Von meiner Welt zu einer Welt
Kolumne
Schrieb sich an dieser Stelle bisher Steve Volke von Compassion seine Gedanken von der Seele, begrüßen wir jetzt Marius Hommel von International Justice Mission (IJM) als neuen Autoren. Er sortiert zunächst, was er unter „Einewelt“ versteht, und kommentiert dann und in Zukunft auch mit Menschen von hier und dort, was wir damit zu tun haben.
Es gibt ein Phänomen, das mich seit Jahren packt und das bisher nur die allerwenigsten Menschen auf der Welt selbst erleben konnten: Den sogenannten Overview Effect. Der Begriff wird verwendet, um die Erfahrung derjenigen zu beschreiben, die vom Weltraum aus auf die Erde blicken können. In diesem Moment überkommt die allermeisten Astronautinnen und Astronauten ein besonders Gefühl der Einheit, Zusammengehörigkeit und Verbundenheit mit der Erde und den Menschen, die darauf leben.
Erstaunlich schön, erstaunlich eins
Schon der erste Mensch im All, Juri Gagarin, berichtete nach seinem Weltraumflug 1961: „Ich sah, wie schön unser Planet ist. Leute, lasst uns diese Schönheit erhalten und vermehren, nicht zerstören.“¹ Auch Sultan Bin Salman al-Saud, der 1985 als erster Muslim ins All flog, erinnert sich: „Am ersten Tag zeigte noch jeder von uns auf sein Land, am dritten oder vierten Tag auf seinen Kontinent – ab dem fünften Tag gab es für uns nur noch die eine Erde.“²
Die Welt als eine schöne und erstaunliche Einheit wahrzunehmen – darum geht es hier. Von oben, vom Weltraum aus, ist das offenbar nicht ganz so schwer wie es für uns hier unten auf der Erde zu sein scheint. Denn ich möchte behaupten, dass die wenigsten kein einziger Mensch ein ausreichend komplexes Verständnis der Welt hat, um sie wirklich als eine Welt in ihrer Vielschichtigkeit wahrzunehmen. Zu stark ist in der Regel die Sicht auf meine Welt, als dass ich diese Perspektive wirklich einzunehmen schaffe. Denn meine Wahrnehmung der Welt ist untrennbar verbunden mit meiner Prägung, meiner Biografie, meinen Privilegien und meiner Sicht der Dinge.
„Meine Wahrnehmung der Welt ist untrennbar verbunden mit meiner Prägung, meinen Privilegien und meiner Sicht der Dinge.“
Es geht nur gemeinsam
Wie kann es also gelingen, den Blick von meiner Welt auf die eine Welt zu richten? Lesen? Kann helfen. Reisen? Vermutlich auch. Ein interkulturelles Fach studieren? Bestimmt nützlich. Aber am bedeutendsten, so scheint es mir, bleibt die Begegnung mit Menschen aus anderen Ländern, Kontexten und Hintergründen. Denn nur wenn meine Welt und deine Welt in Kontakt treten, kann sich ein gemeinsames Verständnis von unserer gemeinsamen Welt ergeben.
Ich werde den Fokus an dieser Stelle immer wieder auf Menschen richten, die aus verschiedenen Teilen der Welt kommen. Es werden vor allem Menschen aus unserer globalen IJM-Arbeit sein, mit denen ich gezielt für diese Kolumne spreche. Ihre Perspektiven werden ganz sicher zu einem besseren Verständnis unserer gemeinsamen Welt beitragen. Wir dürfen gespannt auf diesen „Eine-Welt-Effekt“ sein. Ich freue mich jedenfalls auf die Reise.
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