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Zwischen Schweinebraten und Hefeteig

Biografie

Während sich über ihren Vater Ernst Modersohn viel herausfinden lässt, ist Ruth Modersohns Name nicht einmal mit einem kleinen Eintrag bei Wikipedia gelistet. Sie wurde im Jahr 1898 im Weidenau geboren und wuchs in Bad Blankenburg im Thüringer Wald auf. „Ihre höchste Erfüllung war, wenn sie Menschen dienen konnte“, weiß unsere Chronistin Johanna Postelt und schreibt wider das Vergessen.

Ruth Modersohn war mit vielen Begabungen ausgestattet. Sie war sehr intelligent, außerordentlich musikalisch und sie konnte, wie ihr Vater, gut mit Worten umgehen. Im Lauf ihres Lebens schrieb und dichtete sie viel. Jedoch merkte sie auch, dass sie die Gabe hatte, Menschen zu begleiten, Rat zu geben und durchs Leben zu helfen. Auf der Suche nach ihrem eigenen Platz im Leben, entschied sie sich als ganz junge Frau, Diakonisse zu werden, und trat dem Diakonissen-Mutterhaus in Vandsburg bei. Von dort aus machte sie zuerst eine Ausbildung als Krankenschwester, später besuchte sie das Technische Seminar in Marburg und ließ sich dann noch zur Lehrerin weiterbilden. Im Jahr 1932 fand sie nach vielen Jahren der Ausbildung ihre Lebensaufgabe als Leiterin eines Mädcheninternats im Taunus, in dem Mädchen zur Hauswirtschafterin ausgebildet wurden. Hier war sie nicht nur Lehrerin, sondern sie war Seelsorgerin, Vertraute und Beraterin für viele junge Frauen. Ruth, die bewusst auf Ehe und eigene Kinder verzichtet hatte, hatte nun viele „Töchter“, für die sie wie eine Mutter war. Einmal schrieb sie in ihr Tagebuch: „Abends in der Küche habe ich sehr häufig Besuch und da bin ich immer zu sprechen. Mal muss ich guten Rat erteilen, dann Trost spenden, zwischen zwei Streitenden vermitteln, alles nach Wunsch. Und ein Eckchen in der Küche ist zum Gebetskämmerlein geworden. Nein, ich gehe hier nicht auf in Schweinebraten und Hefeteig, ich erlebe hier an mir und anderen, was das Herz froh macht.“

 

Ruth Modersohns Lebenslauf wird von keinen Titeln gekrönt, von keinem Denkmal, das man ihr gesetzt hat, und von keiner Straße, die nach ihr benannt ist. Irgendwann wird ihr Name wohl ganz in Vergessenheit geraten. So wie der Name der meisten Menschen irgendwann einmal vergessen wird. Auf der Suche nach einer Frau, über deren Leben ich schreibe, sind mir viele Frauen wie Ruth Modersohn begegnet. Gerne hätte ich eine Frau charakterisiert, die mit vorbildhaftem Glauben große Aufgaben bewältigt hat und dadurch bis heute Spuren hinterlässt. So wie z. B. die vier „Mütter des Grundgesetzes“, die im Jahr 1949 als Abgeordnete im Bundestag die Gleichberechtigung der Frau mit im Grundgesetz verankerten und so Werte für eine ganze Gesellschaft mitgeprägt haben. Aber das sind Ausnahmen. Ich bewundere Menschen, die mit guten Ideen, Mut und Durchsetzungskraft die Welt ganz offensichtlich verändert haben. Aber häufiger und meinem Alltag viel näher sind doch Frauen wie Ruth Modersohn. Die Menschen gedient und geprägt hat, auch ohne dass ihr Name noch lange erwähnt wird. Die oft einfach nur für andere da war. Die heute vielleicht nichts mehr bedeutet, zu ihrer Zeit aber so wichtig für viele Menschen war. Und von der ich mir etwas für meinen kleinen normalen Alltag abschauen kann.

 

Am Ende ihres Lebens war Ruth Modersohn schwer krank und wurde nur 46 Jahre alt. In ihren letzten Jahren schrieb sie noch diesen Text: „Ich diene meinem Gott, er brauche weiter mich nach seinem Willen. Ich möchte nichts, als da, wo er mich braucht, den Platz mit ganzem Herzen auszufüllen.“

„Ich bewundere Menschen, die mit guten Ideen, Mut und Durchsetzungskraft die Welt ganz offensichtlich verändert haben. Aber häufiger und meinem Alltag viel näher sind doch Frauen wie Ruth Modersohn. Die Menschen gedient und geprägt hat, auch ohne dass ihr Name noch lange erwähnt wird.“

 

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