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Bei sich selbst ankommen

Kolumne

Einfach mal hinsetzen. Kurz die Füße hochlegen. Die Seele baumeln lassen. Kann irgendwie nicht jeder. Schade eigentlich, meint Peter Tauber, der sich sicher ist, in genau solchen Momenten nicht nur bei sich selbst, sondern auch im Schönen anzukommen. Lassen Sie sich von ihm mitnehmen in seinen Alltag. Lassen Sie sich anstecken von der Freude und Begeisterung. Er weiß, wovon er spricht.

 „Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, heißt es ja. Jeder von uns, so möchte man meinen, empfindet andere Menschen, Kunststile oder Naturbilder als schön. Und wenn man nachschlägt, wie Schönheit definiert ist, dann geht es in der vorgeschlagenen Definition um das äußere Erscheinungsbild. Ist Schönheit also oberflächlich? Die Biologie behauptet gar, dass das, was wir als schön empfinden, eben nicht Geschmackssache oder Zufall ist. Doch egal welches Schönheitsideal und welche Definition wir uns jetzt zu eigen machen: Es sind die schönen Momente, an die wir uns gerne erinnern. Sie machen unser Leben aus.

Momente schaffen

Nehmen Sie sich doch heute Abend einfach mal die Zeit. Setzen Sie sich an den Ort in Ihrer Wohnung, den Sie besonders mögen oder gehen Sie in Ihr Lieblingscafé. Vielleicht haben Sie dort sogar einen Platz, an dem Sie öfters und gerne sitzen. Ihr Lieblingsgetränk sollte nicht fehlen. Zu Hause ist es vielleicht die Ruhe, die auf einmal eintritt, wenn der Trubel des Tages nachlässt. Im Café das sanfte Stimmengewirr, das gedämpfte Licht, vielleicht eine angenehme Musik, die im Hintergrund läuft. Und wenn Sie Ihre Gedanken nicht gleich treiben lassen wollen, nehmen Sie vielleicht noch ein Buch mit. Vielleicht auch einen Band mit Gedichten. Oder schauen Sie aus dem Fenster, beobachten Sie im Café die anderen Gäste. Oder Sie hören in sich hinein. Was war heute gut? Was hat Ihnen Freude bereitet? Was vom Tag möchten Sie festhalten? Sie werden merken, dass auf einmal etwas von ihnen abfällt. Sie kommen bei sich selbst an. Ein schönes Gefühl. Gefällt Ihnen die Idee? Und schwupps: Sie haben sich Ihren eigenen schönen Moment geschaffen. Vielleicht keinen, der Ihr Leben prägt wie eine Hochzeit, die Konfirmation, ein besonderer Geburtstag, ein beruflicher Erfolg oder der erste Zieleinlauf bei einem Marathon, aber just haben Sie vielleicht gedacht: „Schön!“

Wenn Sorgen anhalten

Wenn ich darüber nachdenke, was besonders schöne Momente in meinem Leben waren, dann denke ich automatisch an Weihnachten. Und ich gebe zu, dass ich mich bemühe, mir stets etwas von meiner kindlichen Freude über die Schönheit dieses Festes zu bewahren. Inzwischen nehmen wir uns in der Familie zum Beispiel vor, uns dieses Jahr keine Geschenke zu machen. Am Ende hat doch jeder für den anderen mindestens eine Kleinigkeit. Ganz einfach, weil es so schön ist, dem anderen eine Freude zu machen. Ich mag die Süßigkeiten, die Musik, die Vorfreude im Advent – und natürlich die frohe Botschaft, die Geschichte der Engel auf dem Felde, die Hirten, die Könige, und dann ist da das Jesuskind. Und alle Sorgen der Welt hören für einen Moment auf. Diese Schönheit des Weihnachtsfestes feiern Menschen auf der ganzen Welt. Ich bin einer von ihnen und das finde ich schön. Und ich muss bekennen, dass Weihnachten in meiner Familie fast schon zu sehr dem Klischee einer deutschen Weihnacht entspricht. Und deshalb freue ich mich auch jetzt schon wieder auf Weihnachten. Das wird schön.

Der beste Kaffee ever!

Ein weiterer Moment kommt mir in den Sinn. Ich lag im Krankenhaus. Auf der Intensivstation. Es war ein bisschen wie bei Grey’s Anatomy, überall Kabel, angeschlossen an meinen Körper. Ich war schwach, aber bei mir. Innerhalb von drei Tagen war ich zweimal operiert worden. Die letzte Operation war eine Notoperation. Es ging um wenige Stunden. Aber nun war ich eben noch da, wieder da, nur völlig erschöpft. Ich weiß nicht mehr an welchem Tag es war, aber als die Schwester reinkam und mich fragte, ob ich einen Kaffee möchte, da wurde das kalte Krankenhauslicht auf einmal ganz warm. Ich nickte. Schon stand diese weiße Keramiktasse vor mir. Ich trinke meinen Kaffee schwarz. Und Krankenhauskaffee steht nicht im Ruf, besonders gut zu schmecken. Ganz ehrlich: Ich habe noch nie einen so guten Kaffee getrunken wie diesen. Manchmal reicht eben ganz wenig, um diesen Moment zu schaffen, der einem so viel gibt. Einfach schön!

Keks, Musik und Menschen

Wir Menschen sind, wie wir sind. Natürlich mag nun manch einer sagen, das seien doch alles Oberflächlichkeiten. „Wahre Schönheit kommt von innen“, lautet ja auch das Sprichwort. Das stimmt natürlich. Und Gott mahnt uns! „Euer Schmuck soll nicht äußerlich sein“, heißt es in 1. Petrus 3, 3 – 4, „Der verborgene Mensch des Herzens: Das ist köstlich vor Gott.“ Und in 1. Samuel 16,7 heißt es über die Schönheit: „Ein Mensch sieht, was vor Augen ist; der Herr aber sieht das Herz an.“ Sind meine Beispiele also oberflächlich gewählt? Sind es die falschen Beispiele für die schönen Momente, die uns prägen? So schnell will ich mir das aber nicht klein reden lassen. Es ist ja vielleicht gar nicht immer ein Widerspruch. Ich mag Weihnachten ja nur, weil in Verbindung mit den Keksen, der Musik und dem Kerzenlicht die Menschen zusammenkommen, die mir am liebsten sind. Das erfreut mein Herz. Und der Kaffee im Krankenhaus wäre ohne die Aufmerksamkeit und das Lächeln der Schwester, die wusste, wie gerne ich Kaffee trinke, wahrscheinlich nur schwarze Plörre gewesen. Meistens sind die schönen Momente gespeist durch Menschen, die uns begegnen. Ich wünsche Ihnen deshalb die Begegnung mit solchen Menschen, die Ihnen diese schönen Momente schenken. Und noch mehr: Dass andere nach einer Begegnung mit Ihnen denken: „Das war aber schön!“

Einfach schön ist es, die Schönheit des Lebens wahrzunehmen. Und diesen Blick zu bewahren – auch dann, wenn uns mal Steine in den Weg gelegt werden, das wäre doch eine schöne Sache. Und das wünsche ich Ihnen noch dazu!

„Ich wünsche Ihnen deshalb die Begegnung mit solchen Menschen, die Ihnen diese schönen Momente schenken. Und noch mehr: Dass andere nach einer Begegnung mit Ihnen denken: 'Das war aber schön!'“

 

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