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SOLUS CHRISTUS - Der den Menschen zur Freiheit verhilft

Alltagstauglich

Die Biographie Jesu liest sich auf den ersten Blick wie viele andere. Wären da nicht die feinen Zwischentöne, auf die es ankommt. Martin Luther hat in der Reformation besonderen Wert auf vier Alleinstellungsmerkmale gelegt, ohne die ein Mensch nicht selig werden kann. Wilfried Schulte widmet sich hier dem dritten davon: Der zentralen Person Jesus Christus.

Geboren wurde er von einer Frau aus dem Volk in einem unbedeutenden Dorf. Später arbeitete er als Zimmermann in einer Kleinstadt. Mit 30 zog er drei Jahre lang als Wanderprediger durch die Provinzen seiner Heimat. Er hat kein Buch geschrieben, nie ein Amt bekleidet, hatte weder Familie noch besaß er ein eigenes Heim. Weiter als 300 Kilometer hat er sich kaum von seinem Geburtsort entfernt. Nichts, was große Persönlichkeiten der Geschichte an Glamour umgibt, lässt sich bei ihm finden.

Ausgewählt?

Als er 33 Jahre alt war, wandte sich die öffentliche Meinung gegen ihn. Seine Freunde liefen von ihm weg. In einem „Scheinprozess” wurde er verurteilt, zwischen zwei Dieben an ein Kreuz genagelt. Die Wachsoldaten verlosten seine Kleider unter sich. Man legte ihn in ein Grab, das ihm ein Freund aus Mitleid überlassen hatte. Mehr als 1900 Jahre sind inzwischen vergangen. Und noch immer ist er die zentrale Figur der Weltgeschichte. Kein Politiker hat das Leben der Menschen so beeinflussen können wie dieser Mann.

Wer ist dieser Jesus, mit dem wir uns so schwertun? Aus der Weltgeschichte kann man ihn nicht streichen. Doch sein Anspruch reicht weiter: Er möchte Mittelpunkt im Leben jedes einzelnen Menschen sein. Und dagegen wehren sich viele. Nähere Auskünfte über diesen Mann finden wir in der Bibel. Nicht etwa, dass diejenigen, die über ihn berichten, sein Äußeres beschreiben würden. Ihre Aufmerksamkeit gilt ausschließlich seinem Charakter und seinem Verhalten.

Aufgesucht?

Als er in der jüdischen Provinz lebte, legten die Menschen viele Kilometer zurück, um in seine Nähe zu gelangen: Richter und Soldaten, Fischer und Prostituierte. Offensichtlich zog Jesus alle an; er konnte mit jedem Mann auf der Straße reden und mit hohen Staatsbeamten diskutieren. Er aß im Haus eines Zöllners, hielt aber auch theologische Vorträge im Jerusalemer Tempel. Manchmal versammelten sich große Menschenmengen, um ihn zu hören. Intelligente suchten seine Nähe ebenso wie schlichte Leute. Der Theologe Nikodemus holte sich in einem Nachtgespräch bei ihm Rat. Doch auch einer moralisch weitherzigen Frau zeigte Jesus in einem „Brunnengespräch”, wo sie den Maßstab ansetzen musste.

In einer Zeit, in der die Männer dominierten, setzte sich Jesus für die Anerkennung von Frauen ein. In der Schar seiner Anhänger befanden sich auch viele Frauen. Wenn Jesus von Gott sprach, benutzte er den Kosenamen “Abba”, was wir heute etwa mit „Papa” wiedergeben würden. Vor allen wichtigen Entscheidungen versuchte er, ungestört Zeit mit ihm zu verbringen. Er besprach die Dinge, um die es ihm ging, mit dem Vater. Was er tat, spiegelte die Art Gottes so konkret wider, dass er sagen konnte: „Ich und der Vater sind eins.” Sein Leben war unvergleichlich.

„Kennzeichnend für Jesus ist sein Wunsch, Menschen zur Freiheit zu verhelfen.“

Aufgescheucht?

Markus, einer der Männer, die über Jesus berichteten, stellte fest, dass die Leute über dessen Art zu lehren erstaunt waren. Er redete „anders”. Er scheute sich nicht, die Fehler der Priester aufzudecken und die Händler aus dem inneren Tempelbezirk hinauszuwerfen. Er heilte Gelähmte, befreite Menschen von ihrer dämonischen Besessenheit und weckte Tote auf. Tausende, die seiner Predigt zugehört hatten, machte er mit wenigen Broten und Fischen satt. Und er ließ keinen Zweifel daran, dass ihm diese Macht von seinem Vater im Himmel anvertraut war. 

Für den aufgeklärten Menschen des 21. Jahrhunderts sind Wunder kaum verständlich. Sie verstoßen gegen die Naturgesetze. Doch wissenschaftliche Normen ergeben sich aus der Beobachtung von Übereinstimmungen. Tritt eine Ausnahme ein, muss der Wissenschaftler diese berücksichtigen, indem er seine Norm erweitert. Jesus stellte sicher eine solche „Ausnahme” dar. Die Leute in seiner Umgebung nahmen Wunder bereitwillig auf. Die Juden konnten sie zwar nicht leugnen, bezeichneten sie jedoch als Teufelswerk. 

Ausgelöscht?

Kennzeichnend für Jesus ist sein Wunsch, Menschen zur Freiheit zu verhelfen. Er hatte seine Kindheit in einer Arbeiterfamilie verbracht, trotzdem war er frei von sozialen Vorurteilen. Als Angehöriger eines unterdrückten Volkes setzte er sich für eine „Opposition des Friedens” ein. Und obwohl er die Gültigkeit des Alten Testaments vertrat, ließ er sich von archaischen Systemen nicht vereinnahmen. Er war ein Befreier. Er nahm den Menschen ihre Schuld ab und half den Depressiven, darauf zu vertrauen, dass sie vor Gott „etwas wert” sind. Er heilte physisch und psychisch Kranke und befreite Menschen von ihrer Angst. Er benutzte kein Schwert, hat nie einen Wahlzettel ausgefüllt. Aber seine Worte bilden die mächtigste Waffe, um den einzelnen Menschen und damit die Gesellschaft zu verändern. Er starb in den besten Lebensjahren: Nicht, weil es seinen Gegnern gelungen wäre, ihn umzubringen, sondern weil sein Leben erfüllt war. Obwohl er gefesselt war, waren seine Ankläger die eigentlichen Gefangenen: verstrickt in Neid, Eifersucht, Selbstgerechtigkeit und Hass.

Dem Leitungsgremium des jüdischen Volkes gehörten nur gottesfürchtige Menschen an. Sie übergaben den Besatzern einen jungen Mann mit der Aufforderung, für dessen Tod zu sorgen. Und die Römer, bekannt für ihre hochentwickelte Gerichtsbarkeit, ließen ihn kreuzigen, obwohl ihr eigener Kommandeur beteuert hatte, dass an ihm keine Schuld zu finden war. Erklären lässt sich das nicht. Die Juden schrien: „Kreuzige ihn!”, als die Rede auf Jesus kam. Den Mörder Barrabas mochten sie zwar nicht, forderten aber trotzdem seine Freiheit statt für die Freilassung von Jesus zu plädieren. Weil Barrabas ihre Selbstgerechtigkeit nicht bedrohte.

Auferstanden?

Jesus starb freiwillig. Das gehörte zu seinem Lebensprogramm. Dreimal hatte er seinen Freunden angekündigt, dass er hingerichtet werden müsse. Dabei konnte ihm niemand das Leben nehmen. Die Soldaten, die ihn gefangen nehmen sollten, fielen in seiner Gegenwart wie tot zu Boden. Erst als er es ihnen erlaubte, konnten sie ihn fesseln. Das Leben und der Tod von Jesus sind gleichermaßen bedeutungsvoll. Er sagt: „Größere Liebe hat niemand als der, der sein Leben für seine Freunde gibt.” Aber er hat mehr getan: Er hat sein Leben für all jene Menschen geopfert, die keineswegs auf der Seite Gottes stehen. Damit wurde er zur Brücke zwischen Gott und Mensch. Gott hat das Opfer von Jesus dadurch bestätigt, dass er ihn von den Toten auferweckte. Damit fordert er den Menschen zur Entscheidung heraus. In einem Satz zusammengefasst heißt das: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren gehen, sondern das ewige Leben haben” (Johannes 3, 16). 

Warum fällt es so schwer, darauf zu vertrauen? Die Antwort liegt in der damit verbundenen Konsequenz: Wer sich Jesus anvertraut, kann nicht so weiterleben wie bisher. Denn Jesus verändert unser Verhältnis zu Gott ebenso wie unsere Einstellung zu unserem Nächsten. Der aufgeklärte, moderne Mensch kann an Talismane und Horoskope glauben, das Zimmer Nr. 13 im Hotel auslassen. Er bezeichnet das zwar leichtfertig als abergläubisch, meint aber, das sei schon so in Ordnung. Gott aber fordert etwas Anderes von uns. Der Apostel Paulus schreibt: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden” (2. Korinther 5, 17). Nichts Geringeres beinhaltet das Angebot Gottes an uns. Er will neue Menschen. Das Alte zählt nicht mehr.

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