Ein Hauch von Freiheit

Bibel erklärt

Der Begriff Freiheit kommt so im Alten Testament nicht vor. Aber es gibt die Sache, den Umstand. Da muss man allerdings ganz zu den Anfängen des Volkes Israel zurückgehen. Den Weg dahin führt uns Klaus Riebesehl.

Die Vorstellung der Freiheit in Israel ist mit einem besonderen Ereignis verbunden: die Befreiung der Israeliten aus dem Joch der Sklaverei Ägyptens. Aus Unterdrückung und hartem Frondienst (2. Mose 1), führte Gott selbst sie in die Freiheit (2. Mose 12). Israel erlebte seinen Gott also zuerst als Erlöser. Ägypten bedeutete für Israel Unterdrückung, Fremde, unter der Gewalt des Pharaos. Kanaan hingegen, das gelobte Land, war das Geschenk Gottes an sein Volk. Dort konnte es in Freiheit leben. Statt eines Tyrannen war dort Gott selbst ihr Herrscher. Und das bedeutete Freiheit. Eine Freiheit, die nur dann in Gefahr geriet, wenn Israel sich auf andere Götter einließ, Gottes Schutz verlor und unter die Herrschaft von Feinden geriet. Freiheit, das bedeutete Leben mit Gott.

Das Fest der Freiheit

Der Auszug aus Ägypten war so bedeutsam, dass er regelmäßig gefeiert wurde. Einmal pro Woche! Der Sabbat – der siebte Tag der Woche – erinnerte daran, dass Gott Israel befreit hatte. Und so wurde er zum Inbegriff des Bundes Gottes mit Israel am Sinai. Wie der Herr sein Volk aus Versklavung erlöst hatte, so sollte jeder einmal in der Woche von allen Lasten frei sein. Das wöchentliche Arbeitsfrei erinnerte dabei an die Befreiung aus Ägypten. Jeder sollte sich auf diesem Wege an das Freiheitsdatum erinnern. So ist also auch der Sabbat Ausdruck der Freiheit. Und nach alttestamentlichem Recht hatten alle frei, auch Sklaven und sogar die Arbeitstiere wie Rind und Esel (5. Mose 5,14). So prägte der Sabbat als Höhepunkt die Woche: 6 Tage Arbeit, 1 Tag frei. „Der Sabbat ist um des Menschen willen geschaffen“, bestätigt Jesus später im Neuen Testament dessen Relevanz.

„Israel erlebte seinen Gott also zuerst als Erlöser.“

Das Recht auf Freiheit

Von der Freiheit sollten auch die Schwachen in der Gesellschaft profitieren – die 
Sklaven. Es sollte keine dauerhafte Sklaverei für Israeliten geben. Es konnte vorkommen, dass jemand in Schuldsklaverei geriet. Die war alttestamentlich gestattet, aber dafür stark reglementiert. Es war eher eine Art Schuldenabtrag durch die eigene Arbeitskraft. 6 Jahre sollte der israelitische Sklave seinen Dienst tun, aber im siebten Jahr musste er freigelassen werden (2. Mose 21,2). Und er sollte mit Geschenken ausgestattet werden (5. Mose 15,13-14). Der Bezug zum Sabbat ist deutlich zu erkennen. Auch hier prägte der Sabbat im Großformat das Leben. Und das siebte Jahr bedeutete für den Verarmten Freiheit und Neuanfang.

Das Recht zu jubeln

Diese besondere Form der Freiheit kam in Israel nur alle „Jubeljahre“ vor (3. Mose 25). Auf sieben Sabbatjahre, also 49 Jahre, folgte im 50. Jahr eine Freilassung besonderer Art. Alle Sklaven wurden frei, egal ob sie schon ihre 6 Jahre abgearbeitet hatten oder nicht. Auch (fast) aller Grundbesitz kam zu den ursprünglichen Besitzern zurück. So war dieses Jobeljahr (von hebräisch Jobel = Widderhorn) sicher auch ein Jubeljahr. Jeder Arme konnte auf seinem Boden, der die Grünbrache des 49. Jahres schon hinter sich hatte, in Freiheit neu anfangen.

Halten wir fest: Freiheit kann man sich nach dem AT nicht selbst erwerben. Sie ist ein Geschenk Gottes und hauptsächlich als Erlösung aus der Sklaverei zu verstehen.

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