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Von der Kunst, loszulassen und zu schätzen, was bleibt

Ratgeber

Frauenfreundschaft. Was das ist, was sie mit einem macht und wann sie zur mühsamen Herausforderung wird, weiß Katja Zimmermann. Sie weiß auch, was weh tut. Und wie sich Schmerz in Freude verwandelt.

So unterschiedlich wie die Frauen, mit denen ich befreundet bin, sind auch unsere Freundschaften. Es gibt die Sorte Freundin, die wie ein Wirbelwind in dein Leben tritt. Zu ihr entwickelt sich schnell eine sehr tiefe, emotionale Bindung. Die Freundschaft ist wie eine Achterbahnfahrt: aufregend, immer wieder für Überraschungen gut, ein starker Fahrtwind, Berg - und Talfahrt … und oft leider zeitlich begrenzt.

Lebensbegleitung

Wenn eine Freundin, die dich ein paar Jahre deines Lebens begleitet hat und durch deren Einfluss du gewachsen und in Bereichen deines Lebens weitergekommen bist, als das ohne sie möglich gewesen wäre, dich einfach verlässt, dann ist das ein Schmerz, der vergleichbar ist mit einer Trennung vom Partner. Du verstehst einfach nicht, warum etwas, das so gut war, enden soll. So eine „Trennung“ habe ich hinter mir. Eine sehr gute Freundschaft wurde aus mir nicht einleuchtenden Gründen beendet. Ich hatte lange danach immer wieder mit Trauer und Enttäuschung darüber zu kämpfen. Denn durch diese Freundschaft wurde meine Beziehung zu Gott auf ein neues Level gehoben, das mich stark geprägt und mich Gott noch nähergebracht hat.

Lebensenttäuschung

Mittlerweile weiß ich natürlich, dass meine Beziehung zu Gott nicht von der Freundschaft mit einer bestimmten Person abhängig ist. Aber diese Freundin hatte mich eben stark geprägt durch die Art, wie sie ihren Glauben lebte. Dadurch hatte sie auch mir eine neue Sicht auf Gott möglich gemacht, und das verband ich sehr stark mit unserer Freundschaft. Nach langer Zeit des Schweigens wusste ich, dass ich ihr noch ein letztes Mal schreiben musste. Ich wollte ihr meine ganze Frustration, meine Enttäuschung und all meine Fragezeichen, die ich zu diesem unerwarteten Ende unserer Freundschaft hatte, aufschreiben und mit der dringenden Bitte um Aufklärung schicken. Ich wollte dieses Kapitel endlich abschließen und meinen Frieden damit machen. Aber als ich anfing, diesen Brief zu schreiben, kam plötzlich etwas ganz Anderes dabei heraus. Ich schrieb auf, wofür ich dankbar war. Ich dankte ihr für die gemeinsame Zeit. Dafür, dass sie mich gefördert und weitergebracht hatte. Aus einem ursprünglichen „Anklage“-Brief wurde plötzlich ein „Dankesbrief“. Ich bekam keine Antwort. Ich weiß nicht einmal, ob der Brief gelesen wurde. Aber ich weiß, dass ich durch diese Art von Abschiedsbrief meinen Frieden mit der Situation machen konnte, auch wenn die Frage nach dem „Warum“ bis heute ungeklärt bleibt.

Lebenswichtig

Wenn diese Freundschaft also nur dafür da gewesen ist, dass meine Beziehung zu Gott in einem bestimmten Bereich stärker wachsen konnte und für einen festgelegten Zeitraum bestimmt war, dann bin ich ihm dankbar für alles, was er in dieser Zeit durch sie bewirkt hat. Dann sind da noch die Freundschaften, die so eine Art Fundament bilden. Sie bestehen schon lange, teilweise über 20 Jahre, sind stetig, vielleicht eher unaufregend, zeichnen sich aber durch eine große Treue zueinander aus. Und ich denke, das ist genau das, was sie so haltbar macht. Denn wie schon in Sirach 40, 12 steht: „Was aber durch Treue entsteht, bleibt für immer bestehen.“

Beide Arten der Freundschaft haben ihre Herausforderungen und ihre Vorteile. Ich bin dankbar für jede Freundin, die mein Leben bisher bereichert und geprägt hat und deren Leben ich bereichern durfte. Aber besonders wertvoll werden mir mit der Zeit diejenigen, die durch alles hindurch, jede Veränderung, jede Krise, an meiner Seite stehen und bleiben. Ich will sie wertschätzen und pflegen.

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