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Sag mir, wer du bist

Essay

In einer Welt, in der es nur so von Influencern wimmelt, muss die Frage erlaubt sein, von wem oder was wir unser Denken und schließlich auch unser Handeln beeinflussen lassen. Beeinflussen, das wäre ja die richtige Übersetzung zum „Influencen“. Philipp Rüsch meint, wir hätten zwar selbst viel Einfluss darauf, wären uns dem aber allzu oft gar nicht bewusst. Hier spricht er über das Sich-treiben-Lassen und geeignete Gegenmaßnahmen.

Mit 16 Jahren nahm ich an einem 6-wöchigen Schüleraustausch in den USA teil. Mein bester Freund Manuel und ich wohnten in unterschiedlichen Familien und gingen in dieselbe Schule. Sechs Wochen ist keine besonders lange Zeit, aber doch war sie in vielerlei Hinsicht prägend. Nachdem wir wieder zurück in Deutschland waren, sagte Manuel zu mir „Du hast dich verändert.“ Allerdings meinte er dies nicht positiv. Er kannte mich vorher. Hat meinen amerikanischen Austauschschüler kennen gelernt. Und bemerkt, wie ich mich in der kurzen Zeit von ihm habe beeinflussen lassen. Mein Humor, meine Sprache und mein Verhalten hatten sich verändert. Sie waren rauer, sarkastischer und negativer geworden. Ich war mir über diesen Wandel nicht bewusst gewesen und war dankbar für dieses Spiegelbild von einer Person meines Vertrauens.

 

Du bist die Summe deiner Einflüsse

Unser Umfeld prägt uns, ob wir dies wahrnehmen oder nicht, und oft auch, ob wir es wollen oder nicht. Unsere Gedanken und unser Verhalten werden von dem Input beeinflusst, dem wir uns aussetzen. Das ständige Konsumieren negativer (Corona-) Nachrichten erhöht unser Stresslevel. Regelmäßiger Pornokonsum beeinflusst, wie und was wir über Sex denken. Tägliches stundenlanges Scrollen durch Social Media Plattformen wirkt sich auf unser Selbstbild sowie das automatische Vergleichen mit Anderen aus. Eine hohe Scheidungsrate im Umfeld erhöht unser eigenes Risiko für eine Trennung. Auch hat es einen Einfluss auf unsere Gedanken, ob wir uns die Neue Post oder das Neues Leben Magazin zu Gemüte führen. Inspirierende Gespräche mit guten Freunden werden uns ermutigen und unsere Gedanken in eine positive Richtung prägen. Genauso wie regelmäßige Zeiten der Stille, des Gebets oder der Reflektion. Oder wenn wir uns für aktive Bewegung anstelle von passivem Medienkonsum entscheiden. Die Verhaltensweisen, die uns zur Gewohnheit geworden sind, prägen unser Denken, Handeln und Selbstbild am stärksten.

 

Wolf gegen Wolf

Die alte indianische Fabel der zwei Wölfe beschreibt dieses Phänomen passend. Ein alter weiser Indianer erzählt seinem Enkel von dem weißen und dem schwarzen Wolf, die in jedem Menschen wohnen und gegeneinander kämpfen. Der weiße Wolf lebt von Liebe, Frieden, Hoffnung und Dankbarkeit. Der schwarze Wolf wird gestärkt durch Angst, Hass, Schuld und Neid. Welcher Wolf gewinnt? Derjenige, den wir am meisten füttern. Alles was wir konsumieren, aktiv oder passiv, nährt unsere Gedanken. Natürlich können wir es nicht komplett verhindern, dem schwarzen Wolf Nahrung zu kommen zu lassen. Aber wir können dafür sorgen, dass der weiße Wolf niemals hungrig ist. Wie füttern wir unsere Gedanken mit „guter Nahrung“? Dazu drei Ideen zur Ordnung unserer Gedanken.

„Der weiße Wolf lebt von Liebe, Frieden, Hoffnung und Dankbarkeit. Der schwarze Wolf wird gestärkt durch Angst, Hass, Schuld und Neid. Welcher Wolf gewinnt?“

Pass auf, mein Freund

„Zeig mir deine Freunde und ich sage dir, wer du werden wirst.“ Unsere Freunde prägen uns wie kaum andere Personen in unserem Leben; besonders im Teenageralter. Freunde sind uns Vorbilder; bewusst oder unbewusst. Ihre Weltsicht, Verhalten, Einstellungen, Sprache färbt sich auf uns ab. Daher ist es wichtig, dass wir uns mit Menschen umgeben, die Eigenschaften haben, von denen wir uns gerne eine Scheibe abschneiden würden. Positive, entspannte und inspirierende Freunde prägen unser Denken und unsere Entscheidungen in eine gute Richtung. Nehmen wir uns die Freiheit, hin und wieder unsere Beziehungen zu reflektieren. Um anschließend unsere Zeit und Aufmerksamkeit primär auf Menschen zu fokussieren, die uns dabei helfen zu wachsen und zu reifen und die nächsten Schritte zu gehen. Aus christlicher Sicht ist es deswegen auch so wichtig, dass wir Teil einer Gemeinde sind und unseren Glauben nicht nur für uns allein leben. Wir brauchen einander, um uns positiv zu prägen und uns gegenseitig anzuspornen und zu ermutigen.

 

Du bist so frei

Ein guter Nachtschlaf ist wie ein kleiner Reset unserer Gedanken. Am Morgen, wenn wir dann mal wach sind, haben wir häufig die klarsten und unbelastetesten Gedanken. Diese Zeit, in der unsere Aufmerksamkeit noch nicht hin und her gerissen wird, ist sehr wertvoll.

„Das Ordnen unserer Gedanken beginnt am Morgen; jeden Morgen neu. Nimm dir am Anfang des Tages Zeit für die wirklich wichtigen Dinge deines Lebens.“

Womit füllst du die erste Stunde deines Tages? Hastig in den Tag zu starten und gleich zum Smartphone mit seinen endlosen Weiten zu greifen, ist Gift für unsere Aufmerksamkeit. Das Ordnen unserer Gedanken beginnt am Morgen; jeden Morgen neu. Nimm dir am Anfang des Tages Zeit für die wirklich wichtigen Dinge deines Lebens. Dann kann der Rest des Tages auch mal in die Hose gehen. Du hast deine Prioritäten trotzdem schon gepflegt. Vielleicht ist es dir wichtig, fitter zu werden, ein Buch zu schreiben oder deine Beziehung mit Gott zu vertiefen. Für all dies reichen ein paar Minuten pro Tag nicht aus. Wie soll Gott unser Handeln, Denken und Sein prägen, wenn wir ihm täglich nur ein paar Gedanken widmen? Dafür bedarf es ein wenig Anstrengung und das Setzen von Prioritäten. Gegebenenfalls musst du dafür etwas früher aufstehen. Wenn du, so wie ich, keine Lärche bist, die beim ersten Sonnenstrahl fröhlich aufspringt, dann ist das keine leichte Umstellung. Wie bei jeder Gewohnheit wird sich dein Körper aber mit der Zeit an den neuen Tagesrhythmus gewöhnen. Tag für Tag wird es dir leichter fallen, den frühen Morgen für wichtige Dinge zu nutzen, für die später Zeit, Energie oder Aufmerksamkeit fehlen.

 

Es ist deine Entscheidung

Eine praktische Art und Weise wie wir unser Denken beeinflussen können, ist Dankbarkeit. Dankbarkeit ist wie ein trainierbarer Muskel. Wenn wir üben, unseren Fokus auf große und kleine Dinge zu legen, für die wir dankbar sind, dann kann dies unser Hirn nachhaltig verändern. Die beste Weise, unseren Geist mit positiven Gedanken anstelle von pessimistischen zu füllen, ist, sich der vielen Dinge bewusst zu werden, für die wir dankbar sein können. Es ist unsere Entscheidung, ob wir den Blick auf die blühende oder die verwelkte Blume lenken und uns freuen oder ärgern. Mit ein bisschen Fokus und Wiederholungen wird es uns leichter fallen, die schönen Momente wahrzunehmen. Gelebte Dankbarkeit hinterlässt Spuren, die in unserem Umfeld nicht unbemerkt bleiben werden.

 

Ja, unsere Gedanken sind frei. Aber sie sind auch leicht in die Irre zu führen. Umso wichtiger ist es, dass wir uns positiver Einflussfaktoren bewusst werden und unsere Gedanken mit guter Nahrung füttern. Mit dem richtigen Fokus, solider Reflexion und entschlossenem Blick auf das Wesentliche. Dann werden wir wissen, wer wir sind, und jedem sagen können, der uns fragt, was unser Denken und Handeln bestimmt.

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