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Wir sind, was wir tun

Standpunkt

Wie fangen Sie eigentlich Ihren Tag an? Was gehört alles zu Ihrer Morgenroutine? Und haben Sie sich schon einmal gefragt, was diese kleinen Gewohnheiten des Morgens mit Ihnen machen? Welche Auswirkungen sie haben? Auf den Rest des Tages? Auf Ihr Leben? Auf Ihr Herz? Fragen, über die sich Dr. Eva Dittmann Gedanken gemacht hat.

Vielleicht gehören Sie ja zu fast der Hälfte der Deutschen, die in der ersten Viertelstunde nach dem Aufwachen gewohnheitsmäßig bereits einen Blick auf Ihr Smartphone werfen. Eine solche Smartphone-Nutzung hat häufig mehr Auswirkungen auf uns und unser Herz, als wir uns das eingestehen möchten. Tatsächlich senden diese so gedankenlos vollzogenen und harmlos wirkenden Gewohnheiten gewichtige Botschaften an unser Herz. In ihrer Summe bestimmen diese vielen kleinen Entscheidungen und Rituale, wer wir sind und was wir lieben. 

Wer bist du?

Welche Botschaften könnten denn durch die morgendliche Smartphone-Nutzung in unserem Herzen ankommen? Wer morgens zum Beispiel gleich seine Arbeitsemails oder seine To-do-Liste checkt, der sendet seinem Herzen immer wieder diese Mikrobotschaft: „Du bist, was du leistest. Wenn du nicht ständig zu viel Arbeit hast und von den Kollegen nicht als leistungsstark angesehen wirst, bist du nichts wert.“ Wer morgens hingegen gleich auf Instagram nachsieht, wie viele Likes er bekommen hat, oder neidisch die Errungenschaften und das (Pseudo)leben der anderen beäugt, dem drängt sich folgende Botschaft auf: „Du bist, was andere über dich denken. Dein Leben muss dem Maßstab der (anonymen) Anderen entsprechen. Aber eigentlich ist nichts, was du tust, jemals genug.“ Und wer sich morgens gleich von Werbeangeboten verleiten lässt, dessen Herz wird gleich in den Konsummodus getrieben: „Du bist, was du hast. Deine Lebensqualität und dein Glück werden von den Dingen bestimmt, die du konsumierst. Das, was du dir kaufst, füllt deine innere Leere und erlöst dich von deiner Gebrochenheit.“

Sicherlich ist das alles etwas vereinfacht und auch einseitig formuliert. Schließlich gibt es auch einen guten und gefilterten Umgang mit dem Smartphone. Dennoch weisen uns diese Ausführungen auf eine wichtige Realität hin: Alles, was wir tun, hat Auswirkungen auf unser Herz – das Was, das Wie und das Wann. Es gibt keine herzensneutralen Handlungen. Natürlich bringt eine einzelne Handlung mit ihrer innewohnenden Botschaft nicht gleich eine radikale Wesensveränderung hervor oder ändert unsere Werte und Weltanschauung vollkommen. Aber wer meint, dass diese vielen kleinen Entscheidungen und (unbewussten) Gewohnheiten deswegen keinen Einfluss auf uns hätten, der täuscht sich gewaltig. Denn ihre Summe und die Leitmotive ihrer Botschaften machen uns zu dem, wer wir sind. Wir können nicht regelmäßig danken, ohne dankbarer zu werden. Wir können nicht regelmäßig geben, ohne großzügiger zu werden. Wir können aber auch nicht regelmäßig lästern, ohne hartherzig zu werden. Und wir können uns nicht regelmäßig betrinken, ohne abhängig zu werden.

„Wenn Liebe eine Gewohnheit ist, wenn das Herz der Hand folgt, dann können wir auch lernen Gott zu lieben.“

Wer willst du sein?

Ja, unsere Gewohnheiten haben große Macht. Sie bestimmen unser Herz – unser Denken, Fühlen und Wollen. Sie prägen und formieren uns. Diese im Autopiloten vollzogenen Handlungen werden in gewisser Weise zu Trainern unseres Herzens. Sie lehren uns, wie wir Mensch sein sollen, welchen Träumen wir nachjagen sollen, welche Werte wir haben und was unsere Identität bestimmt. Und so kalibrieren sie unser Herz nach und nach in eine bestimmte Richtung – wie einen Kompass. Sie bestimmen, wen oder was wir lieben. Und damit meine ich nicht, welche Sorte Pizza wir lieben oder welcher Mensch in unserem Leben eine wichtige Rolle spielt. Nein, es geht hier um unsere „endgültige“ Liebe – diese Liebe, an der wir unser ganzes Leben ausrichten und die unsere tiefsten Wünsche und Sehnsüchte widerspiegelt. Sie bestimmt, wen oder was wir anbeten. Und jeder Mensch betet irgendetwas an. Denn so etwas wie nicht anbeten, gibt es nicht. Aber diese Liebe zeigt sich nicht nur in unserem Lebenswandel. Nein, unsere Alltagsgestaltung und unsere Gewohnheiten formen diese Liebe. Unsere Praxis und unsere Liebe gehen hier Hand in Hand. Liebe ist also keine intellektuelle Entscheidung oder ein rein emotionaler Impuls, sondern praxisorientiert. Sie ist eine Gewohnheit. Wir lieben gewohnheitsmäßig. Wir sind das, was wir lieben. Das Problem dabei ist: Wir können immer nur eine Sache lieben. Wir können immer nur einen Gott anbeten. Und die Frage, die sich daraus nun ergibt, lautet: Wen oder was lieben Sie? Eins ist nämlich klar: Wir lieben nicht immer das, wovon wir denken, es wir lieben. Oft ist unser Herz auf etwas ganz anderes ausgerichtet. Denn unser praktisches Handeln ist auf etwas anderes ausgerichtet. Wir können nicht das eine lieben und das andere leben. Unsere Gewohnheiten werden hier zum Dreh- und Angelpunkt unseres Herzens, unserer Liebe. 

Was wirst du tun?

Es ist deswegen sicherlich lohnend, sich immer mal wieder einer Gewohnheitsinventur zu unterziehen – im persönlichen Alltag und im kulturellen Kontext. Fragen Sie sich: Welche Gewohnheiten prägen meinen Alltag? An welchen kulturellen Ritualen nehme ich teil? Und welche Botschaften vermitteln sie meinem Herzen? Was sagen sie über meine Liebe? Lieben Sie Gott oder eher einen Götzen – so etwas wie Macht, Anerkennung, Konsum, Kontrolle, Selbstverwirklichung, Erlebnis oder was auch immer? Wir haben hier natürlich auch Kalibrierungsspielraum für das Herz. Wenn Liebe eine Gewohnheit ist, wenn das Herz der Hand folgt, dann können wir auch lernen Gott zu lieben. Dann können wir die Macht der Gewohnheiten in unserem Alltag nutzen, um unser Herz auf Gott auszurichten. Zum einen müssen wir die Gewohnheiten identifizieren, die unserem Herz eine falsche Liebe vermitteln. Hier müssen wir die Filterfunktion unseres Herzens verbessern und/oder diese schlechten Gewohnheiten durch gute ersetzen. Zum anderen müssen wir in unserem Alltag bewusst Gewohnheiten entwickeln, die unser Herz zu Gott hin kalibrieren. Hierzu gehören sicherlich geistlichen Disziplinen, die uns in Schlüsselmomenten des Tages an das Wesentliche erinnern. Zum Beispiel Gebet, Bibellesen oder Fasten. Vielleicht wollen Sie ja Ihre morgendliche Smartphone-Gewohnheit durch ein kurzes Gebet ersetzen, um Ihren Tag anders zu starten? Hierzu gehören aber auch alltägliche Praktiken, die uns zu den Menschen machen, als die Gott uns geschaffen hat: regelmäßige Beziehungspflege, zum Beispiel gemeinsame Mahlzeiten oder barmherziger Umgang mit anderen. Regelmäßige Tempelpflege, zum Beispiel Zähneputzen, Sport und Schlaf oder regelmäßige Umweltpflege, zum Beispiel Nachhaltigkeit oder bewusster Konsum – all das richtet uns nämlich auf die Werte des Reiches Gottes aus. Daher: Achten Sie doch mal auf diese kleinen Dinge des Alltags. Denn an Ihren Gewohnheiten werden Sie Ihre wahre Liebe erkennen.

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