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Wenn der Heilige Geist mit dem Zeitgeist ringt

Essay

Das mit den „Geistern“ ist so eine Sache. Gemein haben sie wohl alle, dass man sie zwar nicht sehen kann, mitunter aber die Auswirkung ihres Seins zu spüren bekommt. Das, wovor sich manche fürchten, ist für die anderen Erfüllung und größtes Glück. Warum der Heilige Geist Gottes stärker ist als alle seine Konkurrenten und der Mensch sich deshalb nicht zu fürchten braucht, erklärt Alexander Graf zu Castell-Castell.

Am 18. Juli 1939 wurde im Konzentrationslager Buchenwald bei Weimar der evangelische Pfarrer Paul Schneider ermordet. Der „Prediger von Buchenwald“ war nicht bereit gewesen, sich dem Geist der Zeit des Nationalsozialismus anzupassen. So weigerte er sich, bei der Beerdigung eines „Hitlerjungen“ den neu-heidnischen Bräuchen der Nazis zu folgen und bestand darauf, auch dort Gottes Wort unverfälscht zu verkündigen. Das führte zu seiner ersten Verhaftung. Selbst im Lager Buchenwald weigerte er sich, eine Fahne – „das heidnische Symbol“ - zu grüßen und wurde dafür hart bestraft. Noch aus seiner Gefängniszelle heraus hat er gepredigt und den auf dem „Appellplatz“ angetretenen Menschen Mut zugesprochen. Nachdem die Wärter seiner nicht Herr wurden und seinen Willen nicht brechen konnten, brachten sie ihn um.

Die, die ihren Glauben ernst nehmen

Zeitgeist oder Heiliger Geist? Dieser Konflikt bricht auf, wo Menschen Gottes Wort ernst nehmen und feststellen, dass sie damit nicht in Übereinstimmung mit ihrer Umgebung bleiben. Nicht überall geschieht das so drastisch, wie es die Christen unter der Herrschaft der Nazis erlitten haben oder Christen es heute in den Teilen der Welt erleben, in denen sie verfolgt werden, weil sie Christen sind. Aber auch bei uns kommen immer wieder und zunehmend Menschen in Schwierigkeiten, die ihren Glauben ernst nehmen und nicht bereit sind, seine Inhalte den Gegebenheiten, veränderten Einstellungen und verschobenen Werten anzupassen. Jeder muss seine Entscheidung treffen – immer wieder. Wem diene ich? Wer ist mein Herr? Zeitgeist oder Heiliger Geist?

Hebammen, Ärzte und Krankenschwestern, die sich weigern, an Abtreibungen mitzuwirken, geraten beruflich in Schwierigkeiten. Wer nicht dazu bereit ist, die „Vielfalt der Geschlechter“ und die Erweiterung der Ehe zwischen einem Mann und einer Frau als sinnvoll und bereichernd anzuerkennen, sieht sich bald dem Ende von Toleranz und Duldsamkeit gegenüber. Die Botschaft der Bibel und die Gebote Gottes müssen, so sagt man, kontextualisiert und den veränderten Gegebenheiten menschlichen Daseins im 21. Jahrhundert angepasst werden. Aber das stimmt nicht. 

Am Ende der Zeit, in der Jesus als Mensch auf der Erde wirkte, versprach er seinen Jüngern, dass er sie nicht als Waisen zurücklassen, sondern ihnen einen Beistand senden werde. Die Jünger hatten ja bereits vorher gelernt, dass sie der Sünde und dem Bösen ohne Gottes Geist nicht würden standhalten können. Deshalb gab Gott seinen Geist an Pfingsten in die neu entstehende Kirche hinein, als Grundausstattung, als Morgengabe, als Fundament. Und von Pfingsten bis zu dem Tag, an dem diese Welt einmal untergeht, wird der Heilige Geist Gottes bei den Menschen bleiben und sie lehren, was Sein Wille ist. 

Dass es endlich wieder explodieren kann

Ich muss mich entscheiden – immer wieder. Zeitgeist oder Heiliger Geist? Die Kirche gibt diesen Geist weiter durch die Taufe. Jesus hat das versprochen! Nicki Gumbel, der „Erfinder“ des Alphakurses, beschreibt das mit dem Bild eines Gasboilers, einem Gerät, das dazu dient, heißes Wasser im Bad zu bereiten. In diesem Gerät brennt ständig eine kleine Flamme, dreht man aber den Wasserhahn auf, dann explodiert sie förmlich zu einer großen Flammenschlange, die das Wasser erhitzt – und die eigentliche Funktion des Boilers realisiert. Ähnlich verhält es sich oftmals mit der Kirche: Das Flämmchen des Geistes ist in ihr, doch viel zu selten geschieht eine „Explosion“, durch die der gesamte Raum erfüllt wird und bewirkt, dass die Kirche ihre eigentliche Funktion erfüllt. Und die besteht darin, in die Umgebung hineinwirken und das Leben von Menschen durch die kraftvolle Botschaft des Evangeliums zu verwandeln, Menschen mit Gott bekanntzumachen und dadurch die Gesellschaft zu verändern. Das ist der eigentliche Auftrag der Kirche, doch es scheint, als sei die Erinnerung an das Wirken des Heiligen Geistes in Vergessenheit geraten. Die Wahrheit aber ist die: Gottes Geist ist da, kommt aber eben meist nur dort zur Geltung, wo wir ihn einladen und uns ihm zur Verfügung stellen.

Ich muss ich entscheiden – immer wieder. Zeitgeist oder Heiliger Geist? Ohne diesen göttlichen Geist können wir die Dinge nicht tun, die Gott bereits für uns vorbereitet hat: Paulus sagt: „Das, was kein Auge je gesehen hat und kein Ohr gehört hat und das, was noch nie in das Herz des Menschen hineingekommen ist, das sind die Dinge, die Gott für die (= die Jünger Jesu) vorbereitet hat, die ihn lieb haben.“ Und weiter: „Keiner hat die Wirklichkeiten Gottes begriffen außer ihm, dem Geist Gottes selbst. Doch wir haben ja nicht den Geist dieser Welt in uns aufgenommen, sondern den Geist, der aus Gott selbst herauskommt, damit wir all das begreifen, was Gott uns geschenkt hat.“ Ohne den Geist Gottes kommen wir Christen nicht voran. Und noch schlimmer: Dort, wo wir uns nicht immer und immer wieder seiner Nähe versichern und diesen Bund mit Gott von uns aus erneuern, da machen sich andere Meinungen, andere Kräfte, andere Lehren breit – der Zeitgeist eben.

Die, die selbst entscheiden können. Und müssen.

Die Bibel ist voller Berichte von Menschen, denen Gott ganz nahe war und blieb und die dennoch im ersten Moment, in dem sie dachten, Gott sei nicht da, anderen Stimmen folgten und damit die Beziehung zu ihrem Schöpfer aufs Spiel setzten. Adam und Eva waren die ersten „Relativierer“, die das Wort Gottes umdeuteten, indem sie es in den Konjunktiv setzten: „Sollte Gott wirklich gesagt haben?“ bedeutet: „... hat er das nicht eigentlich anders gemeint?“ Dagegen steht: Jes. 40, 8: „Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, aber das Wort unseres Gottes bleibt ewiglich.“

Das Volk Israel, das ja sehr handfest von Gott aus Ägypten und durch die Wüste an den Berg Sinai geführt worden war, brauchte nur sehr kurze Zeit, um all das zu vergessen und sich ein eigenes goldenes Bild zur Anbetung zu machen: „Sie sind schnell von dem Wege gewichen, den ich (Gott) ihnen geboten habe“ (2. Mose 32,8). Jeder muss sich entscheiden, wem er folgen will! Dem Zeitgeist oder dem Geist Gottes. Der Schöpfer selbst hat in uns Menschen hineingelegt, dass wir uns entscheiden können – entweder seinen Weg und Willen oder unseren eigenen Weg zu suchen. Jesus hat das in der Geschichte vom verlorenen Sohn wunderbar beschrieben: Wir können unser Leben auf eigene Faust führen und auch davon ausgehen, dass der Vater uns dabei keine Steine in den Weg legt. Gott lässt uns allerdings die Konsequenzen tragen, wenn wir nicht in seiner Nähe bleiben.

„Wir können unser Leben auf eigene Faust führen und auch davon ausgehen, dass der Vater uns dabei keine Steine in den Weg legt. Gott lässt uns allerdings die Konsequenzen tragen, wenn wir nicht in seiner Nähe bleiben.“

Auch hier war eine Entscheidung nötig. Wie können wir nun praktisch seinen Heiligen Geist erfahren und Gottes Stimme in unserem Leben hören? Zuerst sicherlich durch Lesen der Bibel, damit wir mehr und mehr mit der ganzen Fülle des Lebens erfüllt werden, das bei Gott zu finden ist“ (Epheser 3, 19).  Die Apostelgeschichte beschreibt auch die Gemeinde als den Ort, an dem der Heilige Geist spricht – zum Beispiel zu Paulus und Timotheus (Apostelgeschichte 13,2). Weiterhin hat Gott jedem von uns besondere Gaben gegeben, die wir zum Nutzen der Gemeinde einsetzen und durch die er uns leitet (1. Korinther 12,7). Nicht selten spricht Gottes Geist mit unserem Geist und erinnert uns immer wieder an etwas, was wir tun können – weil er uns damit begabt hat. All das braucht Bestätigung, denn es ist schon viel Schaden entstanden durch den Satz: „Gott hat zu mir gesprochen ...“, wenn damit einem menschlichen Wollen besonderer Nachdruck verliehen werden sollte. 

Gott widerspricht sich nicht. Unser Maßstab für Seinen Willen bleibt immer die Bibel. Widersprüche, die wir in ihr entdecken, beschreiben eher die Grenzen unseres Verstandes. Und wenn ich mich mal wieder entscheiden muss, habe ich Hilfe: „Dein Wort ist wie ein Licht in der Nacht, das meinen Weg erleuchtet“ (Psalm 119, 105).

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