So sicher wie das Amen in der Kirche

Bibel erklärt

Was ist schon „sicher“? Der DAX ist es nicht, die EU ist es nicht, die Gesundheit nicht, die Liebe nicht, die Zukunft nicht ... Ein Spruch aus der skeptisch-coolen Ecke: „Sicher ist nur, dass wir einmal sterben müssen!“ Wir leben in unsicheren Zeiten. Warum sollte es beim Glauben anders sein? Henning Briesemeister erklärt die Zusammenhänge.

Wir glauben an einen Gott, der gestern, heute und morgen derselbe ist; der ein guter Hirte ist, der einen selbst durch finstere Täler hindurchbringt; dem alle Gewalt gegeben ist im Himmel und auf Erden! Und: auf den wir alle unsere Sorgen werfen können! Im 1. Petrus-Brief, Kapitel 5, Vers 7, heißt es entsprechend: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er (Gott) sorgt für euch!“ Wenn der allmächtige Gott also für uns sorgt, dann müsste doch alles „sicher“ sein!? Es soll übrigens christliche Gemeinschaften gegeben haben, bei denen es verpönt war und ein Zeichen von Kleinglauben, überhaupt eine Versicherung abzuschließen oder auch nur einen Blitzableiter zu installieren! Aber das lässt außer Acht, dass wir „jenseits von Eden“ leben; in einer Welt, die ein Spielball der verschiedensten Kräfte ist. „Der Teufel geht umher wie ein brüllender Löwe ...“ Das steht nur einen Satz weiter im 1. Petrus-Brief! Und das gilt damals wie heute.

Also doch keine „Sicherheit“ (lat.: securitas), sondern nur „Gewissheit“ (lat.: certitudo)! Aber was heißt hier „nur“?! In einem der zentralsten Sätze bei Paulus heißt es: „Ich bin gewiss, dass mich nichts von Gottes Liebe trennen kann!“ (Römer 8,31) Mehr geht nicht vor dem Jüngsten Tag! Mehr geht nicht vor dem Tag, an dem Gott einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen wird, in denen Gerechtigkeit wohnt. Alles, was wir auf dem Weg dorthin als Zuverlässigkeit und Gewissheit erleben, ist ein Geschenk dessen, der gesagt hat: „Ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende!“ Und deshalb können wir darauf vertrauen, dass Gott – trotz aller realen Unsicherheiten des Lebens –für uns sorgt! 

Warum aber sollen wir eigentlich unsere Sorge auf Gott „werfen“, wie Luther es übersetzt hat? „Klebt“ die Sorge vielleicht manchmal an uns? Kann es sein, dass wir uns ungern von ihr trennen? 

„Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch!“

Weil ein Abgeben ein Eingeständnis wäre, dass wir unser Leben nicht selbst in der Hand haben? Oder weil unsere Sorgen uns für andere interessant machen und wir dadurch Aufmerksamkeit erringen, die uns sonst nicht zuteilwird? Neuere Übersetzungen formulieren so: „Legt alle eure Sorgen bei ihm ab“ – so die Neue Genfer Übersetzung. Oder: „Überlasst alle eure Sorgen Gott“ – so die Hoffnung für alle. Egal, ob geworfen, gelegt oder überlassen: Wir sind eingeladen, Gott als dem Vater Jesu Christi unser Vertrauen zu schenken! 

Es gibt Sorgen, die Sinn ergeben; es gibt aber auch solche, die uns auffressen, gefangen nehmen, nicht schlafen lassen und uns jede Freude am Leben nehmen wollen. Demgegenüber will der Schöpfer allen Lebens, dass wir unser Leben in seinen guten Händen wissen: „Auf, auf, gib deinem Schmerze und Sorgen gute Nacht, lass fahren, was das Herze betrübt und traurig macht ...“ (Paul Gerhardt). Oder: „Gehet nicht auf in den Sorgen dieser Welt ...“ heißt es in einem modernen Halleluja-Lied; und Jesus verweist  in der Bergpredigt auf die Lilien auf dem Felde und auf die Vögel am Himmel,  um seine Leute davor zu bewahren, von Sorgen dominiert zu werden. 

„Sicherheit“ wird es nie ganz geben, „Gewissheit“ aber schon! Gewissheit, dass uns nichts von Gottes Liebe trennen kann; dass der gute Hirte für uns sorgt – selbst dann, wenn es durch schwierige Zeiten geht und wir zum vertrauensvollen Leben und mutigen Handeln wieder neu herausgefordert werden. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche.

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