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Dann seid ihr wirklich frei

Standpunkt

Wir haben Maria Würfel gebeten, sich für uns mit Vers 36 aus dem Johannesevangelium, Kapitel 8, zu beschäftigen: Wenn euch also der Sohn Gottes befreit, dann seid ihr wirklich frei. Lesen Sie selbst, was sie schreibt.

In unserer Beratungsstelle für neu ankommende schutzsuchende Flüchtlinge im Süden Deutschlands sind wir dafür da, dass angesichts komplexer und schwieriger Abläufe im Asylverfahren bereits zu Beginn sichergestellt wird, dass schutzbedürftige Personen Schutz erhalten. Viele von ihnen haben auf ihrer Flucht grausame Dinge erlebt, viele von ihnen sind traumatisiert. Sie kommen in ein Land, von dem ihnen so viel versprochen wurde. Und sind dann enttäuscht, wenn sich die Versprechungen als unwahr herausstellen. 

Die Geschichten gehen nah

In solch angespannten Momenten versuchen wir als unabhängige Sozial-und Verfahrensberatung zu helfen. Möglichst zeitnah und bedürfnisorientiert. Aller Sprachbarrieren zum Trotz und mit der Hilfe vieler ehrenamtlicher Sprachmittler. Manchmal ist es mühsam, durch die Mühlen der deutschen Bürokratie Einzelschicksalen gerecht zu werden. Manchmal gehen die Geschichten der Geflüchteten sehr nah. Manchmal auch zu nah. Da helfen Gespräche untereinander im Team oder der Kontakt zu den zwei evangelischen Geistlichen, die sich um Mitarbeitende und Geflüchtete kümmern.

Sie sind hier nicht frei

Zurzeit beraten wir auch viele Frauen, die aus Benin-City (Nigeria) nach Deutschland geflüchtet sind. Diese Frauen sind oft sehr arm und werden unter falschen Versprechungen nach Europa verschleppt. Tatsächlich sind sie hier jedoch nicht frei, sondern müssen als Prostituierte ihre Reisekosten abstottern. Mehrere Jahre lang. Mehr noch: die Schlepper belegen sie mit einem Zauber, dessen Fluch auch ihre Familienangehörigen treffen würde, wenn sie sich dagegen auflehnen. 

Man macht den Frauen Angst

Juju ist vor allem im Süden Nigerias ein sehr weit verbreiteter Glaube an dunkle Mächte und so ist es nicht selten, dass die jungen Frauen vor ihrer Flucht in Nigeria auf einen Juju-Priester treffen. Mit einer furchteinflößenden Prozedur, bei der Fingernägel geschnitten, Haare ausgerissen und anschließend mit Blut eines geschlachteten Tieres besprengt werden, soll ihnen Angst gemacht werden. Es ist eine sehr einprägsame Prozedur, die dafür sorgt, dass die Frauen, die zum Beispiel nach Deutschland kommen, nur wenig über ihre Qualen sprechen. Aus Angst akzeptieren diese Frauen ihr Schicksal und sind Teil eines großen Schmuggler-Menschenhandel-Kartells. 

Es gibt die Freiheit doch

Manchmal gelingt es aber doch, den Kreislauf zu durchbrechen. Wenn die Frauen sich nämlich trotz ihrer Angst an unsere Beratungsstelle wenden, obwohl oder gerade weil sie selbst noch in der Erstaufnahme von ihren Schmugglern bedroht werden. Für solche Frauen gibt es Räume, die rund um die Uhr bewacht und betreut werden. Dort haben sie die Möglichkeit zu erfahren, dass es auch noch eine andere Freiheit gibt als die, nach der sie sich in Europa gesehnt haben. In Freiheit leben und daran glauben zu können, frei zu sein. Wenn mir die Schicksale zu nahegehen, tut es mir gut, sie abzugeben. Abzugeben in Gottes Hände, dem ich darin vertrauen kann, dass er auch auf die Frauen aus Nigeria ein Auge hat. Mich befreit das – weil ich so Verantwortung abgeben kann. Und vielleicht auch die Frauen merken: Es gibt nur einen, der wirkliche Freiheit schenken kann. Gott.

Magazin Herbst 2016

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