktisch helfen, auch wirklich auf diese Ziele hinzuleben.“
Vergleichen
Wer sich für was Besseres hält und sich auch so verhält, tut das meistens, weil er sich mit anderen vergleicht. Umgekehrt gibt es Menschen, für die das Vergleichen zu einem krassen Minderwert führt. Sie fühlen sich immer schlechter, benachteiligt oder meinen, sich dafür entschuldigen zu müssen, dass sie die gleiche Luft atmen wie der Rest der Welt. Deshalb ist die erste Aufforderung von Paulus: Überprüfe dein eigenes Tun. Vergleiche dich mit dir selbst.
Vernachlässigen
Wenn wir „Last“ lesen, denken wir sofort an Belastung und Schwere. Das Wort kann aber auch Ladung, Fracht oder Güter bedeuten. Es steht hier für alles, was Gott dir anvertraut hat. Dein Potenzial und deine Limits. Deine Begabungen und deine Begrenzungen. Man könnte vielleicht auch sagen: der Rucksack deines Lebens. Der für dich ganz individuell gefüllt ist. Mit Dingen, über die du dich freust und die dein Leben einfach, reich und schön machen.
Selbsttäuschen
Paulus sagt: „Macht euch nichts vor!“ Müsste er das sagen, wenn wir damit kein Problem hätten? Wohl kaum. Doch was meint er damit? Ich glaube, er spricht unsere Neigung zur Selbsttäuschung an. Wir neigen dazu, anderen etwas vorzuspielen. Jesus nennt das Heuchelei. Aber manchmal spielen wir auch uns selbst etwas vor und täuschen uns selbst. Wir schieben anderen die Verantwortung zu. Wir schmälern unseren Beitrag an einem Konflikt.
Sehen und säen
Jetzt bringt Paulus das geistliche Naturgesetz. Endlich. Aus meiner Sicht das Prinzip, auf das der ganze Bibeltext hinläuft: „Was der Mensch sät, das wird er auch ernten.“ Will sagen: Unser Tun hat Auswirkungen. Denk nicht, dass dein Tun ohne Auswirkungen bleibt! Unser Leben ist verbunden. Heute und morgen sind verbunden. Heute und in zehn Jahren sind verbunden. Unsere Handlungen sind nicht losgelöst von den Konsequenzen. Das bedeutet für mein Leben: Wenn ich morgen etwas in meinem Leben sehen will, dann muss ich heute die Voraussetzung dafür schaffen, dass es überhaupt wachsen und ich ernten kann.
Der abgedruckte Text ist eine von unserer Redaktion gekürzte Fassung des Kapitels 9, „Das Prinzip von Saat und Ernte“ aus Lukas Herbsts aktuellem Buch „Dein Leben. Dein Impact“, SCM-Brockhaus. Mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
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