Machst du Witze?

Britney, Brad und meine wahren Heiligen

Würde es mir irgendetwas helfen, mehr über die Fehde zwischen dem Milliardär Donald Trump und der Moderatorin Rosie O’Donnell zu wissen? Würde es meine Ehe verbessern zu wissen, wer mal wieder welche Ehe gebrochen hat?

Die meisten von uns wachsen charakterlich nicht ein Stück durch Erfolg, leichtes Leben oder glückliche Umstände. Natürlich wünschte ich mir, es wäre anders. Ich wünschte, wir würden Geduld lernen, ohne im Verkehrsstau geläutert zu werden. Ich wünschte, wir würden Frieden lernen in friedlichen Zeiten. Und mehr als alles wünschte ich mir, dass wir etwas übers Leiden lernen, indem wir einfach gute Bücher darüber lesen. Am liebsten Bücher, die gerade für neunundneunzig Cent auf dem Grabbeltisch zu haben sind.

Ich ging zum ersten Mal mit meiner Frau Ramona in der zehnten Klasse aus (na ja, damals war sie noch nicht meine Frau, sie war meine Freundin. Oder zumindest hoffte ich, dass sie es einmal werden würde). Ich erfuhr dabei, dass es eine 50-prozentige Wahrscheinlichkeit gab, dass sie einmal an der unheilbaren Huntington-Gehirnerkrankung zugrunde gehen würde. Heute wissen wir zwar, dass sie selbst kein Träger der Krankheit ist, aber drei ihrer Geschwister sind betroffen. Ihr Bruder Dennis erlag der Krankheit an einem Weihnachtsfest. Zwei ihrer Schwestern – Cynthia und Miriam – kämpfen Tag für Tag gegen diese Krankheit, die früher Veitstanz genannt wurde. Ihre treuen Ehemänner Bill und Jim stehen ihnen dabei zur Seite. Und obwohl ich den Begriff nicht oft gebrauche, sehe ich die vier als „Heilige“ an, weil sie ihre eigenen Bedürfnisse hintenanstellen, um anderen zu dienen, ohne darüber viele Worte zu verlieren.

Ich fürchte, unsere traurige Kultur hat solche Diener durch die Stars ersetzt. Wir sollten umdenken. Wenn Sie in den letzten Tagen gerade mal wieder die neuesten Skandale der Stars und Sternchen in den Schlagzeilen gelesen haben, stimmen Sie mir vielleicht zu.

Vor einer Weile rief mich die Redaktion von „Life & Style“ an. Ein Hollywood-Blatt, das mich bat, verschiedene Ereignisse im Leben von Prominenten wie Brad Bitt, Angelina Jolie oder Britney Spears zu kommentieren. Ich flachste ein bisschen herum, dann fragte ich sie, warum sie gerade mich anriefen. „Sie stehen auf unserer Liste der Experten!“, antwortete die Redakteurin. Ich weiß nicht, ob sie mich prusten hörte.

Nun bin ja in einem Alter, in dem man sich ein paar Schrulligkeiten leisten darf. Also erlauben Sie mir ein kurzes Ablästern: Ich habe keinen blassen Schimmer vom Leben dieser Promis. Ich sehe Paris Hilton und Britney Spears auf den Titelseiten der Magazine, wenn ich Mangos kaufen gehe. Und ich weiß, dass Gott sie auch liebt (Paris und Britney, und wahrscheinlich auch die Mangos). Aber ich kann nichts über ihr Leben sagen. Wozu auch? Würde es mir irgendetwas helfen, mehr über die Fehde zwischen dem Milliardär Donald Trump und der TV-Moderatorin Rosie O’Donnell zu wissen? Und würde es meine Ehe verbessern zu wissen, wer mal wieder welche Ehe gebrochen hat?

Ich fürchte allerdings, wenn ich mich hier so respektlos über den Starkult äußere, wird bald ein Fan vor meiner Tür stehen und mir eine Standpauke halten. Aber dieses Risiko nehme ich auf mich. Vielleicht geht es ja im Älterwerden genau darum: auszusortieren, was verrottet ist und es einfach rauszuschmeißen.

In dieser Phase meines Lebens kann ich es mir nicht mehr leisten, mich vom Trivialen ablenken zu lassen. Wenn ich über Menschen schreibe, benötigt das ein gewisses Maß an Tiefe, an Ehrbarkeit, an noblen Charaktereigenschaften. Und diese Eigenschaften habe ich im Leben meiner bereits erwähnten Verwandten gefunden, deren Liebe für andere mich selbst dazu treibt, mehr zu lieben, deren Lachen mich ebenso erstaunt wie ihre ganze Lebenseinstellung.

Steve Cohen ist der Präsident einer Missionsgesellschaft. Wie die Ehefrauen von Bill und Jim kämpft auch seine Frau Jan mit der Huntington-Krankheit. Und wie Bill und Jim geht auch Steve jeden Tag mit unverbrüchlichem Glauben, einer robusten Lebenseinstellung und der nötigen Portion Humor an.

Vor einiger Zeit feierten die Cohens ihren einundreißigsten Hochzeitstag und das vierzehnte Jahr, in dem Jan sich tapfer gegen die Krankheit wehrte. Wenn Steve im Land unterwegs war, traf er immer wieder Leute, deren Leben durch Jans Geschichte berührt worden war, und Menschen, die für die Familie beteten. „Bitte erzählen Sie mir, wie es Jan geht!“ , forderten sie ihn auf.

“Ein wichtiger Punkt bei der Huntington-Krankheit ist, dass die Wohnung für Jan so hilfreich wie möglich gestaltet ist“, sagte Steve mir einmal. „Das bedeutete für uns einigen Umbau und kürzlich mussten wir auch unser WC renovieren und aufräumen, damit meine Frau nicht stolpert oder auf Kleidungsstücken, die auf dem Boden liegen, ausrutscht. Es war eine ganz schöne Arbeit, aber danach sah die Toilette top aus.“

Nachdem die Aktion beendet war, war Steve unten mit den Kindern, als sie plötzlich einen dumpfen Aufprall hörten. Sie rannten nach oben und fanden Jan auf dem Boden des frisch aufgeräumten Bades. Auf der Suche nach einem Halt hatte sie sich an dem Nächstbesten, was sie finden konnte, festgehalten: den Kleidungsstücke, die ihr Mann und die Kinder gerade aufgehängt hatten. „Wir fanden sie in einem Berg voller Sachen. Arme und Beine schauten aus dem Gewühl heraus, aber sie war unverletzt.“

Um halb elf abends waren sie endlich damit fertig, das WC wieder zu ordnen. Steve führte alle nach unten zum Küchentisch, wo er eine Feier ankündigte.

„Was feiern wir?” fragten die Kinder.

“Wir feiern die Tatsache, dass wir nicht den Notdienst rufen mussten”, antwortete Steve. „Mama musste nicht ins Krankenhaus. Sie musste nicht genäht werden. Sie braucht keine Reha und sie hat keine Schmerzen. Und wir feiern, dass unser WC noch nie ordentlicher war.”  

Jans Kampf mit der Krankheit hat Steve geholfen, den Segen jedes Tages und jeder Situation wahrzunehmen. Gemeinsam haben sie entdeckt, dass die „Freude am Herrn“ am besten in einer Haltung der Dankbarkeit gedeiht. „Wir bekennen Gottes Gnade und Barmherzigkeit – jeden Morgen und jeden Abend neu.“

„Als ich noch zur Schule ging, hörte ich einmal eine Predigt darüber, was wir Gott antworten würden, wenn er uns am Himmelstor empfangen und mit der donnernden Stimme von Oscar-Preisträger Charlton Heston fragen würde: „Warum soll ich einen wie euch hereinlassen?“

Eine E-Mail von meinem Schwager Jim kann Ihnen eine Idee davon geben, welche Kraft Gott seinen Heiligen gibt und für welche Haltung wir uns entscheiden können:

Miriam geht es gut. Ihr Reden ist jetzt an dem Punkt, dass wir Schwierigkeiten haben, das meiste von dem zu verstehen, was sie sagt. Manchmal muss ich sie bitten, dass sie fünf oder sechsmal wiederholt, was sie gesagt hat. Dann beginnt sie zu lachen. Wie schön ist das! Die zwei Sätze, die sie am besten sagt und wahrscheinlich auch am meisten, sind: „Ich liebe dich“ und „Ich bin glücklich“. Das macht meinen Tag immer zu einem guten. Danke für eure Gebete. Ist das Leben nicht schön?

Als ich noch zur Schule ging, hörte ich einmal eine Predigt darüber, was wir Gott antworten würden, wenn er uns am Himmelstor empfangen und mit der donnernden Stimme von Oscar-Preisträger Charlton Heston fragen würde: „Warum soll ich einen wie euch hereinlassen?“ Ich saß mit drei Freunden zusammen an jenem Tag, und normalerweise waren wir damit beschäftigt, andere abzulenken, Krimis, die wir in unseren Bibeln versteckt hatten, zu lesen, oder über einen Ohrhörer Musik zu hören. Aber an dem Tag ernüchterte uns das Thema ausreichend, um zuzuhören.

Der Prediger listete sieben Dinge auf, die wir sagen können müssten. Und eine Latte von Dingen, die wir zuvor auf Erden getan haben sollten. Ich schäme mich, dass ich zugeben muss, dass ich mich nur an ein oder zwei davon erinnere. Ich wusste, dass der Prediger ein Mann war, der die Anforderungen sicher alle bestens erfüllte; es schien keinen Grund zu geben, warum Gott ihm nicht die Tür des Himmels weit öffnen und ihn freudig hereinlassen würde. Bei mir sah es allerdings völlig anders aus. Ich ließ den Kopf hängen und wusste: Das schaffe ich nie!

Mit einigen Jahren auf dem Buckel bin ich nun zu dem Schluss gekommen, dass ich sowieso sprachlos sein werde, wenn ich im Himmel ankomme. Aber wenn ich dann endlich meine Sprache wiedergefunden habe, und wenn Gott mich aus irgendeinem Grund tatsächlich fragen würde, warum er mich hereinlassen sollte, werde ich mich nervös niederknien und die Worte stammeln, die ein weiser Freund mir mal gesagt hat: „Weil du mich liebst! Du weißt, dass du mich liebst!“

Und dann werde ich noch hinzufügen: „Ich kenne Jim und Steve. Die sitzen da vorne in der ersten Reihe. Sie sind meine Freunde.“