Anders als es scheint

Ermutigung

Was sind das für Tage, in denen wir leben? Russlands Angriffskrieg in der Ukraine. Die Kämpfe der Terrororganisation Hamas mit Israel. Weltweit politisch große Veränderungen und Verunsicherungen. Da ist Hoffnung schwer zu finden und Zuversicht baut sich nur träge auf? Dr. Steffen Schulte liest die Offenbarung und meint: Gott hat alles fest im Griff.

Es gibt heute genauso viel Grund zur Hoffnung wie noch vor 2, 50, 500 oder 2000 Jahren. Kein Buch in der Bibel kann uns mehr helfen, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken, als die Offenbarung. Das mag vielleicht paradox klingen, weil wir mit der Offenbarung oft endzeitliche Horrorszenarien verbinden, die uns mit Angst und Sorge erfüllen. Dabei will das Buch der Offenbarung uns Hoffnung machen. Die Grundaussage kann man mit dem einfachen Satz zusammenfassen: Die Dinge sind nicht wie sie scheinen, Gott hat die Kontrolle!

Vorhang auf

Die Offenbarung gehört zum Genre der Apokalypsen. Das hat aber nichts mit Weltuntergangsfilmen zu tun, die wir aus Hollywood kennen. Vielmehr geht es darum, den Vorhang wegzuziehen, um zu zeigen, was im Hintergrund geschieht. Ähnlich wie bei einem Theater. Das Buch der Offenbarung hilft uns, hinter den Vorhang zu blicken. Dabei geht es nicht einfach um zukünftige Ereignisse, sondern es hilft uns auch, unsere aktuellen Ereignisse vollständiger zu sehen. Wir sollen die Weltgeschichte neu sehen, und zwar mit Gott auf dem Thron. Warum ist das wichtig? Damals wie heute können wir falsche Rückschlüsse ziehen, wenn wir nur auf das schauen, was wir gerade erleben. Genauso ging es bestimmt auch Johannes. Er war gerade auf der Insel Patmos, als er die Offenbarung schrieb, aber nicht um sich zu erholen, sondern weil er dorthin verbannt worden war. Nicht trotz seines Glaubens, sondern wegen seines Glaubens saß er dort fest. Er, der große Pastor und wahrscheinlich der letzte überlebende Apostel. Zeitgleich war die Verfolgung der Christen im vollen Gange und, wie wir in den ersten drei Kapiteln der Offenbarung lesen, sah es bei vielen Gemeinden nicht gut aus. Und in diese Situation hinein öffnet sich für Johannes eine Tür, der Vorhang fällt und er darf tiefer sehen. Er sieht den Himmel. Nicht als einen Ort, der weit weg ist, sondern als eine viel größere Realität, welche unsere umschließt. Apokalyptische Literatur – wie die Offenbarung – hatte genau diese Absicht: Alles wird in die richtige Perspektive gerückt, und es zeigt sich, dass unsere Perspektive nicht groß genug ist.
 

„Die Grundaussage der Offenbarung kann man mit dem einfachen Satz zusammenfassen: Die Dinge sind nicht wie sie  scheinen, Gott hat die Kontrolle!“

Ehre und Macht

Die gesamte Schöpfung sammelt sich anbetend vor dem Thron und ruft aus: „Du bist würdig, unser Herr und Gott, die Herrlichkeit und die Ehre und die Macht zu nehmen, denn du hast alle Dinge erschaffen, und deines Willens wegen waren sie und sind sie erschaffen worden.“ Die Bezeichnungen, die hier verwendet werden, Ehre und Macht, finden sich in vielen Liedern und Chorälen, mit denen damals die Herrscher besungen wurden. Dieser Lobgesang war darum eine klare Ansage an damalige Herrscher wie Nero oder Domitian. Aber die Anbetung der Offenbarung hallt durch die Geschichte und verortet alle Weltmächte, Politiker oder Megakonzerne unter Gott. Bevor Sie hier weiterlesen: Bitte lesen Sie doch jetzt erst Offenbarung 4, das ist wichtig! Sehen Sie, was für einen Ort Johannes da beschreibt? Den Thron mit seinem Glanz, Herrlichkeit und Schönheit. Die Heiligkeit dieses Ortes. Die 24 Ältesten, die anbeten. Die 4 Lebewesen, die anbeten. Alles ist dort in Anbetung vor dem Thron Gottes. Aber Kapitel 5 beginnt dann mit einem Drama: „Und ich sah in der Rechten (Hand) dessen, der auf dem Thron saß, ein Buch, innen und auf der Rückseite beschrieben, mit sieben Siegeln versiegelt. Und ich sah einen starken Engel, der mit lauter Stimme ausrief: Wer ist würdig, das Buch zu öffnen und seine Siegel zu brechen? Und niemand in dem Himmel, auch nicht auf der Erde, auch nicht unter der Erde konnte das Buch öffnen noch es anblicken. Und ich weinte sehr, weil niemand für würdig befunden wurde, das Buch zu öffnen noch es anzublicken.“

Das Buch beschreibt, was Gott als der wahre Schöpfer und souveräne Herrscher als Ziel für diese Welt bestimmt hat. Gott sitzt auf dem Thron und hält in seiner Hand eine Rolle: Den Plan, Gottes Reich in seiner Ganzheit zur Vollendung zu bringen. Wie Gott Gerechtigkeit schafft. Aber niemand ist zu finden, der würdig ist. Kein Mensch. Kein Engel. Nichts und niemand. Nicht einmal, um es anzuschauen! Doch dann spricht einer von den Ältesten zu Johannes: „Weine nicht! Siehe, es hat überwunden der Löwe aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids, um das Buch und seine sieben Siegel zu öffnen.“ Da ist also doch Hoffnung! Der Löwe, stark und mächtig aus dem Stamm Juda, die Wurzel Davids. Ein mächtiges Bild mit einer klaren Verbindung zu Jesus. Johannes soll sehen: „Und ich sah inmitten des Thrones und der vier lebendigen Wesen und inmitten der Ältesten ein Lamm stehen wie geschlachtet, das sieben Hörner und sieben Augen hatte; dies sind die sieben Geister Gottes, ausgesandt über die ganze Erde.“
 

„Selbstaufgabe ist kein Verlust. Barmherzigkeit keine Schwäche. Vergebung keine Niederlage. “

Worte reichen nicht

Johannes wird ein mächtiger Löwe angekündigt und er sieht ein schwaches Lamm. Was passiert hier? Tippfehler? Gedankensprung? Nein, dies ist das Geheimnis Gottes. Die Dinge sind nicht, wie sie scheinen. Das Lamm ist mächtig. Gott ist in einer Art unterwegs, die wir kaum verstehen. Selbstaufgabe ist kein Verlust. Barmherzigkeit keine Schwäche. Vergebung keine Niederlage. Das Lamm ist mächtig und siegreich. Wir müssen unser Leben aus Offenbarung 4–5 heraus bedenken. Die Dinge sind nicht wie sie scheinen. Einfache Worte reichen nicht aus, um uns diese tiefe Wahrheit zu vermitteln. Darum nutzt die Offenbarung die Macht der Bilder und Symbole, um das auszudrücken, wozu einfache Worte nicht reichen. Sie zeichnet mächtige Bilder, damit wir uns wenigstens ansatzweise vorstellen können, wie groß Gott wirklich ist. Damit wir auch nur einen Hauch einer Ahnung davon bekommen, wie heilig, mächtig und anbetungswürdig Gott wirklich ist.

Der Löwe ist das Lamm, und seine Macht manifestiert sich nicht darin, dass er alles kaputtschlägt, sondern, dass er alles auf sich nimmt. Seine Herrlichkeit zeigt sich nicht darin, dass er seine Größe zeigt, sondern seine Hingabe. Seine Liebe zeigt sich nicht darin, dass er uns alles gibt, was wir wollen, sondern dass er sich selbst für uns gibt. Und als alle das Lamm sehen, bricht der größte denkbare Lobpreis aus! Darum: Hab keine Angst! Die Dinge sind nicht wie sie scheinen, Gott hat die Kontrolle.