Wir wollten es nicht wahrhaben

Plädoyer

Was kommt dabei heraus, wenn man einen Theologen, Philosophen und Zukunftsforscher danach fragt, ob die Menschen aus der Bibel etwas für die Zukunft lernen können? Hans-Arved Willberg schreibt es sich von der Seele.

Leben wir nicht in der Endzeit? Der Herr wird wiederkommen und die Gläubigen entrücken. Gerade erfüllt sich doch sehr deutlich, was die Bibel über das Ende dieser Welt lehrt. Man muss sie nur bibelgetreu deuten, die Zeichen der Zeit, dann weiß man Bescheid. Arme Irre, die noch hoffen, den sündenverdorbenen Globus retten zu können. Brennen wird die Welt, brennen muss die Welt. Aber der Herr wird die Gläubigen aus dem Feuer retten wie einst Noah aus den Fluten. Er wird schon dafür sorgen, dass genügend Tierarten übrigbleiben, um den Fortbestand des Systems der Natur zu sichern, wie damals auch. Und wenn nicht, dann macht er eben alles neu.

Was wir wissen konnten

Steht hier Menschenwissen gegen Bibelwissen? Bislang waren Bibelforscher noch nicht wirklich erfolgreich als Zukunftsforscher und als Deuter der Zeichen der Zeit. Gleichwohl prophezeiten und deuteten sie eifrig und können es noch immer nicht lassen. In Gestalt von Juden und Hexen zauberte der Teufel das Inferno herbei. Sie gehörten zum Fußvolk der apokalyptischen Reiter. Pest und Hungersnot waren ihr Werk. Mit ihnen preschten die Krieger des Islam voran, die „Türken“, wie man einmal sagte, reine Antichristen. Und das bedrängte Kirchenvolk verteufelte sich gegenseitig. Für Luther war der Papst so eindeutig ein Antichrist wie jene Türken. Für die katholischen Mächtigen der Gegenreformation war der Protestantismus die endzeitliche Teufelssaat. Sie zogen los, sie auszurotten, im Namen des Herrn, um dem Herrn den Weg zu bereiten. Sie ließen nicht nach, bis Europa fast verblutet war. Dreißig Jahre dauerte das gnadenlose Endzeitwüten. Es war vorhersagbar.

Viele kamen ins Grübeln und forschten in der Schrift, weil sie genau wissen wollten, wie das Endzeitprogramm ablaufen sollte nach dem Willen des Herrn. Das passte zu der Zeit, in der sie lebten: Jetzt ging alles nach der Uhr. Es musste ein genaues Datum sein. Nur wer exakt berechnen konnte, wie und wann etwas passieren würde, durfte seine Erkenntnis „Wissen“ nennen. Im Nachhinein wissen wir es besser.

Hinterher ist man immer schlauer. „Ach, wenn ich das gewusst hätte!“ Wir hätten es wissen können und wir hätten es wissen müssen. Aber wir wollten es nicht glauben. Wache, nüchterne Geister sahen schon lang voraus, was uns heute so große Not macht, dass wir kaum noch wissen, was wir dagegen tun können. Jesus stand auf dem Ölberg, von wo aus der goldene Tempel Jerusalems so glänzte wie nirgends sonst. Was für ein Anblick! Er sah ihn durch den Schleier seiner Tränen. „O Jerusalem, wenn du doch erkennen würdest, was zum Frieden dient! Aber du bist blind dafür. Ich sehe es kommen: Du wirst eingekesselt und dann werden deine Feinde dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern“. 40 Jahre danach war es soweit. Es war vorhergesagt.

Was wir daraus gemacht haben

Jesus weinte nicht nur. Wer wirklich trauert über Unrecht und selbstverschuldete Dummheit, der ist auch wirklich zornig darüber. Jesus wusste genau, wo das Unglück seinen Ursprung hatte. Er wusste es, weil die Propheten Israels es schon immer gewusst und konkret beim Namen genannt hatten und er ihnen glaubte. Er wusste es, weil er es Tag für Tag zu sehen bekam. Der dummen, dreisten Geld- und Machtgier derer, die für den Frieden zu sorgen hatten, würde das Inferno folgen. Darum wischte er sich die Tränen ab, ging hinüber in den Tempel und scheuchte heraus, die das Zentrum des Weltfriedens zur Räuberhöhle machten, weil sie nichts im Sinn hatten als Umsatzsteigerung auf jede Weise, weil sie den Gott des Friedens leugneten und dem Gott des Geldes dienten.
Wir wissen nur etwas aus der Bibel, wenn wir wissen, was die Bibel meint. Manchmal sagt sie es sehr deutlich, weil ihre Schriften es über viele Jahrhunderte hinweg immer wieder sagen, auf verschiedene Weise, in Berichten, Geschichten, Gedichten und prägnanten Sätzen. „Habgier ist eine Wurzel allen Übels“, lautet ein solcher.

„Auf das Sein zu setzen statt auf das Haben, auf das Innere statt auf das Äußere, auf die Freiheit statt auf den Besitz, auf Liebe und Vertrauen statt auf Egoismus und feindselige Abgrenzung, auf Wahrhaftigkeit statt auf alles mögliche Lügenwerk, auf Selbstvergessenheit statt auf Selbstherrlichkeit, auf Selbstbeherrschung statt auf Maßlosigkeit, dass dies alles dem Frieden dient und einer glücklichen Zukunft den Weg bereitet, ja, das wissen wir sehr genau aus der Bibel. Genauso gut wissen wir aus der Bibel, wohin das Gegenteil führt. Der Mensch erntet, was er sät.“

Wir wissen es und nüchterne, wache Geister wussten es stets. Und alle Wissenschaft, die sich auf die nüchterne Bestandsaufnahme und Analyse von Fakten beschränkt, hat solche Prognosen stets bestätigt, begründet und vertieft. Es ist beeindruckend zu lesen, was zum Beispiel Denker wie Erich Fromm gleich zu Beginn des neuen Wirtschaftswachstums nach dem zweiten Weltkrieg über das Problem und die Folgen der Konsumideologie geschrieben haben – genau das, was sie so gern verhindert hätten, ist eingetroffen. Dass der Klimawandel so verheerende Auswirkungen hat, weil der Mensch um des Mammons willen die Natur hemmungslos vergewaltigt und ausbeutet, und dass es bald zum Ende der Bewältigungskapazitäten unserer Erde kommen wird, hat bereits 1972, also vor bald 50 Jahren, der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ von wissenschaftlichen Experten aus 30 Ländern vorhergesagt. Wir wussten es, aber wir glaubten es nicht.

Hauptsache, die Aktien stimmen

Es gibt ein Wissen, das wir wissen können, wenn wir nur wollen. Die Bibel spricht von diesem Wissen und redet uns ins Gewissen damit. Diesem Wissen zu glauben, ist Weisheit. Die Bibel redet auch vom Vorherwissen Gottes. „Vorsehung“ hat man dazu gesagt. Wir können wissen, wenn wir nur wollen, was Gott für uns vorgesehen hat: dass wir uns vorsehen. Vorsicht ist das Gegenteil von Leichtsinn, Übermut, Gier und eigensinniger Rechthaberei. „Safety first“ muss das Motto jedes Flugzeugbauers und jeder Fluggesellschaft sein. Sogar diese Grenze hat der Umsatzsteigerungswahn nun schon überschritten, wie die Abstürze der beiden nagelneuen Boeing 737 neulich zeigen. Man wollte sich einfach nicht auf Kosten der Rendite die nötige Sorgfalt beim Bau der Maschinen gönnen. Die Pharmakonzerne haben trotz großer Versprechen die Antibiotikaforschung eingestellt, weil sie die Umsatzsteigerung bremst. Es kann sein, dass ein paar Millionen Menschen dafür ihr Leben lassen, aber es wird schon schiefgehen. Es kann sogar sein, dass sich resistente Viren bilden, die uns allen den Garaus machen. Aber Hauptsache, die Aktien stimmen.

Genau: Es geht um Vorsicht für den ganzen Globus. Safety first! Gottes Vorsehung für die Erde ist unsere Vorsicht im Umgang mit der Erde. Alles andere ist verantwortungslos, auch wenn die Argumente biblisch klingen. Das ist kein Bibelwissen, das ist religiöser Wahn. Wir sehen uns vor, wenn wir uns an das erinnern, was wir wissen können, wenn wir nur wollen, und wenn wir das, was uns die Wissenschaft an Daten und vorsichtigen Deutungen liefert, ernst nehmen. Wir wissen genug über die Zukunft und für die Zukunft, sofern wir dem glauben, was wir wissen können, wenn wir nur wollen.

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