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Wie, bitteschön, geht Toleranz?

Leben

Wir wollten wissen, was einer der meistgebrauchten Begriffe in der Pluralität unserer Zeit bedeutet, woher er kommt, wie er sich mit der Bibel verträgt und im Alltag leben lässt. Maike Fethke ist für uns auf Spurensuche gegangen und überrascht nach Hause gekommen.

Ich frage Menschen am Bahnhof Ostkreuz in Berlin. Hier pulsiert das Leben. 24/7. Wenn nicht in dieser bunten Masse von Jung und Alt in den Hautfarben der Welt, wo sonst sollte ich die Spur aufnehmen können? Also frage ich mutig zwischen quietschenden Zügen und kratzigen Ansagen aus dem Lautsprecher: „Haben Sie einen Moment... Was ist für Sie Toleranz?“ Und dann geht es los: „Hör mir auf damit.“ „Brauchen wir alle.“ „Vollkommen überstrapaziert.“ „Hat ausgedient.“ „Wünsche ich uns, kann man nicht kaufen.“ „Ein missbrauchter Begriff.“ So nur ein paar Sätze aus einer ganzen Flut von Antworten. Interessant, aber ich kann keine Spur aufnehmen. Zu vielschichtig die Aussagen. 

Zuhause dann - ich denke, so wird es zielführender - der Blick in die Bibel mit Hilfe der verschiedenen Online-Angebote. Suchbegriff: Toleranz. Und es passiert etwas, was heute bei Suchen im Internet äußerst selten passiert. Treffer: 0. Irre ich mich? Ein Tippfehler? Also ein anderes Portal. Dort dasselbe Ergebnis. Treffer: 0. Ich bin, ehrlich gesagt, sehr überrascht. Das kann doch nicht sein: Ich bin in Gottes Wort unterwegs. Und der Begriff Toleranz will sich nicht finden lassen. Sollte er vielleicht nicht wirklich Teil von dem sein, was Gott uns sagen will? Sucht Gott sich andere Wege, Beispiele, Gleichnisse, Berichte, um uns die Augen und Herzen für das zu öffnen, was ihm wichtig ist? 

Inzwischen packt mich der Eifer. Irgendwie muss sich doch ein Zugang finden lassen zu diesem Wort, das wir so oft in den Mund nehmen, so gerne verwenden. Als letztes wende ich mich an Wikipedia, und finde dort unter anderem der Hinweis: „… Das zugrundeliegende Verb tolerieren wurde im 16. Jahrhundert aus dem lateinischen tolerare („erdulden“, „ertragen“) entlehnt. Das Adjektiv tolerant in der Bedeutung „duldsam, nachsichtig, großzügig, weitherzig“ ist seit dem 18. Jahrhundert, der Zeit der Aufklärung, belegt…“.

„Hör mir auf damit … Brauchen wir alle … Vollkommen überstrapaziert ... Hat ausgedient … Wünsche ich uns, kann man nicht kaufen … Ein missbrauchter Begriff.“

Perspektivwechsel. Die Worte „ertragen, großzügig, weitherzig“ bauen für mich die Brücke zu Gottes Wort. Sie sind sozusagen Pflastersteine eines Weges, der mich von der abstrakten Welt eines Begriffes wegführt und hin bringt zu meinem persönlichen Erleben, zu meinen Werten und Bedürfnissen. Toleranz – wie kann ich sie so leben, dass es Gott gefällt? Wie kann ich sie so zum Ausdruck bringen, dass seine Gesetze gelten, seine Grenzen bestand haben? Mir fallen sofort die Bibelstellen ein, in denen es heißt: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.“ Ja, so wird ein Schuh draus, so führt die Spurensuche zu einem guten Ende. 

Der Schlüssel liegt im Weg vom Abstrakten zum Persönlichen, hin zu dem, was Gott uns mitgibt, was gestern, heute und in Ewigkeit gilt. Auch inmitten des Getümmels auf einem großen Berliner Bahnhof. Ich denke an die Worte des alten Mannes, den ich ansprach. Er sagte leise: „Toleranz ist ein Geschenk. Ich kann mich mühen. Aber ich kann nur dann wirklich tolerant sein, wenn ich meinem Nächsten mit Wertschätzung begegne.“ 

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