Zur Freiheit befreit

Standpunkt

Ich bin dann mal so frei. Was auch immer das im Einzelnen dann heißen mag. Peter Schulte macht sich mit uns auf den Weg, den Ursprung der Freiheit zu suchen, und sucht dabei zugleich eine Antwort auf die Frage, ob es Freiheit ohne Bindung eigentlich gibt. Oder überhaupt geben kann.

Der größte Traum und die größte Sehnsucht der Menschen ist: Frei zu sein! Um diese Freiheit wurde häufig im Laufe der Menschheitsgeschichte gekämpft. Freiheit ist nicht selbstverständlich. 

Der Begriff Freiheit beinhaltet in sich eine unübersehbare Bedeutungs- und Anwendungsvielfalt. In allen Bereichen sucht dieser Begriff seine Geltung und seinen Wert. Bei der Lehre des Menschen. In Verbindung zu einer Religion. Im Wirtschaftsleben. Die Hirnforschung untersucht den freien Willen. Im Buddhismus erforscht man die Seele, um zu erkennen, wer man eigentlich wirklich ist. Dazu muss man – nach der buddhistischen Lehre – erst richtig frei sein und sich selbst erkennen. Wir wollen auch Freiheit in den Wirtschaftsbeziehungen. Davon haben Sie sicher schon gehört: TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership, Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft). 

Freiheit braucht Rahmenprogramme

Schon an diesem Vorhaben wird deutlich, dass es keine Freiheit – auch keine Freiheit in Wirtschaftsbeziehungen – geben kann, ohne bestimmte Regeln zu beachten. Freiheit zieht immer wieder Unfreiheit nach sich. Um TTIP auf den Weg zu bringen, müssen Rahmenprogramme erstellt werden, die diese Handelsfreiheit gewährleisten. Es braucht einen Investitionsschutz. Arbeitnehmerrechte müssen gewahrt bleiben. Der Klimaschutz darf nicht gefährdet werden. Der Verbraucherschutz darf nicht umgangen oder aufgeweicht werden. Die Standards bei den Tierversuchen sind einzuhalten. Bleiben der Datenschutz und die IT-Sicherheit bestehen? Die große Freiheit in den Handelsbeziehungen wird für alle Beteiligten mit neuen Regeln und Gesetzen begleitet sein, die für die Freiheit „zu zahlen“ sind. Der Begriff „Zuzahlung“ trifft hier genau ins Ziel. 

Freiheit braucht Wertesysteme

Freiheit, wo auch immer erwünscht, ist nicht ohne eine Einbettung in ein Werte- und Ordnungssystem zu erreichen. Auf den einzelnen Menschen bezogen, kann man es so formulieren: „Meine Freiheit ist immer die Unfreiheit des Anderen!“ 
Wenn ich mit meinem Auto auf einem Parkplatz auf eine freie Parkfläche fahre und meinen Wagen dort abstelle, so kann das auf dieser Fläche nun kein anderer mehr machen. Die Ausübung meiner Freiheit hat seine eingeschränkt. Freiheit kann also nicht mit der Formel der Gleichheit erklärt werden. Freiheit ist verantwortlich nur da erlebbar, wo Liebe und Verantwortung sie begleiten.

„Meine Freiheit ist immer die Unfreiheit des Anderen!“

Freiheit braucht eine Grundlage

Freiheit ist nach der Bibel als Freiheit von der Sorge um sich selbst und als Freiheit für andere zu verstehen. Sie gründet sich in dem Versprechen der Liebe und Annahme Gottes und in dem Vertrauen darauf. Die Freiheit ist immer wieder an das Wort Gottes angebunden. Liebe hat viele Gesichter. Im Hinblick auf die Nächsten- und Feindesliebe und der sozialen Gerechtigkeit. Die Liebe zu sich selbst ist genauso relevant wie die Liebe zu meinem Nächsten. Ebenso wie die Freiheit, kann die Liebe nie zum Besitz des Menschen werden. Liebe und Freiheit sind ein Geschenk. 

Freiheit braucht Auseinandersetzung

Mit der Frage, ob der Mensch frei oder unfrei ist, kam es zwischen dem Humanisten Erasmus von Rotterdam (1469 – 1535) und Martin Luther (1483 – 1546) zum Streit. Luther schreibt in seiner Schrift „Vom unfreien Willen“ (1525), dass „der Mensch einem Reittier gleiche, das entweder von Gott oder vom Teufel geritten werde“. Eine neutrale Plattform im theologischen Sinne für eine freie Entscheidung für das eine oder andere besteht nicht. Nach Luther lebt der Mensch  entweder nach dem Fleisch oder nach dem Geist. In der Schrift Luthers über die Freiheit eines Christenmenschen hat er dies trefflich zum Ausdruck gebracht: „Im Glauben ist der Christ ein freier Herr aller Dinge und niemandem untertan“. In seiner Verbindung zu Gott ist er über alle anderen Verbindungen erhaben. Dies ist aber nur ein Teil der Wahrheit. Durch die Liebe ist der Nachfolger Jesu „ein dienstbarer Knecht aller Dinge und jedermann untertan“.  Hier umarmen sich, in der Freiheit, die Liebe und die Verantwortung. Die verantwortliche Liebe sucht nicht das Ihre (1. Korinther 13,5). Verantwortliche Liebe macht mich freiwillig zum Knecht, Matthäus 20,27: „Wer der erste sein will unter euch, sei euer Knecht“. Der Christ ist auch befreit von dem Zwang der Selbstbefreiung und dadurch frei.

„Freiheit ist verantwortlich nur da erlebbar, wo Liebe und Verantwortung sie begleiten.“

Freiheit braucht verantwortliches Handeln

Der gekreuzigte Christus ist der Garant der Freiheit, der Verantwortung und der Liebe. Die Freiheit ist das Resultat der Befreiung von Sünde. Der Mensch ohne Gottesbezug und -bindung hat nicht die Freiheit, zu Gott zu kommen. Er bleibt ein Knecht der Sünde („wer Sünde tut, der ist der Sünde Knecht“, Johannes 8,34) und ist damit unfrei. Christus kam zu uns, um uns aus der Knechtschaft der Sünde zu befreien. Paulus verdeutlicht: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit“ (Galater 5,1). Gleichzeitig warnt er davor, diese Freiheit durch Gesetzlichkeit aufs Spiel zu setzen. Es kommt darauf an, im Sinn und Geist Gottes zu handeln, um der Freiheit Raum zu geben. In Verantwortung und Liebe. Paulus schreibt in 2. Korinther 3,17: „Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit“. Diese Freiheit erhält in der Zukunft, wenn Gott sich den Menschen offenbaren wird, ihre umfassende und für jeden sichtbare Bedeutung.

Freiheit braucht Weite

Der Zusammenhang mit 2. Korinther 3,6: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig“, lässt uns mit den örtlichen und zeitlichen Regeln vorsichtig umgehen. Bei manchen Christen ist das Schminken der Frauen verpönt, aber ein Gläschen Wein immer willkommen. Bei anderen Christen steht man schon mit einem Glas Wein im Vorhof der Hölle, wobei dann das Schminken bis zur Unerkennbarkeit des Gesichts ausgeübt wird. Man kann die Beispiele unterschiedlicher Formen ausgelebter Frömmigkeit beliebig fortsetzen. Wichtig ist nur, dass man seine eigene Erkenntnis nicht zum Maßstab für alle macht. Wenn jemand wegen Kleidervorschriften, Haarmode, Sitzordnung in der Gemeinde und Liedauswahl schief angeschaut wird, ist die biblische Freiheit bedroht, von der Paulus spricht. Manchmal werden Christen wegen dieser Unterschiede aus der Gemeinde ausgeschlossen. 

Liebe und Verantwortung führt zur Freiheit und lässt uns miteinander besser umgehen. Wo wir den Initiativen und Ermutigungen des Heiligen Geistes folgen, da ist Freiheit. Das will uns Paulus ans Herz schreiben. Immer wieder wird eine Freiheit über den Wolken besungen, die grenzenlos ist. Freiheit ist aber keine Beliebigkeit. Meine Freiheit ist immer die Unfreiheit meines Nächsten, deshalb müssen wir wegen der Freiheit in Liebe und Verantwortung miteinander umgehen.

Magazin Herbst 2016

Jetzt das gedruckte Magazin bestellen

Lesen Sie das Magazin gemütlich auf Papier. Bestellen Sie jetzt ihr eigenes Printmagazin und lesen Sie 4x/Jahr gute, christliche Ratgeber-Inhalte. Denn NEUES LEBEN ist kostenfrei im Abo erhältlich.