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Harte Fragen der Bibel

„Ist Gottes Handeln immer gerecht?“

Bei dieser Frage handelt es sich um eine der ganz großen Fragen im menschlichen Verstehen Gottes. Es geht um die Gerechtigkeit Gottes im weiteren Sinne. Dazu gehört auch die sogenannte Theodizee-Frage (theos – Gott, dikaios – gerecht) nach der Rechtfertigung Gottes hinsichtlich des Übels, das er in der Welt zulässt, auch wenn er es laut der Bibel nicht verursacht. Menschen sehnen sich nach Gerechtigkeit. Viele von ihnen sind überzeugt, auch durch eigene bittere Erfahrungen, dass es unter Menschen keine Gerechtigkeit gibt. Umso wichtiger ist die Erkenntnis, dass Gott als letzte und höchste Instanz absolut gerecht ist. Wenn dies nicht so deutlich wird, wie sie es erhoffen und vielleicht dringend benötigen, hadern Menschen mit Gott. Ist es „gerecht“, wenn unschuldige Menschen Opfer von Naturkatastrophen oder Gewaltverbrechen werden? Ist es gerecht, wenn viele Täter in diesem Leben anscheinend straflos ausgehen und ihre Opfer leiden müssen? Kann ein „gerechter“ Gott so etwas „zulassen“?

Bei dieser Frage ist es wichtig zu bedenken, dass Gottes Gerechtigkeit nicht die unsere ist. Nach menschlichem Verständnis verläuft es in der westlichen Tradition, die auf die griechische und römische Antike zurückgeht, dann gerecht, wenn jeder das bekommt, was ihm zusteht – an Gutem wie an Bösem. Diese Vorstellung übertragen wir allzu leicht auf Gott: Er soll genauso handeln und den Menschen geben, was ihnen zusteht, sei es Gnade oder Gericht. Doch gibt Gott nicht jedem, was er verdienen würde – und davon leben wir alle! Gott gibt uns, die wir uns von ihm abgewandt haben, ihn nicht ehren und ihm danken, sondern in Auflehnung gegen ihn leben (vgl. Römer 1), nicht, was wir verdienen: Gott erhält unser Leben, lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte und bietet uns im Evangelium Gnade und ewiges Leben an.

Auch daher erscheint uns Menschen Gott nach unserem Verständnis zuweilen als ungerecht. Gott vergibt und begnadigt, wo er es unserem Verständnis nach gar nicht dürfte. Seine Gnade gilt eben nicht nur mir, sondern auch den anderen, selbst meinen Feinden. Sicher bleibt Gott in seinem Vergeben gerecht und nimmt Sünde ernst. Nicht wir Menschen können und müssen unsere Schuld vor Gott sühnen. Vielmehr geschieht Versöhnung und Sühne von Gott aus: „Gott hat Jesus, der selbst keine Sünden begangen hatte, für uns zu einem Sündopfer gemacht, damit wir die Gerechtigkeit erhielten, die vor Gott gilt.“ (2. Korinther 5,21). Dies tat Gott aus Liebe zu uns Menschen: „Gott aber erweist seine Liebe zu uns darin, dass Christus für uns gestorben ist, als wir noch Sünder waren.“ (Römer 5,8).

In der Bibel bedeutet Gottes Gerechtigkeit zudem seine Bundestreue, selbst bei menschlicher Untreue. Israel hat im Alten Testament erfahren: Gott hält seine Zusagen. Auch Christen leben von den Verheißungen und dürfen sich angesichts von Gottes Weg mit Israel seiner Treue gewiss sein. Was Gott im Evangelium verheißen hat, das gilt in Zeit und Ewigkeit (siehe Römer 11).

Andere Fragen nach der Gerechtigkeit des Handelns Gottes darf man stellen – so erscheinen etwa in den Psalmen Klagen und Fragen an Gott (vgl. Buch Hiob). Man muss aber wissen, dass wir Menschen nicht auf alle Fragen befriedigende Antworten finden werden, jedenfalls in diesem Leben nicht. Dennoch können wir auf Gottes Gerechtigkeit in seinem Handeln mit uns Menschen und an dieser Welt vertrauen und sollen uns in unserem Handeln an Gott orientieren: wie er uns, so wir einander. Durch die Zeiten sind Christen um Gottes Willen für Recht und Gerechtigkeit mit ihren Worten und Taten eingetreten.