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Das Dilemma des menschlichen Seins

Standpunkt

Unsere Welt entwickelt und verändert sich mit atemberaubender Geschwindigkeit, so schnell, dass manch einem die Puste wegbleibt. Doch schon der weise König Salomo stellte fest: „Es gibt nichts Neues unter der Sonne“. Weder damals noch heute. Wonach jagen wir also die ganze Zeit? Wilfried Schulte hat sich dieser Frage angenommen und formuliert sieben Dimensionen des menschlichen Seins, die sich für den einen oder anderen durchaus als echtes Dilemma präsentieren können.

Modern und trendy oder althergebracht und bewährt? Ich bin überzeugt, die Qualität unseres Lebens hängt im Wesentlichen davon ab, wie wir mit unseren Herausforderungen umgehen. Und das bestimmt auch das Maß unserer Zufriedenheit und Stabilität. Selbst wenn die Herausforderungen des Alltags uns irritieren, stören oder belasten, sie lassen sich nicht verbannen. Aber nicht, ob sie da sind oder nicht, ist entscheidend, sondern die Art, wie wir mit ihnen umgehen. 

Zwischenmenschliche Spannungen

Unsere Beziehungen sind geprägt von Erwartungen und Vorstellungen, die der ständigen Veränderung unterworfen sind – einer Kultur der Kurzfristigkeit. „Wir sammeln in einem einzigen Jahr mehr Eindrücke als Menschen vor 200 Jahren in einem ganzen Leben“, schätzt der Heidelberger Paartherapeut und Autor Dr. Arnold Retzer. Der Paarpsychologe nennt das „den flüchtigen Zeitgeist“. Die entscheidenden Worte in einer Beziehung sind nicht nur „Ich liebe dich“, sondern vielmehr auch „Es tut mir leid“. Diese Worte auszusprechen, ist lebenswichtig für den Bestand der Liebe, besonders da, wo sie ergänzt werden mit dem Satz: „Bitte vergib mir“.  Ein stolzes Herz kennt diese Sätze nicht. Aus Stolz oder aus Angst, unsere Würde oder unseren Respekt zu verlieren, setzen wir Beziehung aufs Spiel. Dabei könnte die Überwindung vieler Spannungen so einfach sein. Wir machen Nähe zueinander wieder möglich, indem wir diese Worte sagen: „Es tut mir leid, bitte vergib mir.“ Wer Vergebung erfahren hat, dem fällt es auch leichter, selbst zu vergeben. Das ist auch eine Botschaft der Bibel. „Seid aber untereinander freundlich und herzlich und vergebt einer dem andern, wie auch Gott euch vergeben hat in Christus.“ Epheser 4, 32

Negative Erfahrungen

Menschen wachsen in unterschiedlichen Umständen auf. Der eine kommt aus einer funktionierenden Familie, der andere nicht. Der eine wird im reichen Europa geboren, lebt in Frieden und hat viele Chancen auf gute Bildung, der andere kommt in einem armen Land zur Welt, in dem Krieg herrscht, und kann von Frieden nur träumen. Das Leben wird wohl nie gleich und gerecht für alle sein. Was es jedoch gibt, ist eine Strategie, wie man trotzdem das Beste daraus machen kann. Ein großartiges Beispiel dazu liefert uns die Geschichte von Josef, nachzulesen im 1. Buch Mose. Sein Leben glich einer Achterbahnfahrt aus guten und schlechten Erfahrungen. Trotzdem hat er in jeder Situation eine Lösung gefunden. Er ist in keiner Lage verzweifelt, hat sich nicht selbst bemitleidet. Ebenso wenig hat er versucht, es allen heimzuzahlen. Stattdessen hat er hat sich verbündet. Wir kennen den Slogan: „Gemeinsam sind wir stark“. Noch viel mehr gilt: In Gemeinschaft mit Gott sind wir stark. Auch wenn die Umstände unverständlich und ungerecht sind, Gott ist gut. Immer. Man darf hadern und sein Herz vor Gott ausschütten, aber man darf auch darauf vertrauen, dass er einen nie im Stich lässt und mit einem durch die Tiefen des Lebens geht. Dieser großartige Satz stammt von Josef und richtet sich an seine Brüder, die ihm übel mitgespielt hatten: „Ihr gedachtet, es böse mit mir zu machen, aber Gott gedachte es gut zu machen.“ 1. Mose 50,20

Konflikt zwischen Wollen und Tun

Was landläufig als „Willensschwäche“ gilt, ist in Wahrheit die Unfähigkeit, das Handeln entsprechend der eigenen Einsicht zu steuern. Das bringt uns immer wieder in Situationen, in denen wir nicht sein wollen und die für uns und andere zu Not und Mühe führen. Je mehr ablenkende Möglichkeiten zur Wahl stehen, umso intensiver erleben wir diesen Konflikt. Es ist ein unsichtbarer Kampf mit sichtbaren Auswirkungen. Um ihn siegreich zu bestehen, erweist sich eine Gemeinschaft als hilfreich, die Einsichten und Werte teilt und in der man sich gegenseitig ermutigt und unterstützt. Menschen, die Jesus nachfolgen, bilden eine solche Gemeinschaft und Gott selbst ist Teil davon. „Denn Gott ist's, der in euch wirkt beides, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ Philipper 2,13

„Wir können nicht alles sein, was wir gerne sein wollen, aber jeder Mensch kann all das sein, wozu Gott ihn erschaffen und bestimmt hat.“

Fehlende Zielsetzung im Leben

Entscheidend im Leben ist es, ein lohnendes Ziel zu haben; zu wissen worauf es ankommt. Nur dann, wenn wir dieses Ziel konzentriert im Blick behalten, geraten wir nicht so leicht aus dem Gleichgewicht. Dann können wir auch die Entwicklungen unserer Zeit einordnen und bewerten. Viele sind auf das Hier und Jetzt fokussiert. Sie hoffen in der Regel auf ein
bequemes, wohlständiges Leben bei guter Gesundheit. Das ist nicht zu verachten und auch nicht zu verwerfen. Aber trägt dies als Lebensziel? Gibt es auch dann noch Halt, wenn uns durch ein unerwartetes Geschehen die Annehmlichkeiten des Lebens und die Gesundheit genommen werden? Ich bin überzeugt, dass ein erfülltes Leben in der Regel die Folge und Frucht richtiger Lebensentscheidungen an der Seite Gottes ist. Der sagt: „Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst; ich will dich mit meinen Augen leiten.“ Psalm 32,8

Krise im Selbstwert

Der Selbstwert des Menschen wird oft verbunden mit seinen Leistungen. Vergleicht man diese dann mit denen anderer Menschen, befindet sich der Vergleichende immer in der Mitte. Es wird einerseits Menschen geben, die mehr können, mehr haben, intelligenter, berühmter, gebildeter und beliebter sind als er. Andererseits gibt es Menschen, die im Vergleich mit ihm schlechter abschneiden. Ganz zu schweigen davon, dass einem die Leistungsfähigkeit auch komplett verloren gehen kann, wir können nichts im Leben dauerhaft festhalten. Jemand hat einmal gesagt: „Wir können nicht alles sein, was wir gerne sein wollen, aber jeder Mensch kann all das sein, wozu Gott ihn erschaffen und bestimmt hat.“ Und Gott selbst sagt zu einem jungen Mann aus dem Volk Israel: „Ich kannte dich, ehe ich dich im Mutterleibe bereitete, und sonderte dich aus, ehe du von der Mutter geboren wurdest, und bestellte dich zum Propheten für die Völker.“  Jeremia 1,5

Unsichere Zukunft

Der Harvard-Psychologe Daniel Gilbert schreibt, dass der Mensch das einzige Lebewesen ist, das über die Zukunft nachdenkt. Nach Gilbert ist dies das bestimmende Kennzeichen der Menschheit.  Dieses Denken ist aber auch verbunden mit Ungewissheit, Sorge, Hoffnung und Angst. Der Mensch investiert viel, um ein Verständnis für die Zukunft zu gewinnen, er forscht, kann sie aber trotzdem nicht erkennen. „Die meisten Menschen bevorzugen die Gewissheit des Leids und ziehen sie dem Leid der Ungewissheit vor“, sagt die Therapeutin Virginia Satir. Jesus sagt: „Euer Herz erschrecke nicht! Glaubt an Gott und glaubt an mich! In meines Vaters Hause sind viele Wohnungen. Wenn's nicht so wäre, hätte ich dann zu euch gesagt: Ich gehe hin, euch die Stätte zu bereiten?“ Johannes 14,1-2 

Ein abwesender Gott – Religiosität

Die entscheidende Frage ist, ob ich eine Beziehung zu Gott haben kann. Ist Gott spürbar in meinem Leben, das ständiger Veränderung unterworfen ist? Wie bekomme ich eine Beziehung zu ihm? Das klärt dann auch die Frage nach seiner Existenz. Ein abwesender, nicht existenter Gott wäre wirkungslos und unbrauchbar. Er könnte den Menschen in ihren Nöten nicht beistehen. Die religiöse Sehnsucht des Menschen kann das Verlangen vielleicht ein Stück weit befriedigen, aber sie kann den Menschen nicht ausfüllen. Das Herz des Menschen sehnt sich nach einer lebendigen Beziehung zu Gott. Genau dafür hat Gott seinen Sohn auf diese Welt gesandt: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.“ Johannes 3,16

Magazin Herbst 2018

Wilfried Schulte, Jahrgang 1955, Evangelist, Fernsehproduzent und -moderator, ist verheiratet mit Doris, Vater von zwei erwachsenen Kindern und Opa von fünf Enkeln. Er ist ehem. Direktor von NEUES LEBEN und Mitherausgeber dieses Magazins.

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