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Feiertage - Wenn man nicht mehr weiß, was sie bedeuten

Ratgeber

Ein Jahr gegen das Vergessen. So traten wir an, um kirchlichen Feiertagen ihren Sinn wiederzugeben. Oder um daran zu erinnern, welchen Sinn, welche Bedeutung sie nie aufgegeben haben. Wir haben vieles nur vergessen, verdrängt oder anders gefüllt. Hans-Georg Wünch schließt hier den Kreis des Kirchenjahres und damit diese Serie von Erklärungen und Erinnerungen ab.

Advent

Man stelle sich vor: Maria ist ein 14- oder 15-jähriges Mädchen, in deren Leben ganz plötzlich Gott tritt, und zwar in Gestalt eines Engels. Und als ob das nicht schon genug wäre, verkündet dieser Engel ihr, dass sie schwanger werden und den Sohn Gottes zur Welt bringen wird. Maria ist nicht dumm. Sie weiß, dass Kinder normalerweise nicht geboren werden, ohne dass ein Mann beteiligt ist. Und das weiß sie ganz sicher: Sie ist noch Jungfrau. Also fragt sie nach: „Wie soll das zugehen, da ich doch von keinem Mann weiß?“ Der Engel antwortet: „Bei Gott ist kein Ding unmöglich!“ Das Kirchenjahr beginnt mit den vier Adventssonntagen, die uns erinnern wollen. Die Zeit des Wartens auf Weihnachten lässt uns immer wieder an die hoffnungsvolle Erwartung denken, mit der Israel auf den Messias wartete. Zum anderen ist sie eine Zeit der Ausrichtung auf das Wiederkommen von Jesus. Advent bedeutet übersetzt „er kommt!“ Damals, vor etwas über 2000 Jahren, wurde dieses Kommen angekündigt durch den Engel Gabriel, der mit seiner Botschaft bei Maria auftauchte. Heute kündigen im übertragenen Sinne vier Sonntage dieses Kommen an und laden uns zur Besinnung darauf ein, dass der Retter auch in unseren Alltag treten will.

Weihnachten

Mit dem Kind, das in einem Stall zur Welt kam und den Futtertrog der Tiere als sein Bettchen nutzte, erfüllt sich die Ankündigung des Engels Gabriel. Wenn auch wenig spektakulär. Ein Kind eben. Wie Tausende andere auch. Dass Gott mit diesem unscheinbaren Anfang etwas Weltveränderndes begann, zeigt sich erst später. Und es zeigt sich in diesen drei Punkten: Gott protestiert gegen die Herrschaft der Mächtigen. Das Wort Protest leitet sich ab vom lateinischen protestor, was so viel bedeutet wie „öffentlich bezeugen“. Da tritt jemand auf und setzt mit Worten und Taten den gerade herrschenden Personen oder Ansichten etwas entgegen, bezeugt, dass er anderer Meinung ist. In diesem Sinne muss das Bekenntnis Gottes verstanden werden, der sich ganz klein macht und Mensch wird. Gott tut das, um den Menschen nahe zu kommen. Und er protestiert gegen das Leid in der Welt. Er tut dies, indem er einer Welt voller Leid und Not seine Liebe und Barmherzigkeit entgegensetzt. Er tut dies nicht von oben herab, als König oder Herrscher, sondern er tut das auf ganz ungewöhnliche Weise: Als Kind in einer Futterkrippe tritt er an, die Welt zu verändern. Damit protestiert er dann letztendlich auch gegen die Sünde. Er geht an die Wurzel von allem, was das Miteinander von Menschen und das Leben in dieser Welt so schwierig und leidvoll macht: Die Tatsache, dass der Mensch sein Leben ohne Gott führt. Hier setzt Gott an. Sein Sohn lebt in dieser Welt und demonstriert die Liebe und Barmherzigkeit Gottes, leidet unter den Machtstrukturen der Welt und stirbt schließlich am Kreuz, obwohl er nichts Falsches tat. Dieses Sterben war Gottes Angebot, die Schuld der Menschen zu tilgen. Auszulöschen. Zu vergeben. Damit ist Weihnachten der Beginn eines großen Gegenprogramms, ein himmlischer Protest gegen das, was in der Welt gespielt wird.

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