Über Zeit

Hallo Gott, ich mach mir grad so meine Gedanken. Über Zeit. Also haben tue ich ja nie welche. Gut, außer 24 Stunden am Tag. Aber die sind immer so schnell weg. Weil sie sich auf mysteriöse Art und Weise schneller von selbst füllen, als ich gucken kann. Mit Terminen, Aufgaben, Telefonaten, Verabredungen und Herausforderungen, die sich alle für unglaublich wichtig halten. Und im selben Moment scheint manchmal die Zeit überhaupt nicht verstreichen zu wollen. Wartezeiten fühlen sich ewig an und ich würde am liebsten die Zeiger der Uhr von Hand weiterdrehen. Das ist doch verrückt!

Aber das verrückteste an der Sache bist eigentlich Du: Du bist ewig. Unendlich. Ohne Anfang und ohne Ende. Mit der Dimension Zeit, aber ohne an sie gebunden zu sein.

Und um die Verwirrung komplett zu machen, sagt David in Psalm 31,16 „Meine Zeit steht in Deinen Händen.“ Meine begrenzte Zeit, die rennt und schleicht und verfliegt und so lange dauert, liegt in den Händen eines Gottes, der jedes Zeitraster einfach sprengt. Der die Zeit erfunden hat, aber kein Teil von ihr ist. Das muss doch etwas für mich bedeuten. Einfluss auf mein Leben haben. Aber welchen? Was verändert das? Jetzt, wortwörtlich in diesem Moment?

In einem Lied von Peter Strauch heißt es: „Meine Zeit steht in Deinen Händen. Nun kann ich ruhig sein, ruhig sein in Dir. Du gibst Geborgenheit, Du kannst alles wenden. Gib mir ein festes Herz, mach es fest in Dir.“

Wenn ich wirklich begreifen würde, dass meine zeitliche Begrenztheit in Deiner zeitlosen Weite Raum finden darf, dann müsste das Ergebnis doch tatsächlich Ruhe sein. Weil das beinhalten würde, dass ich meine Grenzen annehmen könnte, ohne dass ich an ihnen verrückt würde. Weil ich Frieden finden dürfte, der nicht von meinem Schaffen und Erledigen abhängig wäre. Weil ich Vertrauen gewinnen dürfte darauf, dass Du, der Du über allem stehst, mit mir zu Deiner Zeit ans Ziel kommst. Und weil ich mir sicher sein könnte, dass Du mir auf diesem Weg alles geben wirst, was ich brauche – auch wenn in meinen Augen die richtigen Momente längst verstrichen und manche Züge bereits vor langer Zeit abgefahren sind.

Meine Zeit in Deinen Händen. Meine Enge in Deiner Freiheit. Das will ich. Das brauche ich.

Gott, kannst Du mir bitte helfen, das in nächster Zeit mit Dir gemeinsam zu lernen?