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Wie man liest und versteht

Alltagstauglich

Gibt’s da einen Grundsatz, der gilt? Diese Frage ist so alt wie die Schriften selbst. Doris und Wilfried Schulte zeigen, wie sie es machen, und laden dazu ein, einen ganz persönlichen Stil zu entwickeln. Am Ende ist egal, wann und wie man die Bibel liest. Solange man es tut.

Bei uns läuft so gut wie gar nichts nach Schema „F“. Nicht unsere Arbeit und nicht unsere Zeit des Meditierens über Gott. Jeder Tag hat seinen eigenen Rhythmus. Mal sind wir als Verkündiger durch unseren Reisedienst tagelang von morgens bis abends unter Menschen, mal sind wir alleine Zuhause. Mal können wir unseren Tag bestimmen, mal nicht. Was wir durch unseren besonderen Arbeitsalltag nicht können, ist dies: uns wie der Prophet Daniel dreimal am Tag zur gleichen Zeit an ein und denselben Ort der Stille zurückziehen, um Gemeinschaft mit Gott zu haben. Wir können auch nicht wie König David jeden Tag schon vor dem Sonnenaufgang und auch noch mitten in der Nacht über Gott nachsinnen und ihm Loblieder singen. Schade?

Vorbild, von dem wir lernen

Unsere „offiziellen“ Kontaktpunkte mit Gott sind unterschiedlich lang und finden an verschiedenen Orten und zu verschiedenen Zeiten statt. Sie müssen aber alle ganz bewusst geplant, vorbereitet und gestaltet werden, sonst finden sie gar nicht statt. Das haben wir von Jesus gelernt. Weil er wusste, dass er ohne den Einfluss seines Vaters im Himmel nicht leben, dienen und arbeiten konnte, kämpfte er um Zeiten ganz alleine mit Gott. Je nach Lebensumständen war er zum Beispiel bereit, sein Haus lange vor Sonnenaufgang zu verlassen und sich an eine abgelegene Stelle zurückzuziehen, wo er ungestört beten konnte (Mk. 1,35). Ein anderes Mal stieg er alleine auf einen Berg, um zu beten (Mt. 14,23). Und manchmal nutzte er sogar die ganze Nacht zum Gespräch mit dem Vater (Lk. 6,12).

„Im Leben eines Menschen wird es hell, wenn er an-fängt, dein Wort zu verstehen. Wer bisher gedankenlos durchs Leben ging, der wird jetzt klug. “

Fragen, die uns helfen

Diese Freiheit der Vielfalt genießen wir auch. Wenn wir zum Beispiel den Tagesablauf selbst bestimmen können, gehen wir früh ins Bett – verzichten bewusst auf Abendprogramme im Fernsehen, damit wir am nächsten Morgen ab 5 Uhr aufstehen und alleine mit Gott sein kön
nen. Dazu sitzen wir an unseren Schreibtischen mit unseren eigenen Bibeln und einem eigenen Andachtsbuch, einem Schreibheft und einer großen Tasse Kaffee. Zuerst lesen wir den ausgewählten Bibeltext und halten unsere Gedanken zu den folgenden Fragen schriftlich fest:

  • Was kann ich aus diesem Text über Gott lernen? 
  • Worum geht es hier im Detail? 
  • Was ist mir neu? 
  • Wie berührt dieses Wissen mein Leben? 

Danach lesen wir auch das, was im Andachtsheft dazu geschrieben wurde, vergleichen es mit unseren eigenen Überlegungen und fassen dann in unseren Worten alles zu einem Schlüsselsatz zusammen. Diese Gedanken werden oft zu Gebetsanliegen und begleiten uns wie ein Echo durch den Alltag. Unsere Schlüsselsätze lesen wir auch immer wieder in den darauffolgenden Tagen im Vertrauen, dass sie unsere Leben prägen und verändern. 

Plichten, die keine sind

Immer wieder nehmen wir uns dann auch Zeit, um gemeinsam für unsere Anliegen zu beten. Früher haben wir diese persönliche Zeit mit Gott als Pflicht – als eine Art theologische „Hausaufgabe“ – betrachtet. Als etwas, das wir für Gott tun. Heute haben wir Heimweh nach Gott, wenn wir es nicht schaffen, uns alleine mit ihm zu unterhalten. Es sind die lebendigen schwarzen Buchstaben auf den weißen Blättern der Bibel, die unsere Gedanken, Gefühle und Reaktionen am allermeisten geprägt und verändert haben. Die, die uns letztendlich zu der Person gemacht haben, die wir heute sind.

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