Wie viel Freiheit braucht der Mensch?

Ratgeber

Vorausgesetzt, dass wir zwischen äußerer und innerer Freiheit unterscheiden, braucht Beziehung alle Freiheit, die sie entwickeln kann. Äußere Freiheit ist Bewegungsfreiheit: Freiheit des Handelns. Die äußere Freiheit ist ambivalent. Ihr Wert hängt von der inneren Freiheit ab. Die innere Freiheit ist die Unabhängigkeit von den äußeren Umständen.

Freiheit innen und außen

Das Maß der inneren Freiheit bestimmt das Maß der Beziehungsfähigkeit. Kinder können ein hohes Maß an innerer Freiheit besitzen. Das macht wohl gerade echte Kindlichkeit aus. Aber die innere Freiheit der Kinder ist sehr verletzlich. Sie kann auf Dauer nicht ohne den äußeren Schutz bestehen bleiben, den ihr die erwachsenen Bezugspersonen gewähren. Die innere Freiheit der Kinder hängt vom Vertrauen ab. Schutz und Förderung der kindlichen inneren Freiheit ist Schutz und Förderung ihrer Vertrauensfähigkeit. Sie entwickelt sich durch die Erkenntnis des Verlässlichen. Vertrauenswürdig ist das, worauf Verlass ist. Verlässlichkeit ist das Wesen der guten Beziehung. Wer sich verlassen kann, wird nicht verlassen sein. Und das gilt nicht nur für Kinder.
Freiheit versus Grenzen?

Zugunsten der inneren Freiheit braucht die äußere Freiheit Grenzen, die zwischen dem Vertrauenswürdigen und dem nicht Vertrauenswürdigen trennen. Kinder und Jugendliche haben noch zu wenig Lebenserfahrung, um das selbst gut genug unterscheiden zu können. Sie brauchen die unterstützende Hilfe der Erwachsenen dazu. Wenn Erwachsene aber selbst keine Vertrauensfähigkeit entwickelt haben und darum innerlich abhängig geblieben sind, vermitteln sie stattdessen Konzepte des Misstrauens und der inneren Unfreiheit. Dementsprechend gestalten sie auch ihre Beziehungen untereinander. Es sind Pseudobeziehungen. Solche Erwachsenen reden oft sehr viel von Freiheit und Treue, aber sie meinen damit ideologisches Diktat, Gleichschaltungen, Unterwürfigkeit und Gefolgschaft. Das sind die Geister der Unfreiheit, die unermessliches Leid in die Beziehungen der Menschen gebracht haben und es leider immer noch weiter tun. 

Freiheit kann man üben

Wie können wir innerlich frei werden, wenn unsere Seele zu wenig äußeren Schutz und zu viel Verletzung erfahren hat? Innere Freiheit gewinnen wir nur von innen heraus. Probleme mit der inneren Freiheit haben wir aber, wenn wir nicht geübt haben, sie in Anspruch zu nehmen. Stattdessen haben wir uns in äußeren Abhängigkeiten verfangen. Innerlich frei zu werden ist also der Prozess des Einübens, unsere Entscheidungen nicht mehr durch äußeren Druck bestimmen zu lassen, sondern mutig dafür die jetzt gegebene innere Freiheit in Anspruch zu nehmen. 

Wo das gewagt wird, ordnen sich die Beziehungen. Aus zerstörerischen Machtstrukturen kann ein gutes, herzliches Miteinander werden. Äußere Abhängigkeitsverhältnisse verblassen, weil die innere Verbundenheit der Vertrauensbeziehung wächst. Wer also das Beste für seine Beziehungen tun will, der fängt bei sich selbst an: Werde dir deiner inneren Freiheit bewusst, ergreife sie mutig und beherzt und übe konsequent ein, deine Entscheidungen von ihr bestimmen zu lassen.

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