Gleiches Recht für alle

Standpunkt

Warum dürfen Muslime in Deutschland Moscheen bauen, wenn Christen solche Schwierigkeiten haben in islamischen Ländern Kirchen zu bauen? In Saudi-Arabien dürfen gar keine Kirchen gebaut werden! Warum erlauben wir, Moscheebauten zu finanzieren und ihre Ideologie hier zu verbreiten? So oder ähnlich fragen oft Christen in Deutschland. Dr. Paul Murdoch erklärt die Zusammenhänge.

Es scheint eine zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit zu sein. Manche Christen sehen sich dadurch veranlasst, Petitionen gegen den Moscheebau zu unterschreiben oder auch dagegen zu protestieren. Aber Religionsfreiheit ist ein zutiefst christliches Gut und die Antwort auf oben gestellte Fragen ist eine ganz einfache: weil eine christlich geprägte Kultur anders ist! Unser Wertekanon, auch unsere Gesetzgebung, sind vom Geist des christlichen Glaubens durchdrungen und geprägt. 

Religionsfreiheit ist biblisch begründet

Es fängt schon in der Schöpfungsgeschichte an: die ersten Menschen haben die Wahl, auf Gott zu hören oder nicht. Später ruft Josua nach der Landnahme das Volk zusammen und stellte es vor die Wahl, ob es dem Gott Israels oder den Götzen dienen wollen. Für sich hält Josua fest: „Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen!“ Das Volk Israel sollte sich aus freien Stücken für seinen Gott entscheiden. Auch Jesus hat zur Nachfolge eingeladen. Er hat niemanden gezwungen, ihm und seinem Wort und Willen zu folgen. Leider hat sich die institutionalisierte Kirche nicht immer an diesem Prinzip orientiert. Und dennoch: überall, wo das Wort der Bibel gehört und ernst genommen wurde, sprach es das Gewissen an! Die Tatsache bleibt: Nur in einem vom christlichen Glauben geprägten Kulturraum gibt es den Gedanken der Religionsfreiheit, der Gewissensfreiheit und der Meinungsfreiheit!

Überall auf der Welt, wo die christlichen Grundwerte nicht zum Tragen kommen, gibt es Probleme mit der Gerechtigkeit. Machtmissbrauch, Korruption, Vetternwirtschaft usw. legen eine Gesellschaft lahm. Auch bei uns in Deutschland gibt es diese Probleme, weil der Säkularismus die christlichen Werte immer mehr verdrängt. Dieselaffäre, Deutsche Bank, Siemens ... Wo christliche Überzeugungen nicht mehr den gesellschaftlichen Ton bestimmen, ecken Christen mit ihren Überzeugungen und Ansprüchen an. Schon Jesus hat gesagt: „Sie werden euch hassen!“ Aber er sagt auch: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden!“ 

Gerade dort, wo es Gerechtigkeit nicht gibt, werden Christen von den Herrschenden als Gefahr wahrgenommen. Das liegt daran, dass Christen sich einer höheren Autorität verpflichtet wissen. Es ist ihre Überzeugung, dass man „Gott mehr als den Menschen gehorchen muss“. Despoten merken, dass sie keine Macht haben über diese Menschen. Sie fürchten sich davor, dass Christen einen Einfluss in der Gesellschaft haben könnten, der sie in ihrem Machtanspruch einschränkt. Deswegen werden Christen überall auf der Welt von Autokraten und Despoten verfolgt. Das Ganze hat aber auch eine andere Seite: Länder und Regionen, in denen keine Glaubensfreiheit gewährt wird, können sich nicht frei entfalten. Menschen haben dort nicht in gleichem Maße am Fortschritt teil wie in Gesellschaften, die freiheitlich geprägt sind. Geistes- und entwicklungsgeschichtlich gesehen ist dies das Geheimnis hinter dem Unterschied zwischen dem christlich geprägten Westen und dem Rest der Welt.

Religionsfreiheit ist unteilbar

Christlich begründete Religionsfreiheit gilt für alle. In der Bibel ist immer das Individuum als Geschöpf Gottes angesprochen. Beim Glauben geht es um die Beziehung zwischen der einzelnen Person und Gott. In diesem Sinne hat sich das Konzept der Religionsfreiheit als persönliches Recht in unserer Gesellschaft entwickelt. Religionsfreiheit gibt es nur für die Person, weil nur die Person eine Beziehung zu Gott pflegt. Verbände, Zusammenschlüsse und Institutionen sind notwendig und haben ihre Berechtigung. Sie sind aber nicht Gegenstand der Religionsfreiheit. Wenn eine Kirche oder eine Moschee willkürlich von der Obrigkeit geschlossen wird, dann ist das ein Unrecht.  Es tangiert die Glaubens- und Versammlungsfreiheit der einzelnen Gläubigen. Das Recht auf Religionsfreiheit kann von einer Behörde oder einer Institution nur für deren Angehörige oder Glieder eingefordert werden. Wenn islamische Länder vor der UNO oder Moscheevereine in Deutschland über Islamophobie klagen und Gesetze zum Schutz des Islam fordern, dann ist das nicht Gegenstand der Religionsfreiheit. Vielmehr garantiert die Religionsfreiheit auch das Recht, Kritik am Islam oder jeder anderen Religion oder Ideologie zu üben.

„Despoten fürchten sich davor, dass Christen einen Einfluss in der Gesellschaft haben könnten, der sie in ihrem Machtanspruch einschränkt. Deswegen werden Christen überall auf der Welt verfolgt.“

Die Religionsfreiheit darf nicht missbraucht werden! Gerade der moderne, radikale Islam sucht „Schutz“ unter dem Prinzip der Religionsfreiheit. Wo eine Religion oder eine Ideologie nicht mehr Ausdruck der persönlichen Gottesbeziehung oder des persönlichen Glaubens, sondern ein politisch-gesellschaftlicher Entwurf ist, der die Freiheiten anderer einschränkt, hat das mit 
Religionsfreiheit nichts mehr zu tun. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Schweizer Moscheeregelung. Das Schweizer Modell hat Ruhe einkehren lassen. Ein Volksentscheid hat dazu geführt, dass der Bau von Minaretten in der Schweiz untersagt wird. Ist das ein Verstoß gegen die Religionsfreiheit? Keineswegs! Muslime dürfen weiterhin Versammlungsräume erwerben, bauen und für ihre religiösen Bedürfnisse benutzen. Allein der Bau mit Minarett wird untersagt. Interessanterweise ist dadurch eine große Ruhe in der vorher angeheizten Lage in der Schweiz eingekehrt. Warum? Weil die Muslime das Minarett als Kennzeichen für islamisches Gebiet deuten, was zur Folge hat, dass sie gehalten sind die Scharia zu implementieren. Eine uralte Tradition in der Geschichte des Islams wurde hier neu entdeckt. Im indischen Subkontinent, wo Muslime teilweise als Minderheit unter Hindus leben, gibt es sehr viele moscheeähnliche Bauten – auch riesengroße – die kein Minarett haben und deswegen „Ort des Gebetes“ genannt werden. Nach islamischem Recht darf nämlich keine Moschee mit Minarett in einem Gebiet stehen, das nicht von einem muslimischen Herrscher regiert wird. Die Muslime in der Schweiz haben begriffen, dass es nach ihrem eigenen Recht vollkommen folgerichtig ist, als Minderheit in einer nicht islamisch dominierten Gesellschaft zu leben und auf Minarette zu verzichten. Das bedeutet einen Sieg für die Religionsfreiheit!

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