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Ohne Glanz und Gloria

von Steffen Schulte

Der Allmächtige kam auf leisen Sohlen und veränderte so die Welt.

Eigentlich ist die erste Weihnachtsnacht eine Nacht wie viele vorher: Tau bildet sich auf den Feldern und die Sterne strahlen hell und klar.  Und doch ist irgendetwas anders als sonst. Denn in dieser Nacht kommt Gott. Doch Gott kommt still. Er kommt ohne große Werbekampagne. Kein Gipfeltreffen wird einberufen und er wird auch nicht in einem Luxushotel untergebracht. Nein, Gott wird in einer Notunterkunft geboren, weil es keinen besseren Platz gibt. Gott kommt als Mensch – nicht als Übermensch und nicht als Supermann. Er kommt als Baby, als hilfloser Säugling – ganz klein, ganz verletzbar, ganz abhängig von der Fürsorge zweier Menschen. Doch nicht die Crème de la Crème damaliger Lehrer, Berater und Erziehungswissenschaftler ist für ihn zuständig, sondern ein ganz junges und unerfahrenes Ehepaar: Maria und Josef.

Wichtige unwichtige Leute
Und als ob das nicht schon reichte, werden dazu auch noch die falschen Menschen über sein Kommen informiert. Kein Begrüßungskomitee, das aus ranghohen Vertretern aus Wirtschaft und Politik besteht, wird eingeladen, sondern einfache Hirten. Es ist Weihnachten – und Gott kommt an den „falschen“ Ort und zu den „falschen“ Leuten. Nicht zu den Wichtigen, sondern zu den Unwichtigen. Hirte zu sein war im antiken Israel kein romantischer Beruf, wie wir es uns heute gerne vorstellen: ein Aussteigerjob für philosophierende Lebenskünstler, die fernab der hektischen Welt im Einklang mit der Natur leben und ihre Herden durch sanfte Hügellandschaften treiben. Hirten im damaligen Israel waren schroffe Kerle, die einer Arbeit nachgingen, die keiner machen wollte. Ja, mit Hirten hatte man keinen Umgang! Hirten wurden auch nicht als Zeugen bei Gericht zugelassen, weil man kategorisch davon ausging, dass sie alle Lügner und Betrüger seien. Und genau sie macht Gott zu den ersten Zeugen des größten Ereignisses der Menschheitsgeschichte (siehe Lukas 2,8-20).

Diener der Welt
Weihnachten kommt Gott. Doch er kommt  nicht, um eine Show zu machen, nicht, um zu herrschen, nicht, um sich bedienen zu lassen oder um irgendetwas für sich zu tun, sondern Gott macht sich auf und kommt als unser Retter. Als der, der uns einen Ausweg aus dem Gefängnis der Verlorenheit zeigt, in dem wir festsitzen. Einen Ausweg aus der Not, die wir jeden Tag erleben: zu viel Gewalt und Feindseligkeit, zu viel Ausbeutung und Ungerechtigkeit. Und das nicht nur in der Welt, sondern auch in unseren Herzen. Gott kommt als unser Retter. Doch warum kommt er bloß so unscheinbar? Warum gibt es keinen großen Knall? Warum bricht nicht überall der Himmel auf und Engel erscheinen allen Menschen und nicht bloß ein paar Hirten? Warum wählt er kein komfortableres Zuhause? Warum keine qualifizierteren Eltern? Warum platziert er sich strategisch nicht besser, sodass die wichtigen Entscheidungsträger ihn ernst nehmen?

Weil Gott kommt! Nicht ein Mensch, nicht wir kommen, sondern Gott. Das ist der Unterschied. Gott kommt – und die Art und Weise, wie er kommt, sagt uns etwas über seinen Charakter, darüber wie er ist. Der Apostel Paulus beschreibt es im Brief an die Philipper so: „Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz“ (Philipper 2,6–8).

 

 

„Er war in allem Gott gleich, und doch hielt er nicht gierig daran fest, so wie Gott zu sein. Er gab alle seine Vorrechte auf und wurde einem Sklaven gleich. Er wurde ein Mensch in dieser Welt und teilte das Leben der Menschen. Im Gehorsam gegen Gott erniedrigte er sich so tief, dass er sogar den Tod auf sich nahm, ja, den Verbrechertod am Kreuz (Philipper 2,6–8).“

So ist Gott!
Wir feiern Weihnachten, weil damals das größte Wunder geschah und wir das schönste Geschenk aller Zeiten erhielten: Gott kam als Mensch – und er kam, um etwas zu tun. Nicht, um uns zu beschweren. Nicht, um sich dienen zu lassen oder weil ihm etwas fehlte. Und auch nicht, weil er uns brauchte. Er kam, um das zu tun, was wir für uns selbst nicht tun können. Wir feiern Weihnachten, weil Gott nicht auf Distanz geblieben ist. Gott hat sein Herz nicht erst weichklopfen lassen, sondern er kommt zu uns, um uns retten, weil er uns liebt. Sein Wesen ist Liebe – und darum kommt er.

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Gott ist nicht apathisch, ist uns und unserer Not gegenüber nicht gleichgültig. Er macht sich klein und hilflos, damit wir die Hilfe erfahren, die wir so dringend brauchen. So ist Gott: ein Gott voller Herrlichkeit, Macht und Reichtum. Und doch wendet er sich den Geringsten und Verlorenen zu. Ein Gott, so groß, dass es für ihn kein Verlust ist, sich klein zu machen. Ein Gott, so voller Hingabe zu seinen Menschen, dass er kommt, um ihnen zu dienen. Ein Gott, so voll Liebe, dass er alles gibt, sich selbst gibt, damit wir leben können. Der Retter, der in jener Nacht auf so unscheinbare Weise geboren wurde, lädt uns auch heute ein, die Last unserer Schuld auf ihn zu laden: „Kommt her, alle die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken“ (Matthäus 11,28). Wer dieses Angebot annimmt, für den wird wirklich Weihnachten. Und das nicht nur an ein paar Tagen im Dezember, sondern an jedem Tag des Jahres.