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Ein Tag im November

Leitartikel

Worum geht es, wenn Menschen von Frieden reden? Was meinen sie in der Tiefe? Und was sind sie in der Lage, dafür zu investieren? Was sind sie bereit, dafür zu investieren? Wie ist Frieden als Gegensatz von Lieblosigkeit, Ignoranz und Verachtung zu erlangen, zu erhalten und zu sichern? Detlef Eigenbrodt wagt die Annäherung an ein sehr komplexes Thema.

Wir müssen reden. Wirklich. In aller Ruhe und Gelassenheit. Und zwar über die Unruhe. Den Streit. Das sich nicht einig sein. Das wilde Ringen und Kämpfen. Manipulieren. Über das, was uns aus der Haut fahren lässt, was uns wie Blei oder Beton im Magen liegt. Darüber, was uns den Schlaf raubt und die gute Laune, die Herzlichkeit, das Lachen und die Zuversicht: Die Friedenskiller, die Störer, Zerstörer und Vernichter. Die können wir nämlich aus dem Weg räumen, wenn wir sie erst einmal in den Blick genommen haben. Beginnen wir im Alltag.

Ein Abend im Hotel

Ich sitze an meinem kleinen Tisch, hinter mir die Wand, links von mir ein kleiner Raumteiler, der mich von dem sympathischen Paar am Nebentisch trennt. Aber sie lächeln trotzdem immer mal wieder um die Ecke. Vor mir ein weißes Tischtuch, gut gestärkt und sauber aufgelegt, eine weiße Serviette aus Stoff. Ich liebe es. Getrübt wird Abend allerdings, wenn auch zuerst nur ein wenig, von dem etwas älteren Ehepaar zwei Tische weiter rechts von mir. Sie sitzen sich am Fenster gegenüber und besprechen sehr angeregt offenbar eine Familienangelegenheit. Ich bekomme nur Wortfetzen mit. Was ich aber davon aufschnappe, klingt nicht harmonisch. Da geht es um die Schwester des zwei Tische weiter sitzenden Mannes, die offenbar mit der ebenfalls dort sitzenden Frau nicht zurechtkommt. Oder umgekehrt. Der Disput wird immer mal wieder etwas heftiger und lauter, dann zischen sie sich an: „Nicht so laut …“. Aber zu spät. Ich bin längst nicht mehr auf mein Essen konzentriert, sondern im Alltag dieses Paares gelandet. Unfreiwillig, wie ich sagen möchte, und es gibt so gut wie kein Entkommen. Es sei denn, ich stehe einfach auf und gehe. Tu ich aber nicht. Ich habe nämlich noch nicht gegessen. Da sagt sie gerade zu ihm: „Das Eine will ich dir mal sagen! Ich lasse mich von dir doch nicht unterbuttern, das kannst du dir aber schön merken!“ Ihn scheint das nicht weiter zu stören, vielleicht ist er daran gewöhnt, vielleicht weiß er es richtig einzuordnen, jedenfalls zahlt er verbal nicht zurück. Es wird einen Moment etwas ruhiger, dann nimmt das Gespräch wieder an Fahrt auf, wird wieder lauter. Ach, was ich an diesem Abend nicht alles über die beiden und ihre Familie höre, hören muss. Friedlich geht’s da nicht gerade zu. Und so speichere ich die Herrschaften vom Nebentisch, die sich dann doch noch von mir, und das sogar ausgesprochen freundlich, verabschieden, so dass ich zumindest mein Dessert noch in Ruhe genießen kann, als Menschen ab, die sich nur zanken und im Streit leben. Ich soll mich irren. Wenig später bemerke ich in der Hotelhalle, wie sie sehr einträchtig miteinander am Tisch sitzen und Karten spielen. Spannend wird es nur ganz kurz, als die Frau eine Runde gewinnt und den Sieg auskostet und jubelt. Er scheint ihn ihr zu gönnen und macht davon kein weiteres Aufheben.

„Das Eine will ich dir mal sagen! Ich lasse mich von dir doch nicht unterbuttern, das kannst du dir aber schön merken!“

Nachdenklich ziehe ich mich zurück und stelle fest, dass mein erster Eindruck nicht stimmte. Jedenfalls war er nicht umfassend. Ja, die haben gestritten. Ja, da war Unruhe, Unfriede, aber eben nicht nur. Offenbar hatten sie gelernt, mit diesen Dingen umzugehen und zurechtzukommen. Eine Fähigkeit, die viele Menschen so leider nicht haben. Die streiten sich, zerstreiten sich, und dann folgt nur noch die Trennung. Das gilt für Paare ebenso wie für Kollegen, Nachbarn und Freunde. Wo immer Menschen miteinander zu tun haben, lauert die Unterschiedlichkeit wie ein drohendes Fallbeil, um der guten Beziehung ein- für allemal den Garaus zu machen.

Ein Ausflug im Schwarzwald

Szenenwechsel. In Bad Wildbad, einem verträumten kleinen Ort im nördlichen Schwarzwald, mache ich mich auf den Weg, den Sommerberg zu besteigen. Na gut, so eine richtige Besteigung war das nicht, es waren nur rund 200 Höhenmeter, die ich da zu überwinden hatte. Aber ich fand’s klasse. Toller Weg mitten durch den Wald bei tollem Wetter mit tollem Ziel: Der Baumwipfelpfad ganz oben. Und anschließend eine gemütliche Vesper in der bewirteten Skihütte. Ja, die hatte auch im Herbst schon geöffnet. Da sitze ich also in der Mittagssonne und will mich freuen, bis sich mir die Unterhaltung am Nebentisch aufzudrängen beginnt. Es ist nur wenige Tage nach der Bundestagswahl, und die drei älteren Paare sind allesamt der Meinung, dass Frau Merkel so ziemlich alles falsch gemacht hat. Auf jeden Fall in der Flüchtlingspolitik hat sie völlig versagt. Dann werden Argumente ausgetauscht, die man hier und da schon gehört hat, ein Bezug zur Kirche wird geschaffen, zu der offensichtlich alle sechs gehören oder zumindest gehen, und ich frage mich langsam, ob mir meine Suppe nicht anderswo eventuell besser geschmeckt hätte. Ich bin ein bisschen angenervt über das laute Gemaule am Nebentisch. Zugegeben, ich würde gerne am Gespräch teilnehmen und mitdiskutieren. Aber keiner hat mich eingeladen oder nach meiner Meinung gefragt, also halte ich brav meine Klappe und löffle fein weiter meine Suppe. Bis ein Satz fällt, der sich mir ins Gedächtnis einprägt: „Aber das darf man ja heute nicht laut sagen, dann ist man ja gleich ein Nazi.“ Sofort kommt mir ein Gespräch in den Sinn, das ich vor einiger Zeit mit jemandem führte, der meinte, dass die besorgten Stimmen im Land nicht gehört, nicht wahrgenommen würden. Warum muss ich  gerade jetzt dran denken? Vielleicht, weil diese sechs Menschen am Nebentisch alles andere als braun aussehen und sie insgesamt nicht so recht in das Bild passen wollen, das die Gesellschaft von den rechten Kräften hat. Woher auch immer man solch ein Bild hat. Mir geht die Frage nach: Was darf man denn eigentlich sagen, ohne Schaden an Ansehen und Person zu erleiden? Kann es sein, dass die einen zu schnell verurteilt werden, weil sie sich kritisch äußern, und die anderen sich gar nicht mehr äußern, aber kritisch bleiben? Plötzlich will ich gar nicht mehr am Gespräch teilnehmen, sondern nehme meine gedanklichen Hausaufgaben mit auf die Wanderung zurück ins Tal: Wenn eine wachsende Unzufriedenheit mit politischer Führung und politischen Führern keinen Raum findet, sich in Ruhe und Gelassenheit zu artikulieren und wenn auf diesem Niveau aus Unzufriedenheit zunächst innerer, und dann auch äußerer Unfrieden wird, wer könnte, ja, wer müsste dann etwas dagegen unternehmen? Ich weiß schon. Die Frage ist leichter gestellt als beantwortet. Aber ich komme kaum umhin zu meinen, dass die Regierenden hier in der Verantwortung stehen. Und ich vermute, sie haben diese Verantwortung nicht ernsthaft genug ausgeübt. Und dadurch auch dazu beigetragen, dass der innere Frieden in Gefahr geraten ist.

Ein Blick über den Gartenzaun

Noch ein Szenenwechsel. Es ist schon eine Weile her, dass wir Post vom Anwalt einer Nachbarin unterhalb unseres Hauses bekamen. Insgesamt war die Dame unzufrieden, wie wir unseren Garten pflegten und meinte, unsere Versäumnisse trügen dazu bei, dass ihr eigener Garten verkomme. Insbesondere, so teilte uns der Anwalt deutlich mit, sei der Rasenmäher unserer Nachbarin durch vermeintlich von unserem Haselnussbaum gefallene Nüsse nun zerstört, und wir könnten dankbar sein, dass sie keinen Schadensersatz fordere. Mein erster Impuls, als ich diesen Brief las? Ach lassen wir das, das führt zu nichts. Ich erinnerte mich daran, wie die Dame das Thema schon vorher einmal angesprochen hatte: indem sie meinen rasenmähenden Sohn über den Zaun hinweg zur Schnecke machte und ihn anschrie. Er solle das gefälligst seinen Eltern sagen, und die sollten gefälligst etwas unternehmen. Und zwar ein bisschen plötzlich. Wie mein guter Sohn reagierte? Er steckte sich die Ohrstöpsel seines Smartphones wieder in die Gehörgänge und mähte weiter. Ich ärgerte mich, als ich von dieser Begegnung hörte. Ich ärgerte mich auch, als mir eine andere Nachbarin erzählte, die Frau aus dem Haus unter uns hätte vor meiner Haustür gestanden, den Namen von der Klingel abgeschrieben und sei wieder gegangen. Ich fragte mich, ob und wann es je eine ruhige und neutrale Begegnung miteinander gegeben hatte. Irgendetwas, auf das man hätte bauen können. Irgendetwas, das nicht von vornherein auf Krawall gebürstet war. Mir fiel nichts ein. Heute weiß ich, dass diese Dame nicht nur mit mir, sondern auch mit zwei weiteren Nachbarn und den Mietern in ihrem Haus am liebsten über den Anwalt kommuniziert. Was ich sehr bedauerlich finde. Was mich aber auch zu dem Schluss führt, dass man nicht immer Frieden haben kann. Wenn sich einer nämlich verschließt und meint, die anderen seien zuständig, dann wird das so nicht gehen. Nicht bei Nachbarn, nicht in Familien, nicht in Betrieben oder Gemeinden. 

Dabei brauchen wir so dringend ein friedvolles Miteinander. Brauchen das Gespräch, das aufeinander Achten, das Zuhören, Hinschauen, Wahrnehmen. Sie merken schon, ich definiere Frieden hier nicht zuerst als Abwesenheit von Krieg in politischer Dimension. Es wäre so einfach, würden wir uns hinter dieser Fassade verstecken können. Dann müssten wir uns nicht einbeziehen in die dringliche Frage, wie Frieden zu schaffen und zu erhalten ist.

In diesem Zusammenhang fällt mir das alte Wort „Einfriedung“ ein. Wikipedia meint: „Einfriedung (veraltet auch Einfriedigung) ist eine Anlage an oder auf einer Grundstücksgrenze, die dazu bestimmt ist, ein Grundstück ganz oder teilweise zu umschließen und nach außen abzuschirmen, um unbefugtes Betreten oder Verlassen oder sonstige störende Einwirkungen abzuwehren.“ Eine Mauer, ein Zaun, eine Hecke, die Frieden schaffen sollen. Meine Anwalt-affine Nachbarin jedenfalls hätte ich mir so nur mittelbar vom Hals halten können. Das klingt nicht nach freiwilligem, herzlichen Frieden, den man gerne und aus Überzeugung schließt, das klingt eher erzwungen, aufgedrückt, verordnet. Fast wie eine Friedensmission. Ein Begriff, den wir aus der internationalen Politik und dem Einsatz von Blauhelmtruppen der Vereinten Nationen kennen. Bleibt die Frage, ob man Frieden mit Gewalt herstellen und sichern kann. Sowohl, was die befriedende Mauer um das eigene Grundstück als auch den Einsatz von militärischen Mitteln, zum Beispiel in Mali, betrifft.

Ein Einsatz für den Frieden

Als UN-Friedenstruppen werden militärische Einheiten bezeichnet, die von den Mitgliedsländern der Vereinten Nationen für Friedenssicherungseinsätze bereitgestellt werden und unter dem Kommando der UN stehen. Seit 1948 sind sie in den verschiedenen Konfliktregionen in aller Welt im Einsatz. Für ihr Engagement zur Sicherung des Weltfriedens erhielten die UN-Blauhelme 1988 den Friedensnobelpreis. Eine Friedensmission der Vereinten Nationen findet immer nur mit Zustimmung der Regierung des Gastgeberlandes statt, in dem ihre Einheiten tätig werden, oder aber mit allen dort bestehenden Konfliktparteien. Diese Regelung soll verhindern, dass die Blauhelme zwischen die Fronten geraten und Teil des Konflikts werden. Ihre Truppen haben niemals einen Kampfauftrag, sind aber bewaffnet und zumindest in gewissem Umfang berechtigt, von ihrer Waffe Gebrauch zu machen. So sind sie ermächtigt, grundsätzlich sich selbst und teilweise auch ihre Stellung zu verteidigen sowie ihre Bewegungsfreiheit zu gewährleisten. Zu den Instrumenten einer Friedensmission zählen die Einsetzung von Untersuchungskommissionen, Vermittlungen zwischen Konfliktparteien, Anrufung des internationalen Gerichtshofs in Den Haag, soweit sich diesem beide Streitparteien unterworfen haben, die Bildung von UN-kontrollierten Pufferzonen und die Entsendung von Wahlbeobachtern. Soweit zur Idee dahinter. Die Realität lässt annehmen, dass es aber nicht ganz so einfach ist, den Frieden in Kriegsgebieten allein durch die Präsenz dieser Truppen zu schaffen oder zu gewährleisten. Immer wieder lesen wir Meldungen wie diese im späten August auf spiegel.de: Bei Angriffen auf zwei UNO-Stützpunkte in Mali sind mehrere Menschen getötet worden. Bewaffnete hätten die Lager der Vereinten Nationen in Douentza und Timbuktu überfallen, teilte die Uno-Truppe Minusma mit.

Am Montagabend überfielen unbekannte Angreifer demnach ein UNO-Lager in Timbuktu. Bei dem Angriff und der anschließenden Verfolgung der Angreifer starben insgesamt 15 Menschen, unter ihnen fünf malische Wachtposten, ein Polizist und ein Zivilist. Bei der Verfolgung der Angreifer seien Hubschrauber eingesetzt worden. Dabei wurden den Angaben zufolge sechs Angreifer getötet. Sieben Personen seien verletzt worden, unter ihnen auch mehrere UNO-Soldaten. Schon am frühen Montagmorgen waren vier Menschen bei einem Überfall auf einen UNO-Stützpunkt in Douentza ums Leben gekommen. Minusma-Befehlshaber Mahamat Saleh Annadif nannte die Angriffe "abscheuliche Verbrechen". Auch UNO-Generalsekretär António Guterres verurteilte die Attacken und betonte in einer am Abend in New York verbreiteten Erklärung, dass Angriffe auf UNO-Friedenstruppen nach internationalem Recht als Kriegsverbrechen gelten könnten. In Mali kommt es immer wieder zu Attacken auf Blauhelme. Die Terrororganisation al-Qaida im Islamischen Maghreb (AQMI) und andere extremistische Gruppen sind vor allem im Norden Malis aktiv. Der Blauhelm-Einsatz in Mali zählt zu den gefährlichsten UNO-Missionen weltweit. Mehr als 15.000 UNO-Soldaten und Polizisten bemühen sich um eine Stabilisierung des Landes, darunter 875 Bundeswehrsoldaten. Diese sind in der nordöstlichen Stadt Gao stationiert.    

Da sind also alle juristischen und politischen Voraussetzungen für einen Einsatz erfüllt, offensichtlich, sonst – so haben wir gelernt – sollten die Blauhelme gar nicht im Einsatz sein. Aber scheinbar halten sich die einzelnen Parteien des Konflikts nicht an ihre Zusagen. Was weitere Menschenleben kostet. Auf allen Seiten. Unter Umständen muss man sagen, dass diese Einsätze für den Weltfrieden eine wirklich gute Bemühung sind, am Ende aber keinen Frieden bringen, sondern maximal die Abwesenheit von Krieg. Und die ist ja leider selten genug und wäre für viele Regionen schon ein echter Segen. Vermutlich kann Frieden nur durch Einsicht, Erkenntnis und Umkehr im Denken und Handeln entstehen. Nicht aber dadurch, dass einer sagt, der Streit müsse ein Ende haben und er werde darüber wachen, notfalls mit Gewalt.

Nehmen wir ein Bild, das uns allen näher ist. Tatort Schulhof, in irgendeiner x-beliebigen Stadt. Egal, ob Groß- oder Kleinstadt. Eine junge Frau demütigt eine andere, mit kalter Gelassenheit und abgrundtiefer Verachtung. Zerrt Dinge in die Öffentlichkeit, die da weder hingehören noch zwingend wahr sind. Es ist auch nicht ihr Ziel, die Wahrheit zu sagen, sie will weh tun, verletzen, klein machen und quälen. Dafür braucht man keine Wahrheit, dafür muss man nur ein hartes Herz haben. Vorausgegangen waren Bloßstellungen und böse Verleumdungen auf sozialen Netzwerken. Die vermeintlich starke junge Frau hat ihren Spaß daran, dass die vermeintlich schwache ihr nichts entgegenzusetzen hat, sich nicht wehrt, ihr ausgeliefert ist. Eine schändliche Demonstration von Macht. Wenn jetzt der Pausenaufsichtslehrer dazu kommt und meint, den Konflikt durch seine Anwesenheit unterbinden zu können, dann wird er ihn bestenfalls nur unterbrechen. Die Quälerei der einen und die Qual der anderen gehen unterschwellig weiter, suchen sich andere Plattformen und finden durch eine sogenannte höhere Autorität sicher kein Ende. Weder kann der Lehrer für Frieden zwischen den beiden Frauen sorgen noch können es die UN-Soldaten. Das liegt in der Natur der Sache, und da hilft ein einfaches „kommt, vertragt euch wieder“ nicht weiter. Schon gleich gar nicht, wenn eine Partei das wohl wollen würde, die andere aber partout nicht. Siehe meine Nachbarin im Haus unter uns. Jimi Hendrix hat mal gesagt: „Wenn die Macht der Liebe die Liebe zur Macht überwindet, erst dann wird es Frieden geben“.

„Die gute Nachricht: Wir können Frieden schließen.“

Ein Lichtblick am Himmel

Ja, die Macht der Liebe ist nicht zu unterschätzen. So beschreibt Paulus sie in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth, in Kapitel 13 ab Vers: „Liebe ist geduldig und freundlich. Sie ist nicht verbissen, sie prahlt nicht und schaut nicht auf andere herab. Liebe verletzt nicht den Anstand und sucht nicht den eigenen Vorteil, sie lässt sich nicht reizen und ist nicht nachtragend. Sie freut sich nicht am Unrecht, sondern freut sich, wenn die Wahrheit siegt. Liebe ist immer bereit zu verzeihen, stets vertraut sie, sie verliert nie die Hoffnung und hält durch bis zum Ende.“ Wie würde eine Gesellschaft aussehen, in der jeder doch zumindest versuchen würde, sich in seinem Verhalten an diesen Prinzipien zu orientieren? Das Ehepaar am Tisch rechts von mir im Hotel. Die sechs Tischnachbarn auf dem Sommerberg im Schwarzwald. Die Dame im Haus nebenan. Politiker. Demonstranten. Soldaten. Schüler. Ich. Wir könnten tatsächlich die Welt verändern. Wir könnten sie tatsächlich zu einem besseren, ruhigeren, friedlicheren Ort machen. Allerdings stehen die Zeichen dafür nicht so richtig gut. Lesen Sie die Zeitungen, schauen Sie die Nachrichten und Sie wissen, wovon ich rede. Im Grunde aber spielen die Zeichen der Zeit keine wesentliche Rolle. Maximal vielleicht für die unter uns, die glauben, sie wären allen externen Einflüssen hilf- und wehrlos ausgeliefert. Die gute Nachricht: Das sind wir nicht! Wir können Frieden schließen. Zunächst mit uns selbst. Dann mit unserer Familie, den Nachbarn, Kollegen und so weiter und so fort. 

Daran hat mich der Tag im November erinnert. Dass wir mehr können, als wir meinen. Dass wir manchmal schneller urteilen, als es gut ist. Dass wir verurteilen, wo wir es nicht dürfen. Dass wir wegschauen, wo wir hinschauen müssen. Dass wir ausweichen, wo unsere Haltung gefragt ist. Dass wird die Schuld gern beim anderen suchen, aber nicht bei uns selbst. Dass wir eher nach dem Prinzip „Ich zuerst“ leben und damit dem Prinzip der Liebe eine Absage erteilen. Wie wäre es, wenn wir das „Ich zuerst“ in Haltung und Wirkung umkehren würden? Im Sinne von „Ich will der Erste sein, der sich um Frieden, um ein friedliches Miteinander auf allen Ebenen, zu denen ich Zugang habe, bemüht, und damit allen anderen als leuchtendes Beispiel vorangeht!“ Dann könnte ein Zopf draus werden. Dann könnte tatsächlich zu schaffen sein, was so aussichtslos scheint. Dann könnte die Welt um uns herum Frieden finden. Und dann wäre es auch unser Verdienst.

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