Zwangsheirat - Kein Recht zur freien Partnerwahl

Dokumentation

Rund 250 Millionen Frauen waren bei ihrer erzwungenen Eheschließung noch keine 15 Jahre alt. Täglich werden 39.000 Kinder verheiratet. Mädchen, die unter 18 Jahren eine Ehe eingehen, brechen häufiger die Schule ab, erleben mehr häusliche Gewalt und sterben häufiger in der Schwangerschaft und im Wochenbett. Ein beklemmendes Bild, das Anette Bauscher da zeichnet. Leider aber ein wahres.

„Mädchen (10) flieht vor Ehemann (80) – Vater bringt sie zurück“; „Verkaufte Unschuld“; „Kinder als Bräute – Islam verheiratet neunjährige Mädchen“ … Solche Schlagzeilen sieht man in Deutschland eher selten. Doch nicht erst durch die vielen muslimischen Flüchtlinge sind Zwangs- und Kinderehen auch hier zum Thema geworden. 2008 ergab eine Befragung bei deutschen Beratungseinrichtungen, dass 3.443 Personen, vorwiegend Mädchen, wegen drohender Zwangsheirat Hilfe gesucht haben. Seither kursiert die Zahl von 3.000 Zwangsehen jährlich in Deutschland. Einzelfälle? Keineswegs.

Freiheit? Leider nicht vorhanden

Das bestätigt auch Ahmad Mansour, palästinensischer Psychologe, Programmdirektor bei der European Foundation for Democracy in Brüssel und Autor des Buches „Generation Allah. Warum wir im Kampf gegen religiösen Extremismus umdenken müssen“. Er berät Jugendliche aus patriarchalischen Strukturen und weiß, dass ihre Angst vor der Familie oft größer ist als vor einem fremden Ehepartner. Und er vermutet, dass sich 80 % der bedrohten Jungen und Mädchen dem Willen der Eltern beugen. Wie hoch die tatsächliche Zahl der Ehen ist, die auch in der 3. Generation in Deutschland noch erzwungen werden – und wie viele Kinderehen darunter sind – wagt niemand zu schätzen. Nur die Mutigsten suchen Hilfe, die anderen leiden still. Häufig hängen die Themen Zwangsheirat und Ehrenmord zusammen. Schon alleine die Verweigerung des von den Verwandten auserwählten Partners beschmutzt die Ehre in der so genannten „Schamkultur“ und kann zu schlimmen Reaktionen führen. 

„Nur die Mutigsten suchen Hilfe, die anderen leiden still.“

Theoretisch ist die Zwangsehe weltweit verboten, dafür sorgt der Artikel 16, Absatz 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte von 1948. Trotzdem wird sie in vielen Ländern akzeptiert. Nicht nur in der islamischen Welt und in Südasien. Auf Kosten von meist jungen Mädchen, die oft einem viel älteren Mann übergeben werden wie eine Ware. Die Formen von Zwangsheirat sind so unterschiedlich wie die Gründe selbst.

Wir tun gut daran, unsere Werte zu verteidigen

Als die Bundesregierung 2011 mit Paragraf 237 StGB Zwangsehen unter Strafe stellte, fehlte das Einbeziehen religiös oder kulturell geschlossener Ehen. Das Martyrium für die Betroffenen ist dasselbe – und so werden Minderjährige auch in Deutschland verheiratet. Laut Frauenreferat des Sozialministeriums in Hessen soll das Gesetz verbessert werden. Bleibt abzuwarten, ob dies der Fall sein wird. Die Entwicklung in Deutschland ist besorgniserregend: Das Oberlandesgericht Bamberg erklärte die in Syrien geschlossene Ehe eines 14-jährigen Mädchens für gültig und widersprach damit dem Urteil vom Aschaffenburger Familiengericht aus erster Instanz. Deutschland tut gut daran, seine Werte zu verteidigen und den mitimportierten Schattenseiten der muslimischen Kultur etwas entgegenzusetzen. Denn bei uns gelten Grundrechte auch für Frauen und Kinder.

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