Voll Fett im Leben?!

„Du bist zu fett und musst langsam was tun! Ich mache mir Sorgen um dich!“ Der nicht gerade sanfte „Hinweis“ meiner Freundin traf mich aus heiterem Himmel – aber wenn ich ehrlich war, musste ich gestehen: Sie hatte Recht! Leider.

Vor sechs Jahren hatte ich mit dem Rauchen aufgehört und seitdem ständig zugelegt. Im ersten Jahr kamen die ersten 10 Kilo, dann ging der Zeiger der Waage zwar langsamer, aber doch ständig weiter nach oben, bis ich es auf 30 Kilo Übergewicht brachte. Ein Suchttherapeut hatte mich darauf hingewiesen, dass man durch die Stoffwechselumstellung des Körpers zwischen drei und zehn Kilo zunehmen könne, wenn man das Rauchen aufgebe, aber dann würde der Stoffwechsel sich einpendeln und die Gewichtszunahme stagnieren. Pustekuchen! Denn das gilt nur, wenn man neben null Nikotin seinen Lebensstil ansonsten beibehält und nicht, wenn man zusätzlich noch jede Menge Ungesundes – vor allem Süßes – futtert. Ist das Gewicht dann erst einmal außer Kontrolle, kommt es auf ein oder zwei Kilo mehr auch nicht mehr an. Denkt man. Und irgendwann realisiert man gar nicht mehr, was sich da im Laufe der Zeit entwickelt hat: eine Krankheit mit dem Namen Adipositas.

30 Kilo zu viel

Als ich noch zur rauchenden Bevölkerung gehörte, sprach mich immer mal wieder jemand aus dem Freundes- oder Bekanntenkreis auf das Rauchen an und wies mich darauf hin, wie ungesund doch meine Lebensweise sei. Mutwillig meine Gesundheit zerstören würde ich, die mir doch Gott anvertraut habe – ein hohes Gut also, für das man selbst verantwortlich sei. Doch bei 30 Kilo Übergewicht traut sich kaum jemand, mich zu fragen, ob ich eigentlich weiß, wie ungesund und gefährlich das ist und dass meine Gesundheit in ernster Gefahr ist – vielleicht sogar ernster, als zu der Zeit, als ich noch geraucht habe.

Ein unterschätztes Krankheitsrisiko

Bei Adipositas, umgangssprachlich auch „Fettsucht“ (lat. adeps = „Fett“), genannt, geht es um wesentlich mehr als „ein paar Kilos zu viel“, die man mit ein bisschen Diät halten wieder in den Griff bekommt. Fettleibigkeit ist eine ernstzunehmende Krankheit, die in unserem Land mehr und mehr um sich greift und die für viele weitere Erkrankungen verantwortlich ist, wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Bluthochdruck oder Reflux (Sodbrennen). Ab einem BMI (Body-Maß-Index) von 30 ist das Krankheitsrisiko deutlich höher und auch die Entstehung von Demenz und Alzheimer bringt man mit Adipositas in Verbindung. Schuld an Adipositas sind allerdings nicht nur falsche Essgewohnheiten; auch äußere Umstände wie Bewegungsmangel, sitzende Tätigkeiten und andere Lebensgewohnheiten spielen eine Rolle.

Zeit, Mut und Kraft

Für mich war der freundschaftliche „Tritt in den Hintern“ ein erster Schritt, meine Situation überhaupt erstmals ehrlich wahrzunehmen und mich mit dieser Krankheit auseinanderzusetzen. Seitdem bin ich auf dem Weg, den Kampf gegen die Kilos zu gewinnen, was alles andere als einfach ist. 30 kg abnehmen – das bedeutet Marathon und nicht 100-m-Lauf. Es geht nicht darum, sich für kurze Zeit zusammenzureißen, sondern das gesamte Essverhalten dauerhaft zu verändern – und letztlich auch das ganze Lebenskonzept. Das braucht Zeit, Mut und Kraft – und Menschen, die einen begleiten und unterstützen. Menschen, die dir vermitteln: „Ich mag dich so, wie du bist! Aber ich wünsche mir um deinetwillen, dass du normalgewichtig wirst.“

Weitere Informationen und Hilfe finden Sie hier: www.adipositas-online.de