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Wenn Gott mal einen Bogen schlägt

Klartext

Bunt soll die Welt sein, vielfarbig und jedem Respekt zollen. Das sagen jedenfalls eine ganze Reihe Menschen und Initiativen. Und daran ist ja zunächst auch alles völlig richtig und in Ordnung, meint Dr. Hans-Georg Wünch. Allerdings meint er auch, dass etwas Basiswissen nicht schadet, und geht für uns der Frage nach, wo das vielgenutzte Zeichen für geforderte Toleranz eigentlich seinen Ursprung hat. Und kommt dabei zu einem bemerkenswerten Ergebnis.

Sicher erinnern sich viele daran: Während der Fußball-EM im Sommer plante die Stadt München, die dortige Allianz-Arena in den Farben des Regenbogens leuchten zu lassen. Sie wollten damit ein Zeichen setzen gegen eine zunehmend repressive Regierung in Ungarn, wobei sich dies aktuell an einer Gesetzgebung bezüglich der Behandlung des Themas „Homosexualität“ in den ungarischen Schulen entzündete. Der Regenbogen sollte ein Zeichen sein für Vielfalt und Buntheit – in der Gesellschaft und vor allem im Umgang mit dem Thema Sexualität. Er, der Regenbogen, fasziniert offenbar immer wieder die Menschheit. Vor einigen Jahrzehnten war er ein Zeichen für das sogenannte „New-Age“, wobei hier speziell darauf geachtet wurde, dass die Farben auf ihm umgekehrt angeordnet waren. Wie kommt es, dass der Regenbogen immer wieder solch eine Faszination ausübt? Und was ist seine ursprüngliche Bedeutung von der Bibel her?

 

Gott steht zu seinem Wort

Die Bibel erzählt uns von der Zeit, nachdem die Sünde durch Adam und Eva in die Welt gekommen war und alles verändert hatte. Immer schlimmer wurde es. Immer weiter entfernten sich die Menschen von Gott. Deshalb beschloss Gott, dem ein Ende zu setzen. Er würde diese Erde vernichten durch eine Sintflut. 40 Tage ließ er es regnen und auch aus dem Boden brachen große Wassermassen hervor. Etwa ein Jahr lang standen die Wasser über der Erde. Alles Leben kam dabei um. Oder genauer: fast alles Leben. Denn da gab es Noah. Von ihm heißt es, dass er „mit Gott wandelte“ (1. Mose 6,9). Gott ließ Noah ein großes Schiff bauen, die sogenannte „Arche“. In diesem Schiff rettete er Noah und seine Familie und mit ihnen auch von allen Tieren jeweils ein Pärchen und von den „reinen“ Tieren sogar sieben Paare.

 

Nach einem Jahr ging die Flut zu Ende und das Wasser zog sich langsam zurück. Die Bergspitzen wurden wieder sichtbar und die Arche setzte auf dem Berg Ararat in der heutigen Türkei an der Grenze zu Armenien auf. Allerdings dauerte es noch eine ganze Zeit, bis Noah und die Tiere die Arche verlassen konnten. Voller Dankbarkeit brachte Noah Gott ein Opfer von den reinen Tieren, die mit in der Arche gewesen waren. Und Gott schloss einen Bund mit Noah und durch ihn mit der gesamten Menschheit. Nie wieder, so versprach Gott, würde er die gesamte Erde durch eine Flut vernichten. Solange die Erde besteht, würde sie von dem stetigen Wechsel von Sommer und Winter, Saat und Ernte gekennzeichnet werden. Und als Zeichen für die Gültigkeit dieses Bundes setzte er den Regenbogen ein. Denn der Regenbogen ist ja nur sichtbar, wenn es zwar einerseits regnet, aber andererseits auch die Sonne scheint. Er verspricht sozusagen, dass es zwar regnen und auch Unwetter geben wird, aber ebenso wird immer wieder auch die Sonne aufgehen. Diese Erde bleibt so lange bestehen, bis Gott sie eines Tages zu Ende führt.

 

Da stimmt doch was nicht

Spannend ist die in diesem Zusammenhang, dass Gott offenbar zweimal seine Meinung zu ändern scheint. Zunächst lesen wir in 1. Mose 6,5f, dass „der Menschen Bosheit groß war auf Erden und alles Dichten und Trachten ihres Herzens nur böse war immerdar“. Deshalb „reute es ihn, dass er die Menschen gemacht hatte“. Und das, obwohl die Bibel an anderer Stelle behauptet, dass Gott kein Mensch ist und dass ihn deshalb nichts gereuen kann (1. Samuel 15,29). Und dann, nach der Flut, scheint es eine zweite Meinungsänderung Gottes gegeben zu haben. Denn Gott sagt: „Ich will hinfort nicht mehr die Erde verfluchen um der Menschen willen; denn das Dichten und Trachten des menschlichen Herzens ist böse von Jugend auf“ (1. Mose 8,21b). Es hat sich also offensichtlich nichts an der Grundsituation geändert: Der Mensch ist nach wie vor nicht gut, sondern in den Augen Gottes böse. Und doch ist Gottes Reaktion plötzlich eine andere. Jetzt verspricht er, dass er eine solche Flut nie wieder bringen wird, und setzt dafür den Regenbogen an den Himmel.

 

Ändert Gott also seine Meinung? Hat er vor der Schöpfung dieser Welt nicht geahnt, was alles passieren würde? Die Bibel sieht das völlig anders. Gott ist nicht überrascht von der Sünde der Menschen. Warum also diese verwirrenden Aussagen? Ich glaube, dass sie eher für uns geschrieben sind. Das hebräische Wort für „reuen“ bedeutet auch nicht – wie im Deutschen – dass man etwas „bereut“, weil man seinen bisherigen Entschluss jetzt für falsch hält, sondern dass man schweren Herzens einen anderen Weg einschlägt. Wir lesen daher auch, dass es Gott „bekümmerte in seinem Herzen“ (1. Mose 6,6b). Was wir daran sehen sollen, ist ein Doppeltes. Erstens: Sünde ist schlimm. Sie hat als Konsequenz den Tod (Römer 6,23). Und zweitens: Gott ist gnädig. Er findet einen anderen Weg, indem er seine Vergebung verspricht und schließlich durch das Opfer seines Sohnes möglich macht. Der Regenbogen ist daher nicht so sehr ein Zeichen für Buntheit und Vielfalt oder für ein neues Zeitalter (New Age) – er ist das Zeichen der großen Liebe und Vergebungsbereitschaft Gottes. Eine Liebe, die gilt, solange die Erde besteht.

 

Da kommt was auf uns zu

Der Satz „Solange die Erde besteht …“ lässt es eigentlich schon anklingen. Es wird einmal eine Veränderung geben, gegen die die Sintflut wie eine kleine Nebensächlichkeit wirkt. Denn Himmel und Erde werden vergehen.

„Der Regenbogen ist daher nicht so sehr ein Zeichen für Buntheit und Vielfalt oder für ein neues Zeitalter, er ist das Zeichen der großen Liebe und Vergebungsbereitschaft Gottes.“

Das macht die Bibel immer und immer wieder deutlich. Ein Bild dafür finden wir in Hebräer 1,12, wo es um das Ende von Himmel und Erde geht: „Wie einen Mantel wirst du sie zusammenrollen, wie ein Kleid, und sie werden verwandelt werden.“ Dabei ist es wichtig, dass auch am Ende der Zeiten Gottes Zusage und seine Liebe nicht aufhören. Denn Gott beendet nicht einfach alles, er „verwandelt“ es. Davon erzählt uns das letzte Buch der Bibel in seinen abschließenden Kapiteln. Gott schafft einen neuen Himmel und eine neue Erde. Schon im Alten Testament kündigt er dies an (Jesaja 65,17; 66,22) und im Neuen Testament bestätigt er es (2. Petrus 3,13; Offenbarung 21,1). Der alte Himmel und die alte Erde werden verwandelt und zu etwas ganz Neuem.

 

Das ist der große Bogen, der sich in der Bibel von der Schöpfung zur Neuschöpfung spannt. Jeder Regenbogen, den wir sehen, kündigt dies an, denn er ist ein sichtbares Zeichen der Liebe und Vergebungsbereitschaft Gottes. Eine Liebe, die wir dann auf Gottes neuer Welt in der ewigen Gemeinschaft mit Gott selbst genießen dürfen.

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