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Für die Menschen meiner Heimat

Kolumne

Mancher wäre froh, wenn er den Lebensumständen seiner Vergangenheit dauerhaft den Rücken kehren könnte und sich nie mehr mit dem auseinandersetzen müsste, was ihm – oder ihr – da begegnet ist. Steve Volke stellt uns eine Frau vor, die offenbar ganz anders tickt. Und für die ihre Herkunft unter anderem eben auch Heimat bedeutet. Deren Menschen will sie dienen.

Leben im Dreck einer Großstadt. Das Haus halb zerfallen, keine Infrastruktur, kein fließendes Wasser, von Elektrizität gar nicht zu sprechen. Da kommen sicher keine „Heimatgefühle“ auf. Da will man doch so schnell wie möglich weg, oder? Jennifer Gitiri ist im Slum aufgewachsen. Aber sie hat es raus geschafft. Heute ist sie Anwältin für Menschenrechte am Obersten Gerichtshof in Nairobi. Sie hat in Europa studiert, ist weltweit eine gefragte Rednerin, und doch kommt sie immer wieder zurück nach Hause. Denn da gehört sie hin. 

Hoffnungsschimmer

Ihre alleinerziehende Mutter hatte weniger als 1,80 Euro zur Verfügung stehendes Einkommen pro Tag. Damit gehörte die Familie zu den extrem armen Menschen dieser Welt. Die Umgebung im Slum von Korogocho war brutal: Arbeitslosigkeit, Kriminalität, Prostitution, Drogen und häusliche Gewalt waren allgegenwärtig. Damit wäre auch das Leben von Jennifer vorgezeichnet gewesen, aber Armut sollte nicht das letzte Wort haben. Eine Pfingstkirche übernahm die Verantwortung für die armen Kinder im Slum und veränderte mit einem Patenschafts-Programm das Leben nachhaltig. Dazu gehörte nicht nur die medizinische Versorgung oder die Bereitstellung von Nahrung, sondern auch die Schulbildung.

Zum ersten Mal erlebte Jennifer als kleines Kind so etwas wie einen Hoffnungsschimmer im Leben. Von da an strebte sie nach Höchstleistungen, ungeachtet der sie umgebenden Umstände. Als Jennifer 14 Jahre alt war, starb ihre Mutter und überließ es ihr, für ihre Brüder zu sorgen. Als Teenager verlor sie nie die Hoffnung, sondern setzte alles daran, eine bessere Zukunft zu bekommen.
In der zehnten Klasse beschloss Jennifer, inspiriert von der Korruptionskultur um sie herum, Anwältin zu werden, um ihre Welt zu beeinflussen und sich für die Rechte derjenigen einzusetzen, die nicht für sich selbst sprechen können.

Menschenrechte

Später konnte sie mit einem Vollstipendium studieren. In Nairobi, aber auch in Oslo und Budapest. Sie bewältigte mehrere Masterstudiengänge und wurde zur Expertin für Menschenrechte. Schließlich wurde sie zum Obersten Gerichtshof von Kenia berufen. Davor lebte sie eine Zeitlang in Wien, besuchte immer wieder europäische Länder, und hätte durchaus auch am europäischen Gerichtshof in Den Haag oder in Genf als Juristin gute Jobs bekommen. 

Verlockend, vor allem auf dem Hintergrund, dass es in Kenia an vielen Orten immer noch so viel Armut gibt. „Es bringt mich immer wieder zum Weinen, wenn ich daran denke, wie weit Gott mich gebracht hat, von den Gräben der Armut bis hierher. Ich bin der Beweis dafür, dass es tatsächlich möglich ist, Kinder aus der Armut befreien. Meine Kinder werden niemals in Armut leben, meine Kinder werden das Wort Gottes kennenlernen“, sagt Jennifer. Einer ihrer Lieblingsbibelverse ist aus den Psalmen: „Möge die Gunst des Herrn, unseres Gottes, auf uns ruhen; das Werk unserer Hände soll uns gelingen - ja, das Werk unserer Hände soll uns gelingen.“ (Psalm 90,17)

Heimatliebe

Immer wieder zurückzukommen, um den Menschen dort zu helfen, wo wir herkommen. Das ist eine besondere Heimatverbundenheit, die vorbildlich ist. Jennifer arbeitet jetzt als Staatsanwältin für das Büro des Generalstaatsanwalts und des Justizministeriums in Nairobi, Kenia, wo sie dem Chief Litigation Counsel unterstellt ist und Regierungsministerien mit juristischem Fachwissen unterstützt. Dabei greift sie regelmäßig auf ihre Erfahrungen aus der Arbeit mit verschiedenen kirchlichen Organisationen, Konfliktanalysen und friedensfördernden Initiativen zurück. Für die Menschen ihrer Heimat. 

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