Mir wird nichts mangeln

Ratgeber

Bei diesen Worten fällt Bibellesern natürlich der berühmte alttestamentliche König David und sein Psalm 23 ein. Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln! Was diese damals geschriebenen Worte mit unserer heutigen Sorge vor „zu wenig“ zu tun haben? Michael Edler hat sich das angeschaut und ordnet es fachkundig ein.

Was bedeutet mangeln eigentlich? In unserem heutigen Sprachgebrauch findet sich das Verb nur noch selten, wenn dann eher in seiner substantivischen Form. Mangeln bedeutet so viel wie fehlen, entbehren. Substantivisch kann man Mangel auch als ungenügenden Vorrat bezeichnen. David lobt Gott als den guten Hirten, der für Genüge sorgt. Genug ist, wenn wir das erhalten, was wir zum Leben brauchen, wenn wir ausreichend versorgt sind. Genug bedeutet demnach nicht Überfluss. Die Brunnenschale, in die mehr Wasser fließt als sie aufnehmen kann, fließt über, weil sie mehr als genug erhält. Sie kann von ihrem Überfluss abgeben, ohne dass sie selbst Mangel erlebt.

Die meisten haben genug

Vermutlich haben die meisten mehr als sie zum Leben benötigen: mehr Lebensmittel, mehr Kleidung, vielleicht auch mehr Wohnraum, sogar mehr als genügend Geld für Freizeitbeschäftigungen wie Hobbies und Reisen. Insofern könnten wir vollen Herzens in das Gotteslob Davids mit einstimmen – mir mangelt nichts, im Gegenteil, ich habe mehr von allem als ich zum Leben brauche. Der Herr ist freigiebig, sogar großzügig. Natürlich ist dem Autor bewusst, dass dies nicht auf alle Menschen zutrifft, selbst in unserem Land nicht. Und natürlich kann es über das Materielle hinaus Mangel geben an Liebe, Zuneigung, Gesundheit, um nur einiges zu nennen. Wenn es uns zumeist materiell so gut geht, müssten wir dann nicht glücklich sein? Umfragen unter sehr reichen Menschen zeigen auf, dass die größte Sorge der Superreichen die Angst vor Verarmung ist. Gerade die, die am meisten haben, sorgen sich. Das ist eigentlich ein Paradoxon. Aber wir müssen gar nicht auf andere zeigen, es reicht der Blick auf uns selbst. Als Finanzberater schaue ich mit meinen Mandanten auf ein gutes Investmentjahr zurück. Der Wertzuwachs war deutlich, und viele können sich über den Zuwachs ihres Vermögens freuen. Manch einer hat sich in den letzten Jahren eine eigene Immobilie geleistet, in der Hoffnung, alles wird zukünftig gut bleiben oder am liebsten besser werden.

Entscheidend ist die Haltung

Aber was, wenn nicht? Mancher fragt sich, wird mir mein Wohlstand erhalten bleiben? Was ist, wenn die Aktienkurse sinken angesichts der wirtschaftlichen Lage in unserem Land und der unsicheren Weltlage? Auch in diesen Fragen und Sorgen steckt, sicherlich eine Nummer kleiner als bei den Superreichen, die Angst vor Verlust, wenn wir ehrlich zu uns selbst sind. Und mancher Christ stellt sich gar die Frage, darf ich überhaupt vorsorgen, darf ich Besitz und Vermögen anhäufen, weil es ja über die Mangelbefriedigung hinausgeht? Eines ist klar: je mehr ich habe, desto größer ist die Angst, es zu verlieren. Sollten wir also einem Bettelorden beitreten, und alles ist gut? Besonders im Alten Testament beschenkt Gott vielfach seine Nachfolger, wenn wir beispielsweise an die Urväter denken. Reichtum ist ein Zeichen der Gnade Gottes. Vermögen und Besitz sind also per se nicht schlecht oder böse, sondern in diesem Kontext gut, weil sie ein Geschenke Gottes sind.

Entscheidend ist meine Haltung, meine innere Einstellung. Entscheidend ist, wem ich das alles verdanke. Erkenne ich, dass ich nichts dazu beigetragen habe, in welche Familie ich hineingeboren wurde, in welchem Land ich aufgewachsen bin, in welcher Zeit ich lebe? Ja, ich habe mir vielleicht Mühe in der Schule, in Ausbildung und im Studium gegeben. Ohne meinen Einsatz wäre ich doch heute nicht da, wo ich jetzt bin, mögen wir denken. Und es ist ja auch etwas Wahres dran. Was wir mit dem, was uns gegeben ist, anfangen, liegt an uns. Ist dieser Gedankengang jedoch vollständig?

„Gott hat ein Versprechen gegeben. Dieses beinhaltet aber eine Arbeitsteilung. Gott ist Schöpfer, er sorgt für alles, wir müssen die Ärmel hochkrempeln und unser Teil dazu beitragen.“

Also keine Vorsorge treffen?

Wenn Gott uns mit allem ausstattet, dass wir genug haben, könnten wir ihn dann nicht einfach einen guten Mann sein lassen, wie der Volksmund zu sagen pflegt, oder etwas frommer in Anlehnung an Psalm 127: „den Seinen gibt’s der Herr im Schlaf“? Also keine Vorsorge, kein Sparen, keine Investition, einfach schlafen und empfangen? Gottes Wort ist wie immer herausfordernd, aber die Bibel gibt uns dennoch Antwort, wenn wir nach ihr suchen. Gott hat seinem Volk nach der Sintflut ein Versprechen gegeben: Solange die Erde besteht, werden nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht. Werfen wir doch einmal einen genaueren Blick auf das Begriffspaar Saat und Ernte. Nahrung ist das, was wir am nötigsten brauchen. Gott schenkt Wachstum und Gedeihen. Dennoch muss der Landwirt das Feld pflügen, es für die Aussaat vorbereiten, er muss säen und hegen und pflegen. Ja, er muss sogar die Früchte ernten. Sie fallen ihm nicht in den Schoß. Oder anders ausgedrückt, fliegen ihm die Tauben nicht gebraten in den Mund.

Gott hat ein Versprechen gegeben

Dieses beinhaltet aber eine Arbeitsteilung. Gott ist Schöpfer, er sorgt für alles, was wir an Ausstattung für Saat und Ernte benötigen, und er sorgt für das Geheimnis des Wachstums. Wir müssen die Ärmel hochkrempeln und unser Teil dazu beitragen. Gott hat die Schöpfung wunderbar gemacht, alles war sehr gut! Und den Menschen hat er sogar nach seinem Bild geschaffen. Also Mensch, nutze deine gottgegebenen Anlagen und Fähigkeiten und mach was draus. Sei kreativ, denke nach, packe an. Und wenn dabei mehr herauskommt, als du zum Leben brauchst, dann danke deinem Schöpfer und werde deiner Verantwortung gerecht, die mit dem einhergeht, was über den Mangel hinausgeht. Doch vergiss nie: Wer ist der Schöpfer, wer das Geschöpf, und wer schenkt das Gedeihen? Wenn du das beherzigst, wird dir nichts mangeln. Der Herr wird dich auf einer grünen Aue weiden und dich zum frischen Wasser führen und selbst im Angesicht von Feinden ist er dir gegenüber großzügig. Und das Beste – du kannst bleiben im Haus des Herrn für immer, und falls du dich entfernt haben solltest, zu ihm zurückkehren. Wenn das nicht gelassen macht?