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Gott war noch nicht fertig mit mir

Reportage

Wie geht es Menschen, die sich dem Evangelium öffnen, deren Umfeld das aber völlig ablehnt und sogar mit Gewalt reagiert? Welchen Stellenwert hat innerer Frieden, wenn der äußere auf beängstigende Weise bedroht ist? Wenn der Glaube an Jesus plötzlich über Leben und Tod entscheiden kann? Ein Bericht aus der Wirklichkeit.

„Du bist ein Kafir (ein Ungläubiger)! Du wirst sterben!“ Ahmed* schleuderte Mohammed* die Worte entgegen, als dieser zur Tür hereinkam. Dass sein Freund den Glauben seiner Väter verlassen hatte, war für ihn eine schändliche Entscheidung, für die Mohammed den Tod verdient hatte. 

Fünf Monate lang hatte Ahmed Mohammed heimlich beobachtet. Dieser hatte ihn bei sich aufgenommen, als er seine Arbeit verloren hatte und daraufhin seine Miete nicht mehr bezahlen konnte. Aber trotz Mohammeds Freundlichkeit war Ahmed argwöhnisch. Irgendetwas war anders, irgendetwas stimmte da nicht. Besonders interessierte ihn, was Mohammed jeden Tag über Kopfhörer anhörte. Doch als er ihn danach fragte, bekam er nur eine ausweichende, nichtssagende Antwort. Also durchsuchte er eines Tages, als Mohammed gerade nicht zu Hause war, dessen persönliche Sachen. Als er eine Audiobibel und andere christliche Hörbücher fand, war er schockiert: Sein Freund Mohammed war ein Anhänger von Isa al Masih (= Jesus) geworden!

Schwere Verluste

Mohammed wuchs in der Nähe der somalischen Hauptstadt Mogadischu auf. Kurz bevor er elf Jahre alt wurde, brach der Krieg aus. Als seine Mutter im Kreuzfeuer starb, beschloss Mohammeds Vater, seinen Sohn zu Verwandten in einem anderen Land am Horn von Afrika zu schicken. Dort wurde er jedoch sehr schlecht behandelt, so dass er nach einigen Jahren schließlich davonlief. Zu Fuß und per Anhalter machte er sich auf den Weg zurück nach Hause. Als er nach knapp einer Woche dort ankam, musste er erfahren, dass inzwischen alle seine Geschwister getötet worden waren – entweder durch verirrte Geschosse oder durch Bombenexplosionen. „Sie waren alle tot. Nur mein Vater war übrig geblieben … Und niemand hatte mir davon erzählt.“

Kontakt mit Christen

Die folgende Zeit nutzte Mohammed, um einen Beruf zu erlernen. Als der Krieg immer heftiger tobte, bat sein Vater ihn eindringlich, das Land erneut zu verlassen. Mohammed landete in verschiedenen Flüchtlingslagern und zog in den Dörfern umher auf der Suche nach Arbeit, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen. An einem Ort fand er eine Beschäftigung bei Christen und lernte ihren Glauben kennen. Er fühlte sich sehr wohl dort; ihm gefielen die christliche Musik und die Art, wie diese Menschen lebten. Einmal kam er sogar mit zur Kirche und blieb während des ganzen Gottesdienstes. Die Gemeinschaft der Christen strahlte einen Frieden aus, der ihn beeindruckte. Doch als ihm andere Somalier – überzeugte Muslime – daraufhin vorwarfen, zu freundlich mit Nichtmuslimen umzugehen, brach er den Kontakt mit den Christen ab und zog an einen anderen Ort.

Innerer Frieden

Mohammed berichtet, was weiter geschah: „Meine neue Arbeitsstelle brachte nicht viel Geld ein, aber ich hatte wenigstens ein geregeltes Einkommen. Ich lernte eine junge Somalierin kennen, der ich einen Heiratsantrag machte. Nach einer kleinen Hochzeit begannen wir unser gemeinsames Leben. Aber Gott war noch nicht fertig mit mir.“ Bald freundete er sich mit einem somalischen Christen an, der ihm mehr von seinem Glauben erzählte. Das war äußerst riskant, aber nachdem sie lange miteinander gesprochen hatten, entschied sich Mohammed für ein Leben mit Jesus Christus. „Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich inneren Frieden“, sagt er rückblickend.

Unübersehbare Veränderung

Sein neuer Freund besorgte ihm eine Hörbibel und Zugang zu anderen christlichen Materialien. Diese halfen ihm, die Botschaft der Bibel besser zu verstehen, Jesus näher kennenzulernen und in seinem Glauben zu wachsen. Mohammed begann, sich zu verändern – eine Tatsache, die auch den Menschen in seiner Umgebung nicht verborgen blieb. „Ich hielt meinen Glauben vor meiner Frau geheim, aber bald begann sie, mich zu fragen, warum ich ‚anders‘ war. Sie konnte nicht erklären, in welcher Weise ich mich verändert hatte, sie wusste nur, dass ich nicht mehr derselbe war.“ Da Mohammed die Moschee nicht mehr besuchte, machte seine Frau ihm Vorwürfe. Schließlich wurden die Auseinandersetzungen so schlimm, dass sie wieder zu ihren Eltern zog und ihre beiden gemeinsamen Kinder mitnahm. Zudem verlor Mohammed seine Arbeit, als auch sein Arbeitgeber Veränderungen bei ihm feststellte.

Unerwarteter Angriff

Nachdem Mohammed eine neue Anstellung gefunden hatte, beruhigte sich die Lage zunächst etwas – bis Ahmed bei ihm einzog und seinen Glauben an Jesus entdeckte. Mohammed bat seinen erbosten Freund, das Haus zu verlassen, doch Ahmed weigerte sich und bedrohte ihn weiterhin. Drei Tage später griff Ahmed Mohammed mit einer Art Buschmesser an. „Ich sah nichts, ich fühlte nur plötzlich einen stechenden Schmerz in meinem Kopf und wie das Blut meinen Nacken hinunterlief“, erzählt Mohammed. Er versuchte, Ahmed die Waffe zu entwenden. Als ihm Nachbarn zu Hilfe eilten, ergriff Ahmed die Flucht und Mohammed wurde ins Krankenhaus gebracht. „Ahmed war mein Freund, jemand, den ich schon seit langem kannte. Ich nahm ihn bei mir auf, als er sonst nirgends unterkommen konnte, und das habe ich dafür bekommen. Es ist sehr schmerzlich.“ 

Tiefe Erschöpfung

Die Nachricht, dass Mohammed Christ geworden war, verbreitete sich wie ein Lauffeuer unter der eng vernetzten Gemeinschaft der in dieser Region lebenden Somalier. Die örtliche Polizei versprach zwar, den Fall zu untersuchen, die Drohungen gegen Mohammed hörten jedoch nicht auf. Als eins unserer Teams ihn besuchte, war ihm anzusehen, wie stark ihn die ganze Situation belastete und unter welcher Spannung er stand. Er sah abgemagert aus und seine Augen schwirrten ständig umher, immer in Alarmbereitschaft, falls sich jemand mit bösen Absichten nähern sollte. „Ich bin so müde“, sagte er.

Festhalten an Jesus

Doch trotz aller Schwierigkeiten hat Mohammed seinen Glauben an Jesus nicht aufgegeben. „Bei Jesus ist der einzige Ort, an dem ich jemals inneren Frieden hatte. Trotz all der Kämpfe und obwohl ich nicht weiß, wohin ich auf dieser Welt gehöre. Trotz der Ausgrenzung und Verfolgung habe ich Frieden gefunden. Deshalb halte ich an Jesus fest. Zum Islam zurückzukehren, ist keine Option.“

 

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