Wie du willst
Motivation
Es kommt sicher sehr auf den Ton an, wenn man diese Worte ausspricht. Ob sie eher dahingesagt werden oder ob das „du“ betont und Vertrauen ausgedrückt wird. Dr. Simone Flad hat sich mit der Frage beschäftigt, wie es Menschen gelingt, das Unbegreifliche unaufgeregt zu tun. Dazu schaut sie nicht nur in die Bibel, sondern auch in die jüngere Geschichte.
Gelassenheit – das ist nicht unbedingt das Gefühl, das mir einfällt, wenn ich zum Beispiel an Marias Situation denke. Wir befinden uns zwar gerade nicht in der Vorweihnachtszeit, aber es lohnt sich trotzdem über Maria nachzudenken. Sie ist eine junge verlobte Frau, mit einem normalen Leben in der Erwartung ihrer Hochzeit. Und dann kommt ein Engel mit dieser unglaublichen An-sage: du wirst schwanger werden und einen Sohn haben. Gut, sowas hatte sie vermutlich eh gehofft, später, nach der Hochzeit. Und irgendwie ohne Engel. Aber es geht noch weiter: es wird nicht irgendein Sohn sein, sondern ein König, sogar ein König wie der große König David. Und nicht nur ein König, sondern auch noch der Sohn Gottes. Und – der Oberhammer – sie wird nicht von ihrem Verlobten schwanger werden, sondern durch den Heiligen Geist.
Voller Erwartung
Ich frage mich, was in Maria vorgegangen ist. Eine Aussage nach der anderen, alles einfach unbegreiflich. Abgesehen davon, dass sie sich das alles kaum vorstellen konnte, würde das ihr Leben total durcheinanderbringen! Wirklich total. Wer würde ihr diese Geschichte schon glauben? Vielleicht würde ihr Verlobter Josef sie verlassen! Ohne ihn und dafür mit einem unehelichen Kind hätte sie doch keine Zukunft! Angst und „bitte nicht“ wäre vielleicht meine Reaktion gewesen. Aber Maria sagt zum Engel „ich stehe Gott voll zu Verfügung. Was du gesagt hast, soll mir geschehen“ (Lukas 1,38). Nun kann „was du gesagt hast, soll mir geschehen“ sich ja ganz unterschiedlich anhören. Es könnte mit viel Resignation in der Stimme gesagt werden, so nach dem Motto „Gott macht ja sowieso, was er will, ich kann es ja nicht verhindern“. Oder es könnte eine Aussage voll Ängstlichkeit sein: „Oh, wie wird das werden? Ich habe Angst. Wenn es nicht anders geht …“. Bei Maria klingt es anders – erwartungsvoll, vertrauensvoll, gelassen. Das sieht man hauptsächlich an ihrem Lied, das sie danach schreibt (Lukas 1,46–55). Es war wohl ein von Herzen kommendes „Okay“, das Maria Gott hier gegeben hat.
Gegen alle Logik
Gelassenheit wäre wohl auch nicht meine innere Haltung, wenn ich an Simon Petrus‘ Stelle gewesen wäre. Er und seine Kollegen hatten die ganze Nacht gearbeitet – hart gearbeitet. Und nichts gefangen. Sie sind erfahrene Fischer, und doch blieben ihre Netze leer. Da kommt der Rabbi, von dem alle sprechen, und sagt wie zum Hohn „fahrt jetzt (mitten am Tag!) hinaus und werft eure Netze aus“. Frust ist das, was mir dazu einfällt. Oder Ärger. So ähnlich jedenfalls würde ich an Petrus‘ Stelle wahrscheinlich reagieren. Die ganze Nacht hart gearbeitet und kein Ergebnis. Und nun kommt noch einer mit einer kruden Idee: Mitten in der Hitze des Tages fischen. Das weiß doch jeder, dass die Fische da in die kühleren Tiefen abtauchen. Aber was sagt Petrus? Er erwidert scheinbar ganz gelassen: „Meister, wir haben uns die ganze Nacht abgemüht und haben nichts gefangen. Aber weil du es sagst, will ich die Netze auswerfen“ (Lukas 5,5). „Ich will die Netze auswerfen“. Wie kommt er zu dieser Aussage? Sie widerspricht allem, was er als Fischer gelernt hat. All seiner Erfahrung. Simon Petrus gibt selbst den Grund an für seine Bereitschaft es zu dieser „Un-Zeit“ noch einmal zu versuchen: „auf dein Wort hin“. Krass. Einfach nur, weil Jesus es sagt, will er das Un-logische tun. Das drückt ein enormes Vertrauen in Jesus aus. Vertrauen in das, wer er ist und was er sagt.
Und was ist meine Reaktion, wenn mich Gott auf einen Weg schickt, der nach meinen Maßstäben keinen Sinn macht oder der meine Pläne durchkreuzt? Manchmal ertappe ich mich dabei, dass ich bei solchen biblischen Geschichten heimlich denke „ja das waren aber keine normalen Menschen, nur weil die irgendwie extra geistlich oder heilig waren, konnten die so etwas sagen. Bei mir geht das nicht.“ Aber das stimmt nicht. Maria und Petrus waren Menschen wie du und ich.
„Was ist meine Reaktion, wenn mich Gott auf einen Weg schickt, der nach meinen Maßstäben keinen Sinn macht oder der meine Pläne durchkreuzt?“
An Bedeutung gewonnen
Wenn ich mir so meine Gedanken mache, dann helfen mir auch Geschichten von Menschen, deren Leben nicht so weit zurückliegt. Da ist zum Beispiel Pauline Hamilton (1915–1988). Sie war eine amerikanische Missionarin, die direkt nach dem Zweiten Weltkrieg mit OMF (damals noch China Inland Mission) nach China (und später nach Taiwan) ausgereist ist. Ihre Lebensgeschichte hat mich in verschiedenen Phasen meines Lebens herausgefordert und ermutigt. Pauline Hamilton war eine junge Hochschuldozentin für Physiologie, als Gott durch verschiedene Begebenheiten in ihr die Frage anstieß, ob sie ihren lukrativen und angesehenen Beruf aufgeben und als Missionarin nach China gehen sollte. Sie berichtet, dass sie im Urlaub bei langen Strandspaziergängen diese Frage wälzte. Ein komisches Zeichen über einem verwitterten Holztor zog eines Tages ihre Aufmerksamkeit auf sich: Während sie sie betrachtete, bekamen diese Holzlatten plötzlich eine klare Bedeutung für sie: AAA O: Anywhere, Anytime, Anyhow – bar nothing. An jedem Ort, zu jeder Zeit, auf jede Weise – ohne Ausnahme. Das sollte ihre Antwort an Gott sein. Das ist dieselbe Haltung, die viele Jahrhunderte vorher Maria hatte, nur mit anderen Worten ausgedrückt. Ich stehe dir zur Verfügung. Das wurde für Pauline Hamilton in dieser Situation klar und das wollte sie leben. Sie ist von da an ganz gelassen ihren Weg in Richtung China ge-gangen. Auch später in ihrem Leben musste sie dieses „ich stehe dir zur Verfügung“ in verschiedenen Situationen immer wieder durchkauen und manchmal auch durchkämpfen. Zum Beispiel als sie nach nur 4 Jahren in China 1951, wie alle anderen Missionare, auf Grund der neuen kommunistischen Machthaber das Land verlassen musste und keine Ahnung hatte, wie es weitergehen würde. Oder als sie nach 30 Jahren segensreichem Wirken unter Chinesen in China und Taiwan auf Grund einer schweren Krankheit vorzeitig in den Ruhestand versetzt wurde. Sie musste in die USA zurückkehren mit der Aussicht, nur noch wenige Monate zu leben – aus denen dann aber noch 10 Jahre werden sollten.
Ich traue mich
Pauline Hamilton konnte das immer wieder so sagen und leben, da sie es – wie Maria und Petrus – im Vertrauen auf Gott tat. Im Vertrauen darauf, dass er gut ist und er es gut machen würde. Dass er durchhelfen würde. Dass es sich lohnt, Gottes Wege zu gehen – egal, wie sie konkret aussehen. Darauf hat Pauline Hamilton vertraut. Darauf haben Maria und Petrus vertraut. Darauf will auch ich immer wieder vertrauen. Dann kann ich den Weg, den Gott mir vor die Füße legt, gelassen angehen. Wissend, ich bin an Gottes Hand unterwegs, an der Hand meines guten Vaters. Deshalb traue ich mich, mich ihm zur Verfügung zu stellen.
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