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Vergebung ist ein großes Gut

Ratgeber

Menschen. Alltag. Dinge gelingen, andere nicht. Wir werden schuldig, bewusst oder unbewusst, müssen schauen, wie wir zurechtkommen. „Ist‘s möglich, soviel an euch liegt, so habt mit allen Menschen Frieden“, schreibt Paulus an die Römer, Kapitel 12, Vers 28. Was aber, wenn es nicht möglich ist? Wenn ich zwar um Vergebung bitte, sie mir aber nicht gewährt wird? Von Florian Mehring.

Vergebung ist ein großes Gut. Wir haben uns verlaufen. Erkennen das. Es tut uns herzlich leid, wir bitten um Vergebung, machen wieder gut, was möglich ist. Vergebung wird uns gewährt, indem der betroffene Mensch (und Gott) uns dies zusagt. Dadurch erleben wir Wiederherstellung, Bereinigung, Entlastung, die Möglichkeit eines echten Neuanfangs, vielleicht sogar Versöhnung. Vergebung ist ein großes Gut. Nicht nur gläubige Menschen können den Weg der Vergebung gehen. Menschen, die nicht an den Gott der Bibel glauben, können selbstverständlich auch vergeben, um Vergebung bitten oder diese gewähren. Aber mit Gottes Hilfe ist es leichter, diesen Weg zu gehen.

Vergebung gibt die Würde zurück

Dem natürlichen Menschen verlangt Vergebung sehr viel ab. Der Vergebende gibt das Faustpfand des „im Recht seins“ ab. Damit verzichtet er auf seine Macht über den anderen Menschen und lässt ihn, und damit letztlich auch sich selbst, wieder frei vom Geschehenen. Vergebung ist Machtverzicht. Vergebung ist Wiederherstellung von Gleichrangigkeit, ohne dass in jedem Fall Gerechtigkeit wiederhergestellt wurde oder werden kann. Vergebung gibt dem Täter die Würde zurück. Und dem Vergebenden ebenso. Wir alle wissen, wie schwer uns der Weg der Vergebung fällt. Wie gut, dass Gott hier ganz klar ist. Wir sollen vergeben, so wie er uns vergeben hat. Aber es ist uns nicht immer möglich, den Weg der Vergebung zu gehen. Zumindest „noch nicht“ möglich.

Wir setzen Reife voraus

Wie kann ich damit leben, wenn mir einer nicht vergeben will? Vielleicht war meine Reue, meine Bitte um Vergebung nicht eindeutig erkennbar? Zu verklausuliert, zu „vernuschelt“? Dann muss ich hier unbedingt nachbessern. Vielleicht ist die Weigerung des Anderen bedingt durch dessen Unsicherheit in Bezug auf meine Vertrauenswürdigkeit. Weil mein Fehlverhalten so schwerwiegend war, dass mein Gegenüber die Sorge hat, sich nach dem Zuspruch seiner Vergebung wieder in die Dynamik meines (sich wiederholenden) Fehlverhaltens zu begeben. Wenn also die Vertrauenskrise so groß ist, dass Vergebung menschlich nicht gewagt werden kann. Wenn dem so ist, dann ist der erste notwendige Schritt meine Veränderung. Echte Reue, echte aktive Bereitschaft zur Verhaltensänderung. Sich dies alles selbst einzugestehen, ist gewiss nicht einfach. Es setzt Begegnungskompetenz und Konfliktfähigkeit, schließlich einen guten Selbstzugang voraus. Man kann auch sagen „Reife“.

„Vergebung ist Machtverzicht. Vergebung ist Wiederherstellung von Gleichrangigkeit, ohne dass in jedem Fall Gerechtigkeit wieder hergestellt wurde oder werden kann.“

Mit Demut und Wertschätzung

Hilfreich ist es sicherlich auch, in all dem einen Gesprächspartner zu haben. Wenn mir aus diesen oder anderen Gründen der betreffende Mensch weiterhin die Vergebung verweigert, dann kann ich nichts anderes tun, als dies mit echter Demut und Wertschätzung zur Kenntnis zu nehmen. Der andere Mensch hat das Recht, mir die Vergebung zu verweigern. Das habe ich zu akzeptieren und dennoch ihm gegenüber wertschätzend zu bleiben. Vielleicht ist es zu einem späteren Zeitpunkt möglich, dass Vergebung gewährt wird. Nicht rumbetteln, nicht abwerten (weder den anderen noch mich selbst), nicht in Rechtfertigung gehen, nichts dergleichen, sondern akzeptieren. Und selbstverständlich im Gebet alles Gott bringen und von ihm Vergebung erbitten und erfahren. Schließlich „dafürhalten“, dass von Gott her Vergebung stattgefunden hat, um sodann auch sich selbst zu vergeben. All dies betend, sprechend, denkend, fühlend, handelnd durchleben und gestalten. Und in diesem Bewusstsein die weitere Wegstrecke des Lebens aufrecht weitergehen.

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